„Aktioun Gehaansfénkelcher“
Luxemburgs Glühwürmchen leuchten wieder – doch ihre Lebensräume schwinden
Die Glühwürmchen-Saison steht vor der Tür. Im Großherzogtum sind die Käfer nur für eine kurze Zeit zu sehen. Wo die Tiere funkeln und weshalb ihre Habitate zunehmend bedroht sind.
Mitte bis Ende Juni sind in Luxemburg nach Anbruch der Dunkelheit Glühwürmchen zu sehen Symbolfoto: I-hwa Cheng/AFP
Wenn die Dunkelheit über Luxemburg fällt, beginnt jeden Sommer für kurze Zeit ein leuchtendes Schauspiel in Wäldern und Wiesen. Es ist die Zeit der „Gehaansfénkelcher“. Die kleinen Leuchtkäfer – auf Deutsch „Glühwürmchen“ – sind nur etwa zwei Wochen lang um Mitte bis Ende Juni zu sehen. Denn dann gehen die Tiere auf Partnersuche – und lassen dabei die Nacht erstrahlen. Mit der Kampagne „Aktioun Gehaansfénkelcher“ lädt der „Mouvement écologique“ (Méco) dazu ein, die Magie dieses Naturschauspiels zu entdecken – und die Lebensräume der Glühwürmchen zu schützen. Das geht aus einer Pressemitteilung vom Mittwoch hervor.
Die Kampagne „Aktioun Gehaansfénkelcher“ soll für Glühwürmchen und den Schutz ihrer Lebensräume sensibilisieren Foto: Mouvement écologique
Nicht Würmer, sondern Fünkchen
Anders als der deutsche Name vermuten lässt, sind Glühwürmchen keine Würmer, sondern Käfer aus der Familie der Leuchtkäfer (Lampyridae). In Luxemburg kommen laut Méco drei Arten vor: der Große Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca), der Kleine Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula) und der Kurzflügel-Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus).
Der luxemburgische Name „Gehaansfénkelcher“ bedeutet so viel wie „Johannis-Fünkchen“. Er verweist auf den 24. Juni – den „Gehaansdag“ (Johannistag). Um diese Zeit lassen sich die Tiere am besten beobachten. Aktiv sind sie vor allem bei Einbruch der Dunkelheit, zwischen 22.15 Uhr und Mitternacht, heißt es im Schreiben. Die Käfer gelten als kleine Vorboten der Sommersonnenwende.

Das Licht der Glühwürmchen erzeugt nahezu keine Wärme Foto: Mouvement écologique/Wofl commonswiki
Effizienter als moderne LEDs
Hinter dem Leuchten der Glühwürmchen steckt eine bemerkenswerte Fähigkeit der Natur: Sie erzeugen „kaltes“ Licht, das nahezu ohne Wärme entsteht. Möglich macht dies der Leuchtstoff Luziferin, der zusammen mit einem Enzym und Sauerstoff reagiert. Dabei werden rund 98 Prozent der frei werdenden Energie in Licht umgewandelt. Das ist laut Méco deutlich mehr als bei LEDs (50 Prozent) oder herkömmlichen Glühbirnen (5 Prozent). Das Leuchten dient vorwiegend der Partnersuche: Die flugunfähigen Weibchen senden Signale vom Boden aus, während die fliegenden Männchen nach ihnen suchen.
Damit sich die Tiere zeigen, braucht es jedoch passende Bedingungen. Am besten lassen sich die kleinen Leuchtkäfer in warmen, trockenen und windstillen Nächten fernab künstlicher Lichtquellen beobachten, so die Umweltorganisation. Nach Einbruch der Dunkelheit beginnen sie zu leuchten – bevorzugt an Waldrändern mit viel Gebüsch, auf spät gemähten Wiesen mit Hecken und entlang von Feldwegen mit hohem Bewuchs.
Tipp

Für das Fotografieren von Glühwürmchen empfiehlt sich eine lange Belichtungszeit Foto: Mouvement écologique/Quit007_CC BY-SA 3.0
Das Spektakel der Leuchtkäfer bietet Fotografiebegeisterten ein außergewöhnliches Motiv. Der Méco gibt daher Ratschläge, wie die Aufnahmen gelingen:
- Nutzen Sie die Zeit vor Sonnenuntergang, um am Aufnahmeort alle notwendigen Kameraeinstellungen noch vor Einbruch der Dunkelheit vorzunehmen.
- Arbeiten Sie mit Stativ und einer Belichtungszeit zwischen 5 und 20 Sekunden. Lange Belichtungszeiten machen die Flugbahnen und Lichtspuren der Glühwürmchen besonders gut sichtbar.
- Verzichten Sie auf Lampen und Blitzlicht. Künstliche Lichtquellen stören die Glühwürmchen und können sie vertreiben.
- Benutzen Sie eine Fernbedienung oder den Selbstauslöser, um Verwacklungen zu vermeiden.
Auf der Website des Méco finden Interessierte eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie sie die Glühwürmchen fotografieren können, ohne diese zu stören. Beobachtungen und Schnappschüsse können per Mail an natur@oeko.lu oder auf Social Media mit dem Hashtag #mecoglows geteilt werden.
Lebensräume verschwinden
In Luxemburg sind Glühwürmchen heute deutlich seltener als früher. Ihr Rückgang steht laut Méco sinnbildlich für den Verlust vieler Arten der Kulturlandschaft. Zu ihnen gehören auch Igel, Gartenschläfer und Feldhasen. Ursache ist vor allem die Veränderung der Landschaft: Leuchtkäfer benötigen lichte, offene Vegetationsstrukturen, oft im Übergangsbereich zu schattigen, schneckenreichen Bereichen.
Diese sogenannten Saumbiotope gehen jedoch laut Méco zunehmend verloren. Gebüschsäume, strukturreiche Waldränder und ungemähte Wegränder sind weitgehend verschwunden. Sie wurden stattdessen durch intensive Landwirtschaft, Siedlungsbau und einheitliche Flächen ersetzt.

Die Lebensräume der Glühwürmchen verschwinden zunehmend Foto: Mouvement écologique
Larven leiden mit
Für Leuchtkäfer ist diese Entwicklung besonders problematisch, denn sie betrifft nicht nur erwachsene Tiere. Auch die Larven, die bis zu drei Jahre im Boden leben und sich von Schnecken ernähren, benötigen ungestörte Lebensräume, so die Umweltorganisation. Bestehende Glühwürmchen-Populationen sind durch die Zerschneidung der Lebensräume stark gefährdet. Da nur die Männchen des Kleinen Leuchtkäfers gut fliegen können, sind die meisten Tiere kaum in der Lage, neue Habitate zu erreichen. Dadurch kann es rasch zu lokalem Aussterben kommen.
Zusätzlich verschärfen Lichtverschmutzung und Pestizide die Situation. Künstliches Licht aus Siedlungen und Straßen beeinträchtigt hauptsächlich das Paarungsverhalten der Glühwürmchen. Es stört ihren Biorhythmus und überdeckt die Leuchtsignale, sodass die Männchen die Weibchen nicht mehr finden, schreibt der Méco. Auch einige Pestizidwirkstoffe wirken sich auf Glühwürmchen aus, auch wenn diese nicht direkt Ziel der Giftstoffe sind.