Mondorf

Kontinuität neben Riesenprojekt – das Budget 2025 

Ein Haushaltsvolumen von rund 180 Millionen Euro, Einnahmen und Ausgaben aus dem ordentlichen und außerordentlichen Haushalt zusammengerechnet, kann einem schon Respekt einflößen. So ergeht es zumindest dem Rathauschef von Mondorf. Neben dem in den Worten des Bürgermeisters „Jahrhundertprojekt“ Velodrom zeichnet sich die Budgetvorlage für 2025 vor allem durch Investitionen in bereits laufende Projekte aus.

Das ist der Teil der Avenue Frantz Clément, der noch saniert werden muss 

Das ist der Teil der Avenue Frantz Clément, der noch saniert werden muss  Foto: Editpress/Alain Rischard

Wohl keine Gemeinde im Osten hat im ersten Viertel dieses Jahrhunderts sein Erscheinungsbild so sichtbar verändert wie Mondorf. 2010 wurde mit der Fertigstellung des Rathauses am heutigen Platz der neue und damals höchst umstrittene Ortskern vollendet. 14 Jahre später ist die Gemeinde dabei, das in den Worten des Rathauschefs „Jahrhundertprojekt“ Velodrom zu managen.

Beim Velodrom ist die Gemeinde Bauherr und finanziert vor. Rund 30 Millionen Euro der geplanten knapp 60 Mio. Euro Ausgaben für 2025 fließen in den „Complexe sportif“. Derzeit laufen weitere vorbereitende Arbeiten für Schwimmbad, Sporthalle und den Bau der Rennbahn, die am Ende allein rund 55 Millionen kosten wird. Lediglich 1,2 Millionen weist die Budgetvorlage für neue Projekte aus, die sich aber in der Summe wie „Peanuts“ ausnehmen.

Avenue Frantz Clément

Dem stehen rund 51 Millionen Einnahmen für 2025 im außerordentlichen Haushalt gegenüber. Das sind überwiegend Förderungen des Staates, bei denen vieles noch aussteht. „Das müssen wir besonders im Auge behalten“, sagt DP-Rathauschef Steve Reckel. „Das ist für eine Gemeinde unserer Größenordnung viel Geld.“ Insbesondere das Wohnungsbauministerium ist gefragt, da Mondorf in der Vergangenheit viel in bezahlbares Wohnen investiert hat und weiter wird.

26 fertige Wohneinheiten zu bezahlbaren Preisen hat die Gemeinde bereits, 22 weitere sind geplant. Im Sinne der Veränderung des Erscheinungsbildes ist das größte derzeit laufende Projekt die Umgestaltung der Avenue Frantz Clément. 5,25 Mio. Euro sind für die Hauptstraße der Gemeinde eingeplant. Rund 17 Mio. Euro soll der Umbau insgesamt kosten und wird die Gemeinde noch mindestens zwei Jahre beschäftigen.

Das „Fligermusée“

Mondorf setzt auf Tourismus. Das ist naheliegend, denn die Gemeinde hat als einzige im Land ein Casino und Thermalbad, was alljährlich Gäste in Millionenhöhe anzieht. In diesem Sinn sei kurz darauf hingewiesen, dass es 2025 auch mit dem „Fligermusée“ weitergeht. Eine neue Ausstellungsarchitektur ist auf dem Weg, um aus dem Anziehungspunkt auf dem Gelände des Thermalbades ein richtiges Museum zu machen. 725.000 Euro sind dafür eingeplant. 

„Wir wollen ein touristischer Anziehungspunkt in der Großregion und ökologischer werden, und ein Ort, an dem man sich wohlfühlt“, sagt Reckel im Hinblick auf die Hauptstraße. Er spricht dabei vor allem im Sinne derer, die in Mondorf leben und arbeiten und nicht nur durchfahren. Die, die durchfahren, sollen es zukünftig wenigstens langsam tun.

Geländekauf

Fußgänger und Fahrradfahrer werden die teilweise schon sichtbaren breiten Bürgersteige und Fahrradwege sowie die Inseln mit frisch gepflanzten Bäumen und Bänken freuen. Der zweite große Ausgabenposten ist mit 5,5 Millionen Euro der Ankauf von Gelände. Dazu gehören sechs Parzellen an der route de Burmerange, auf denen in Zukunft ein neues Gebäude für den „Service technique“ plus Recyclingcenter entstehen soll.

Der Posten enthält aber auch Ausgleichszahlungen an die ehemaligen Geländebesitzer rund um das Velodrom. Das Gelände gehört bereits komplett dem Staat oder der Gemeinde. Allerdings hat Letztere sich notariell dazu verpflichtet, denen, die zuerst verkauft haben, um das Velodrom zu ermöglichen, die Preissteigerungen bis heute auszugleichen.

„Wir wollten vermeiden, dass die Landbesitzer, die zuerst verkauft haben, sozusagen für ihr Engagement und Vertrauen bestraft werden“, sagt Reckel. Das dritte große Projekt der Investitionen ist mit 2,1 Mio. Euro „A Kréiesch“ im Ortsteil Ellingen. Aus dem alten Gebäude sollen ein Café als Treffpunkt für die Bewohner und zwei bezahlbare Wohnungen entstehen.

Pro-Kopf-Verschuldung im Rahmen

Trotzdem behält Mondorf sich vor, eventuell noch einen Bankkredit in Höhe von fünf Millionen Euro anfordern zu können. Ohne ihn beträgt die prognostizierte Pro-Kopf-Verschuldung Ende 2025 noch drei Euro. Muss er in Anspruch genommen werden, steigt sie zum gleichen Zeitpunkt auf 930 Euro. Der geplante, aber noch nicht beantragte Kredit ist eine Vorsichtsmaßnahme.

„Ich möchte keine Liquiditätsengpässe bekommen“, sagt Bürgermeister Reckel. Das Budget wurde Ende 2024 mit sieben Ja-Stimmen der DP-Fraktion, einer Ja-Stimme der LSAP und den zwei Gegenstimmen der CSV-Fraktion bei der Enthaltung der Gemeinderätin von „déi gréng“ angenommen. Eine Enthaltung ist ein höfliches „Nein“ und hat den Bürgermeister enttäuscht – zumal die allermeisten begonnenen Projekte vom grünen Vorgänger im Gemeinderat mitgetragen wurden.

Eckdaten Budget 2025

Ordentlicher Haushalt:
Einnahmen: 38,2 Mio. Euro
Ausgaben: 31,4 Mio. Euro
Außerordentlicher Haushalt:
Einnahmen: 51,1 Mio. Euro
Ausgaben: 59,6 Mio. Euro

Hotel Grand-Chef

Bei der Budget-Diskussion und Abstimmung hat der Gemeinderat auch beschlossen, das ehemalige Hotel Grand-Chef am Eingang zum „Domaine thermal“ unter Denkmalschutz zu stellen. Das Gebäude, dessen Grundsteinlegung bereits vor 170 Jahren war, gehört zum Erscheinungsbild der Gemeinde und ist seit Jahren geschlossen. Später hat die Gemeinde es an einen privaten Investor verkauft, der es renovieren und zu Apartments umbauen will. Während rundherum bereits Gebäude stehen, ist bislang am Haupthaus nicht viel passiert, wie ein Besuch zeigt. 

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