Park Ouerbett
Kayl lässt Gummistiefel fliegen und stellt neue Bestmarke auf
Wer am Sonntag durch den Kayler Park Ouerbett spazierte, dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als in der Nähe des Pavillons ungewöhnliche Flugobjekte durch die Luft segelten.
Die Veranstalter mit den glücklichen Gewinnern Bild: Pierre Schreiner
Das „Syndicat d’initiative et de tourisme Kayl-Tétange“ hatte am 17. Mai für sein traditionelles „Stiwwelschéissen“ in den Park Ouerbett eingeladen und viele Anhänger dieser skurrilen Sportart waren gekommen, um am Wettbewerb teilzunehmen oder die gebotenen Leistungen zu bewundern. Bereits am Samstag hatte das Syndikat mit Unterstützung der „Amicale sportive“ und der Gemeinde Kayl-Tetingen, einen Teil des Parks in eine Sportarena verwandelt. Das Wurffeld wurde markiert und mit Baugittern gesichert, eine moderne Technik zur Echtzeitanzeige der Resultate wurde installiert und Stände für das leibliche Wohl wurden errichtet.
Die Wurzeln des Gummistiefelweitwurfs liegen – der Überlieferung nach – im Finnland des 19. Jahrhunderts, wo Seeleute das Spiel erfunden haben sollen. Viele Jahre später wurden offizielle Spielregeln festgehalten, 1975 wurde der Gummistiefelweitwurf in Finnland offizieller Mannschaftssport, durch das Interesse anderer Länder wurde ein Weltverband gegründet und 1992 fand die erste Weltmeisterschaft statt. 2009 griff der damalige Kayler Polizeikommissar Marc Hermann die anfangs noch belächelte Idee auf und das „Stiwwelschéissen“ wurde schnell zu einem beliebten regionalen Ereignis.
Spaß und ausgefeilte Techniken
Am Sonntag versprach der Kayler Wettbewerb gleichermaßen Spaß, Ehrgeiz und skurrile Darbietungen. In sechs Kategorien – Kinder, Jugend, Damen, Herren, 60+, Teams – traten die 203 Teilnehmer an. Die Stiefel, die als Wurfgeschosse nicht durch ihre Aerodynamik hervorstechen, wurden vom Veranstalter gestellt, damit keine mitgebrachten, getunten Modelle den Wettbewerb verfälschen konnten.
Für ein Startgeld von einem Euro pro Wurf durfte sich jeder in die Abwurfzone begeben und nach Freigabe durch die Schiedsrichter, seinen Stiefel auf die Reise schicken. Dabei zeigte sich: Nicht jede noch so ausgefeilte Wurftechnik führt zum gewünschten Erfolg. Vom kraftvollen Wurf aus dem Stand über dynamische Anläufe bis hin zu akrobatischen Pirouetten war alles zu sehen. Manche Stiefel erreichten mehr an Höhe als an Weite oder entschieden sich für eigenwillige Richtungswechsel.
Auch wenn die bestehenden Weltrekorde von 49,35 Metern (Damen) und 68,03 Metern (Herren) nach den 951 Würfen nicht geknackt wurden, freuten sich die Sieger der einzelnen Kategorien über Medaillen oder Glaspokale in Stiefelform. Bei den Damen gewann Rekordhalterin (28,30 Meter) Mandy Charlet mit 25,18 Metern und bei den Herren pulverisierte Pol Muller mit 46 Metern den bisherigen Rekord (37,57 Meter) von Kugelstoßer und Para-Olympionike Tom Habscheid. Alle Resultate sind online unter stiwwelscheissen.dks.lu einsehbar.
Die Rekordjagd kann 2027 mit dem Geheimtipp von Muller fortgesetzt werden: „Vor jedem Wurf eine Cola“.