Arbeitswelt
Frauen fehlen in Luxemburg öfter krankheitsbedingt als Männer, aber ...
Frauen und Männer nehmen die Arbeitswelt unterschiedlich wahr – und arbeiten in verschiedenen Realitäten. Das geht aus einem Bericht der Arbeitnehmerkammer hervor. Frauen fühlen sich stärker belastet. Aber sie schleppen sich dennoch zum Job.
Arbeitsqualität 2025: Frauen und Männer mit unterschiedlichen Realitäten Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Männer befinden sich häufiger in Führungspositionen. Und Frauen hingegen sind häufiger in akademischen, Dienstleistungs- und administrativen Berufen tätig. Das geht aus einem Bericht der CSL vom 6. März hervor.
Die Luxemburger Arbeitnehmerkammer widmet sich in dem Papier der geschlechterspezifischen Arbeitsqualität. Und kommt zu ernüchternden Erkenntnissen: Es gibt Berufsgruppen, die nahezu komplett von Männern dominiert werden. Zum Beispiel das Handwerk, in dem laut CSL ein Männeranteil von sage und schreibe 97 Prozent herrscht. Bei der Industrie sieht es nicht viel besser aus – ganze 90 Prozent der Jobs sind hier von Männern besetzt. Bei den Führungspositionen sind es immer noch 68 Prozent.
Frauen als „Verkäufer“ und „Hilfsarbeitskräfte“?
Und im Gegenzug? Frauen befinden sich am anderen Ende der Schere. Die Sparten „Dienstleistungsberufe und Verkäufer“, „Bürokräfte“ und „Hilfsarbeitskräfte“ sind vorwiegend weiblich dominiert. Immerhin: Ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen zeigt sich in technischen und akademischen Berufen.
Seit 2014 erforscht die Arbeitnehmerkammer die Befindlichkeiten der Menschen in der Luxemburger Arbeitswelt. Als Maßstab gilt der Quality-of-Work-Index der CSL. Die Erhebung bewertet die Qualität der Arbeitsbedingungen im Land in einer fortlaufenden Studie. Sie basiert auf den Ressourcen der Arbeitnehmer – etwa Autonomie, Zusammenarbeit, Entwicklungsperspektiven – und auch ihren Belastungen. Dazu gehören Stress, körperliche Beanspruchung oder Mobbing. 2025 lag der Quality-of-Work-Index bei 53,4 Punkten. Das ist der niedrigste Wert überhaupt, seitdem er berechnet wird.

Arbeitsqualitätsindex nach Geschlecht Bild: Statistik der „Chambre des salariés“
Allerdings: Männer scheinen ihre Arbeitssituation durch die Bank etwas positiver als Frauen wahrzunehmen.
Sie profitieren von einer größeren Partizipation sowie einem höheren Grad an Autonomie, wohingegen Frauen sich offenbar einer stärkeren emotionalen Belastung ausgesetzt sehen. Der CSL zufolge sind deshalb vor allem weibliche Beschäftigte hohen Risiken für ihre psychische Gesundheit ausgesetzt. Sie erzielten im Quality-of-Work-Index höhere Werte für Burn-out (40 Prozent), Depression (17 Prozent) und eingeschränktes emotionales Wohlbefinden. „Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass weibliche Beschäftigte besonders hohen Risiken für ihre physische und psychische Gesundheit ausgesetzt sind“, schreibt die CSL.
In Bezug auf die körperliche Gesundheit sind laut CSL Frauen systematisch stärker betroffen als Männer, mit Ausnahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Durchschnitt sind Rückenschmerzen nach wie vor das größte Problem, während der Anteil von Menschen, die angeben, Schlafprobleme zu haben, stark ansteigt. Auch Kopfschmerzen sind demnach weit verbreitet und sollen Frauen doppelt so häufig betreffen wie Männer.

Entwicklung der verschiedenen Aspekte physischer Gesundheitsprobleme nach Geschlecht (Prozent der Antworten „oft“ und „(fast) immer“) Bild: Statistik der „Chambre des salariés“
Frauen fehlen öfter krankheitsbedingt an ihrer Arbeitsstelle, berichtet die CSL in ihrer Erhebung. Allerdings: Erstens ist der Unterschied zu den Männern nicht groß. Frauen gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten, sechs Tage gefehlt zu haben, Männer nur vier. Und: Frauen gaben umgekehrt häufiger an, zur Arbeit zu gehen, „obwohl sie sich nicht voll leistungsfähig“ fühlten. Das weise auf ein hohes Maß an Anwesenheit trotz Krankheit hin, schreibt die CSL. Laut der Erhebung gaben Frauen an, sich an insgesamt 15 Tagen „trotz Krankheit“ zur Arbeit geschleppt zu haben, bei den Männern waren das nur zwölf Tage.
Die CSL kommt zum Schluss: Die Daten von 2025 zeigen, dass – trotz einiger Verbesserungen – weiterhin geschlechtsspezifische Unterschiede in vielen Bereichen des Berufslebens in Luxemburg bestehen. „Die berufliche Segregation bleibt deutlich“, schreibt die Arbeitnehmerkammer. Bei der allgemeinen Arbeitsqualität gäben Männer leicht bessere Bedingungen an. Vor allem das Verhältnis von Beruf und Privatleben bleibe ein kritischer Punkt, der für Frauen nachteilig ist.