Wechsel in der Kontinuität in Bettemburg

Jean-Marie Jans wird voraussichtlich Bürgermeister: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“

Kein Machtwechsel, sondern ein Übergang: Jean-Marie Jans, 66, Pädagoge und CSV-Schöffe, dürfte aller Voraussicht nach Bettemburgs neuer Bürgermeister werden. Porträt eines Mannes mit Teamgeist, digitalem Blick und Sinn für Kontinuität.

Jean-Marie Jans liest mit 66 Jahren aus Udo Jürgens Liedtext „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“

„Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss“, erinnert Jean-Marie Jans an ein Lied von Udo Jürgens Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Das Bettemburger Rathaus, ein ehemaliges Anwesen der Industriellenfamilie Collart, trägt seinen Beinamen „Schloss“ mit Recht. Bald wird es einen neuen Schlossherrn bekommen. Jean-Marie Jans, 66, derzeit Schöffe in der CSV-DP-„déi gréng“-Koalition, soll die Nachfolge von Bürgermeister Laurent Zeimet antreten. Zeimet ist an die Spitze der CSV-Fraktion im Parlament gewechselt und möchte sich nicht doppelt belasten.

Als stärkster Koalitionspartner wird die CSV in Bettemburg auch weiterhin den Bürgermeister stellen. Dass die Wahl auf Jans fällt, gilt als logisch.

In einem holzgetäfelten Raum im Erdgeschoss des Rathauses spricht er über seine Arbeit, die Übergangsphase und die neue Perspektive. „Viele Gedanken über eine neue Ära“, sagt er, ruhig, aber mit spürbarer Vorfreude. Jean-Marie Jans, Jahrgang 1959, ist tief in seiner Wahlheimat verwurzelt: geboren in Clerf, aufgewachsen in Bettemburg, ein Bettemburger „mit Leib und Seele“. Früher Basketballspieler, sportlich geblieben, immer nah an der Gemeinde.

Überraschter Späteinsteiger

Dass er einmal in den Schöffenrat einziehen würde, hatte er nicht erwartet, damals, als er vergleichsweise spät aktiv in die Politik einstieg und auf Anhieb in den Gemeinderat gewählt wurde. Noch weniger hatte er damit gerechnet, eines Tages für den Bürgermeisterposten infrage zu kommen. „Dass sich diese Frage einmal stellen würde, hätte ich nie gedacht“, sagt er. Der Ablauf sei dann eher unspektakulär gewesen: Noch-Bürgermeister Laurent Zeimet habe ihn beiseitegenommen. „Hast du mal eine Minute, setz dich kurz hin.“

Er habe die Entscheidung erst abwägen müssen, mit seiner Frau und der Familie gesprochen. „Meine Frau hat mir versichert, dass sie hinter mir steht. Jetzt bin ich bereit, diesen Schritt zu machen. Es ist mir eine Ehre, für die Gemeinde da zu sein und, wie man so sagt, etwas zurückzugeben.“

Seinen pädagogischen Hintergrund sieht Jans als Vorteil. Unterrichten, mit Menschen arbeiten, zuhören, vermitteln, all das gehöre auch zur neuen Aufgabe. Rund 300 Menschen beschäftigt die Gemeinde. Sein Führungsverständnis sei stets eines gewesen, das auf Teamarbeit setze. „Ich mache mir keine Sorgen. Motivation und das Gefühl der Ehre überwiegen die Zweifel. Freude und der feste Wille, es gut zu machen, stehen im Vordergrund.“

Kein brutaler Wechsel

Auf die Frage nach Herausforderungen reagiert Jans pragmatisch. Es gebe nichts, worauf er gewartet hätte, um loszulegen. Die Kollegialität im Schöffenrat funktioniere seit Jahren gut und werde es auch weiterhin tun. Mit Schöffe Gusty Gras, einer Bekanntschaft aus Kindertagen, wohnt er sogar fast Tür an Tür. Auch mit Josée Lorsché und Laurent Zeimet verbindet ihn ein freundschaftliches Verhältnis. „Ich identifiziere mich stark mit dem, was wir uns gemeinsam in der Schöffenratserklärung vorgenommen haben. Projekte in der Kontinuität gibt es viele.“

Kontinuität ist für Jans ohnehin ein Schlüsselwort. Keine radikalen Brüche, sondern konsequente Weiterentwicklung. Projekte wie die Inklusionscharta „Design for All“ oder „Vivre ensemble interculturel“, bei dem die Bürgerbeteiligung gerade abgeschlossen wurde, liegen ihm besonders am Herzen. Für den permanenten Dialog zwischen Gemeinde und Bürgern wurde die Plattform Hopplr eingeführt, die inzwischen von rund 1.200 Haushalten genutzt wird.

Teamarbeit zieht sich wie ein roter Faden durch sein politisches Selbstverständnis. „So habe ich immer gearbeitet, als Schöffe und im Leben allgemein.“ Besonders stolz ist er auf den früheren „Club Senior“, heute „Actif Plus“. „Er ist deutlich flexibler. Jeder kann mitmachen, ohne Altersbeschränkung.“ Grundlage war eine breit angelegte Studie mit 1.800 Fragebögen, von denen mehr als 600 zurückkamen. Ein weiteres Herzensprojekt: der Senioren-Guide der Gemeinde.

Ungebremste Dynamik

Ein besonderes Augenmerk legt Jans, studierter Informatiker, auf digitale Themen. Cybersicherheit gehört für ihn ganz selbstverständlich zur kommunalen Vorsorge. „Das Team ist gut aufgestellt, die technische Ausstattung ebenfalls. Wir delokalisieren einige Systeme, um die Sicherheit zu erhöhen. Der Hauptserver wird künftig bei Lux-Connect untergebracht, geschützt vor Stromausfällen. Das kostet etwas, ist aber effizienter und billiger als alles selbst abzusichern.“

Für die ersten Monate im Bürgermeisteramt hat Jans klare Prioritäten: Verantwortung für die Verwaltung übernehmen, Pilotprojekte umsetzen, Bettemburg weiter modernisieren: „am Image feilen“. Zugleich denkt er langfristig. Im Zentrum steht der Masterplan für die Gemeinde, insbesondere für das Umfeld rund um die Kirche. „Vieles lässt sich nicht schnell umsetzen, ist aber entscheidend für die Zukunft, nicht nur materiell, sondern auch für das immaterielle und interkulturelle Zusammenleben.“ Ein konkretes Projekt ist die geplante „Maison des citoyens“, ein Ort der Begegnung, an dem Bürger kleinere Verwaltungsangelegenheiten erledigen können, ohne ins Rathaus zu müssen.

Wir sind mit positiver Energie unterwegs und werden den Kurs fortsetzen, den die Gemeinde seit gut 14 Jahren mit Laurent Zeimet eingeschlagen hat

Jean-Marie Jans

Politisch spricht Jans von einem sanften Übergang. Laurent Zeimet wird als CSV-Fraktionschef im Parlament weiterhin gut vernetzt sein. „Gute Kontakte schaden nie. Die Gemeinde war und bleibt ein Herzensprojekt von Laurent. Er wird Bettemburg immer im Hinterkopf behalten.“ Der Wechsel soll die Dynamik nicht bremsen. „Wir sind mit positiver Energie unterwegs und werden den Kurs fortsetzen, den die Gemeinde seit gut 14 Jahren mit Laurent Zeimet eingeschlagen hat.“ Nach einem persönlichen Vorbild gefragt, antwortet Jans: „Wenn, dann wohl Jean-Claude Juncker.“

Übergang bald

Den Übergang selbst sieht er gelassen. „Nicht bis ins Detail geplant. Laurent und ich werden das gemeinsam mit den Leuten hier regeln.“ Seine Haltung wirkt ruhig, aber bestimmt, wie die eines Menschen, der Verantwortung ernst nimmt, ohne die Freude daran zu verlieren.

Neuer Schöffe dürfte CSV-Ratsmitglied Alain Gillet werden. Da Laurent Zeimet auch kein Mandat im Gemeinderat übernimmt, wird dort ebenfalls ein Sitz neu zu besetzen sein. Doch das ist eine Geschichte für später, wenn Jans und Gillet vereidigt sind. Ende Januar oder Anfang Februar dürfte es so weit sein. Zuvor steht noch eine Gemeinderatssitzung an.

In unserem Gespräch erinnert Jean-Marie Jans an ein Lied, das Udo Jürgens vor Jahren gesungen hat: „Mit 66 Jahren fängt das Leben an, mit 66 ist noch lange nicht Schluss.“

„Damals habe ich das nicht so ernst genommen“, sagt Jans lächelnd. „Aber jetzt bin ich mittendrin.“

Hast du mal eine Minute?

Laurent Zeimet

zu Jean-Marie Jans

Jean-Marie Jans

Jean‑Marie Jans (CSV) ist seit 2017 Mitglied des Gemeinderats Bettemburg und seit 2021 Schöffe in einer Koalition aus CSV, DP und „déi gréng“. Immer politisch interessiert, aber erst spät aktiv, wurde er bei seiner ersten Wahl sofort gewählt. Beruflich war er bis zur Pensionierung als Professeur‑Ingénieur tätig, hat Informatik studiert und begann seine Karriere bei der Cegedel. Er engagiert sich in lokalen Organisationen wie dem CIGL. Jans verantwortet Ressorts wie Mobilität, soziale Kohäsion und Senioren, Inklusion, Finanzen und Digitalisierung. Nach dem angekündigten Rücktritt von Bürgermeister Laurent Zeimet wird er voraussichtlich dessen Nachfolger. Geboren 1959 in Clerf ist der Wahlbettemburger Jean-Marie Jans heute 66 alt.

Jean-Marie Jans wird voraussichtlich Bürgermeister: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“

Foto: Editpress/Hervé Montaigu

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