Ausstellung in Hesperingen
„Le verre dans tous ses éclats“ wartet mit facettenreicher Glaskunst auf
Im Rahmen von HespArt zeigt die Gemeinde noch bis Samstag, den 24. Mai die Glas-Schau „Le verre dans tous ses éclats“. Diese beeindruckende Ausstellung folgt einer Keramik-Schau vor einigen Jahren. Fazit: eine weitere Initiative, um neben den Ausstellungen im Rathaus und im angrenzenden Park spannende Kunst zur Geltung zu bringen.
Die Künstlerin Pascale Seil stellt aus: Ihre Glaskunst ist Teil der Ausstellung im CELO in Hesperingen Foto: Harry Daemen
Ist Keramik mittlerweile recht verbreitet in Luxemburg, so ist die Glaskunst noch eher eine Randerscheinung. Von den 22 ausstellenden Künstlern haben 15 ihren Wohnsitz im Großherzogtum. Für echte Förderung des Kunsthandwerks mit Glas sorgt bereits 2025 zum 10. Mal das in Asselborn organisierte internationale Glas-Festival. Im Juli und August gibt es dort eine „Porte ouverte“ in den Ateliers Zaiga Baiza & Robert Emeringer, treibende Kräfte des Festivals.
Antike Kunst und Murano-Glas
Malerei, Skulptur, Fotografie und selbst Keramik sind Gattungen, die einem breiten Publikum geläufig sind. Glaskunst ist weniger bekannt, einfach weil es hierzulande kaum Praktizierende gibt. Glaskunst hat jedoch eine lange Geschichte: Man hat bereits in der Antike Nutzobjekte, aber auch dekorative Gegenstände aus Glas gefertigt, und wer von Venedig spricht, kommt an der Erwähnung des bekannten Murano-Glases nicht vorbei.
Glas ist nicht nur gleichbedeutend mit Fenstern, Platten, Flaschen, Vasen, Gläsern und anderen Gefäßen oder Nutzgegenständen, Glas bedeutet auch nicht nur die allseits bekannte Glasbläserei: Die Techniken haben sich entwickelt, dies vorwiegend in der authentischen Glaskunst. Neben dem Glasblasen, einer traditionellen Technik, werden auch das „Fusing“ und „Slumping“ sowie das „Casting“ oder „Lampwork“ beim Warmglas angewandt. Beim „Kaltglas“, wo es um „Formen ohne Schmelzen“ geht, spricht man neben dem „Gravieren und Schleifen“ auch vom „sandgestrahlten und geätzten Glas“. Hinzu kommt viel Wissen über Materialien (Kristallglas) und Farbe (diese entsteht durch Rezepturen und Metalloxide). Interessant ist, dass die Künstler Glas mit anderen Materialien kombinieren, etwa Metall, Holz und sonstigen Komponenten. Beispiele dieser Art finden sich auch in der aktuellen Expo.

Die Künstlerin Lisa Junius präsentiert in Hesperingen ein Mosaik Foto: Harry Daemen
Auch wenn das Medium in Luxemburg weniger bekannt ist, erfreut sich der Einsatz von Glas doch großer Beliebtheit, unter anderem wegen der Transparenz und seiner Vielseitigkeit, wie diverse Webseiten zu diesem Thema hervorstreichen. Kurzum, es ist eine vielseitige und inspirierende Kunstform. Auf alle Arten der Glaskunst einzugehen, wäre müßig, doch was bietet die Ausstellung im CELO in Hesperingen?
22 Künstlerinnen und Künstler
Die 22 mit ihren Werken im CELO versammelten Künstler bieten eine abwechslungsreiche Schau, von eher klassischen Stücken, etwa farbigen Vasen und Gefäßen, über kreativ gestaltete Schmuckstücke oder kunstvoll ausgerichtete Figuren menschlicher und tierischer Prägung bis hin zu Mischobjekten aus Glas, Holz oder Metall sowie fantasievoll kombinierten, aus Glaselementen geformten Skulpturen.
Baiza-Emeringer Zaiga zeigt ein „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel mit glattem Untergrund und farbigen tanzenden Figuren (Play Figures), ein Meisterstück, das ihr Talent überzeugend unterstreicht, derweil Robert Emringer Gefäße, fast heilige Grals, erschaffen hat: Glaskörper, mit denen er seinen Sinn für Farbkombinationen im und mit Glas dokumentiert. Camille Jacobs präsentiert fünf Kreationen, die mehrschichtig hergestellt, von den Mustern her feinfühlig gestaltet sind, derweil Remigijus Kriukas komplexe Objekte in perfektem Design-Modus anbietet.

Zählt zu den Höhepunkten der Ausstellung: die blaue Glasskulptur von Anda Munkevica Foto: Harry Daemen
Zu den Prunkstücken dieser Schau gehören die Arbeiten von Anda Munkevica, vor allem eine elegante, in Tiefblau gehaltene, kompakt aufstrebende Glasskulptur. Johny Hettinger steuert ein Ensemble aus fünf Werken bei, wobei er einmal mehr seine perfekte Technik und seinen Sinn für thematisch behaftete Standobjekte, eine wellenartig geformte Skulptur und weiße Stücke wie zerbrochene Eisschollen mit jeweils anderer Herstellungsweise unterstreicht.
Traumfänger und das unendliche Blau
Setzt Hettinger bei drei Arbeiten auf eine Verbindung Metallrahmen-Glas, so kombiniert Julie Gonce, stets von der Natur inspiriert, feine Glaselemente mit Holzfundamenten, etwa in dem zierlichen und ansprechenden Werk „Microcosme de poirier“. Bei Nina Lishovska tritt ihr Sinn für Menschliches und Mysteriöses in den Vordergrund – diese Verbindung gelingt ihr im Zusammenwirken von Glas, Holz und Bronze. „Ice and the Swan“ nennt sich eine recht expressive Skulptur. Von Lachezar Dochev sind es Gebilde aus Glas in unterschiedlicher gestalterischer Ausführung und Farbgebung, Figuren wie „Dreamcatcher“ stehen für eine sinngebende Kunst.
Mit von der Partie ist auch Lisa Junius, die wir von der Expo „Generation“-Art kennen, eine talentierte Künstlerin, die hier mit zwei Traumfiguren in mosaikähnlicher Oberfläche und farblich ideal rund um das „Blau“ kombinierten Elementen und Blumennachbildungen auftrumpft. Madeleine Weber-Weydert zeigt eigenartige Kreationen, die mit viel Imagination zu interpretieren sind. Sie selber gibt zu, ihre Arbeiten würden jeweils zwei Geschichten in sich tragen: die ihrer Vergangenheit und die ihr seitens der Künstlerin eingeflößte Aura. Bei Pascale Seil, deren Werke wir anhand ihrer ganz persönlichen kreativen Handschrift in diverser Blastechnik artikuliert auf Anhieb erkennen, variiert diesmal ihr Können. Sie steuert auch die Eingangsskulptur bei.
Info
„Le verre dans tous ses éclats“, noch bis zum 24. Mai 2026 im CELO (476, route de Thionville, L-5886 Hesperingen)
Glas lässt sich auf verschiedene Weise künstlerisch einsetzen, etwa bei der Ausrichtung von Fenstern (Kirchenfenster sind ein gutes Beispiel), aber auch in Form von Glasperlen oder Glasstückchen, wie sie bei der Zusammensetzung von Mosaiken verwendet werden. Joey Adam, die bei „Mains de Maîtres“ 2024 vertreten war, bietet eine gegenständliche Facette an Mosaiken an, während Marleen Lacroix mit ihren farbigen Puzzles gar Experimente in Sachen Farbabstimmung oder Nachbildungen, etwa „Color Study Kandinsky“, darbietet.

Tierische Arbeiten aus Glas von William Geffroy Foto: Harry Daemen
Verspielt oder herkömmlich bewährt geht es bei den Werken von Joana Antola (Schmuck), Anuschka Bayens (Glas und Farbakzente), William Geffroy (Hohle Glaskörper mit Tiernachbildungen aus Glas), Millie Mack (Gefäße), Clara Meyer (feine Körperobjekte), Dorry Niclou-Spoo (Murrinis), Olga Oswald-Schorokhova (Miniaturen aus Glas und Metall) sowie Monique Wolter (Gefäße) runden dieses vielseitige Spektrum an Glaskunst ab. Die Schau wird von einem Katalog mit Texten von Daniela Anderlini begleitet. Rundum eine gelungene Schau, die den kreativen Umgang mit der Materie Glas und ihrer vielseitigen Verarbeitungstechniken illustriert und dazu einlädt, diese Kunstform zu fördern. Schade, dass die Expo nur noch bis Samstag, den 24. Mai zu sehen ist. Wer durch einen Besuch Interesse an Glaskunst gewonnen hat, der ist wohl herzlich zu den Wochenenden der „offenen Türen“ vom 18. Juli bis 23. August in Asselborn eingeladen.