Kunstecke
In Düdelingen gibt es Fotos von Christian Aschman und Bilder von Jim Peiffer zu entdecken
Vergangenen Samstag war es in Düdelingen wieder so weit: Die neuen Expos in den Kunstzentren Dominique Lang und Nei Liicht wurden im Doppelpack eröffnet. Christian Aschman gestattet einen Einblick in seinen „Katalog mit Fragmenten“ und Jim Peiffer präsentiert Malereien, Zeichnungen, Skulpturen und Objekte.
Zu Besuch in der Ausstellung von Jim Peiffer im Düdelinger Centre d‘Art Dominique Lang Foto: Mike Zenari
Der Fotograf Christian Aschman ist für seine feinfühligen Lichtbilder bekannt. In Düdelingen lädt er zu einer Reise in seine fotografisch erfassten Erinnerungen ein. Es sind keine oberflächlichen „Souvenirs“, vielmehr werden Eindrücke und Erlebtes in deutlich erkennbaren Zeitschienen als markante Etappen auf seinem kreativen Weg dargestellt.
Der Fotograf fixiert nicht eine Szene in einem Bild, er kombiniert diese mit einem oder mehreren Schnappschüssen, die so eine Geschichte erzählen, Vergangenes neu beleben oder einen Moment in passendes Licht rücken. Das Einladungsfoto „Reflection“ ist eine Überlagerung mehrerer Sichtweisen einer Landschaft, so als ob das an sich ruhige Bild in Bewegung geraten ist.
Im Centre d‘Art Nei Liicht in Düdelingen zu entdecken: Fotografien von Christian Aschman Foto: Mike Zenari
Bei den fünf Fotos von Vater Alec und Sohn Jean-Claude wird die Mobilität durch einen effektiven Stellungswechsel hervorgerufen und beim Mann mit Regenschirm an der Ostende-Küste sorgt der manipulierte Telefokus für eine Bild-Straße der besonderen Art. Ähnliches wäre zu den vier unbetitelten Bildern mit Gesichtern aus Indien zu sagen. Hier erzeugen der Ausschnitt und die SW-Option einen starken Ausdruck, ohne jedoch eine allzu große Anteilnahme zu bewirken.
Fotos als Medium
Christian Aschman, der eine Schwäche für Bauten, urbane Gestaltung und aparte Blickwinkel hat, paart hier Bilder einer Spielplatz-Ecke in Düdelingen, einer Straße mit Meerblick oder eines Viertels mit Swimmingpool in Fuerteventura miteinander, gewährt Sicht in Architektonisches und in sommerliche Lebensräume oder in Treppenhäuser, wie bei seinen Tokio-Bildern. Vergessen wir auch nicht seine Großaufnahme eines historischen Gebäudes, das eine neue Bedeutung durch moderne Musikboxen erhält. Drei markante Porträts, in unterschiedlichen Zeitetappen und auf jeweils anderen Kontinenten aufgenommen, vermitteln derweil in SW menschliche Gefühle und verweisen stellvertretend auf ungleiche Entwicklungen in unserer globalisierten Welt.

Blick in die Ausstellung zu Aschman Foto: Mike Zenari
Der Fragmente-Katalog des Christian Aschman artikuliert sich in rund 40 Fotografien. Kurator Clément Minighetti, der jedes einzelne Bild minutiös unter die Lupe nimmt, meint, der Künstler spreche schließlich an, was wir sind. Er rufe uns mittels des Mediums Foto zur „Meditation“ über diese unsere Welt, und wie wir diese beleben, auf. Seine Blicke richten sich nicht nur auf ferne Zivilisationen, auch Heimisches wird aufgegriffen, in seiner Zweideutigkeit dargestellt – kurzum, er hinterfragt jeweils in einer anderen spezifischen Situation menschliches Dasein, Verwandlungen des Typus „Mensch“, gesellschaftliche Konflikte und urbanistisches Umfeld, das für unser aller Leben von großer Wichtigkeit ist. Fragmente verschmelzen mit seinen Fotos zu einer neuen, uns interpellierenden Sichtweise.
Wildes Kunstschaffen dokumentiert
Im Kunstzentrum Dominique Lang im früheren Bahnhof Düdelingen dokumentiert der 1987 geborene Künstler Jim Peiffer hingegen „seine Welt“. Marie-Anne Lorgé porträtiert den talentierten Zeichner als vielseitigen Künstler, der eine Ausstellung geschaffen habe, die einer „Installation“ gleichkomme.
In der Tat, der Besucher wird von einem alten, übermalten Teppich, der zu einem Peiffer-Werk umfunktioniert wurde, empfangen und stößt gleich auf drei ungewöhnliche und aus gesammelten Elementen geformte Skulpturen und sieht sich einer Wand an kuriosen Objekten (Masken, übermalte Skateboards und dergleichen mehr) gegenüber, die wie Jagdtrophäen eine weiße Galeriewand am Eingang schmücken.
Weitere Infos
Christian Aschman im Centre d‘Art Nei Liicht, bis 29. März 2026. Mittwoch-Sonntag 15.00-19.00 Uhr geöffnet.
Jim Peiffer im Centre d‘Art Dominique Lang, bis zum 29. März 2026. Mittwoch-Sonntag 15.00-19.00 Uhr geöffnet.
galeries-dudelange.lu/artcollection-dudelange.lu
Zwischendurch einige Malereien, mal großformatig, mal gediegener Natur. Bilder, die sich in einer gedrängten Kompositionsweise mit Tod, Sexualität, Geistern, Masken und Figuren diverser Prägung auseinandersetzen. Vor Jahren ging in Deutschland mal die Rede von „jungen Wilden“ in der Kunstszene. Das war eine andere Epoche, doch auf Luxemburg bezogen könnte man Jim Peiffer als einen „jungen Wilden“ bezeichnen: weniger wegen der gewählten Themen, vielmehr wegen der Leichtigkeit, mit der er vom Pinsel zum Farbstift, vom Hammer zur Säge, vom Holz zum Eisen, vom Papier zur Leinwand oder gewelltem Blech wechselt, um sich so eine eigene Kunstwelt zu schaffen.

Jim Peiffer präsentiert Kunst verschiedener Genres Foto: Mike Zenari
Vieles verweist auf einen Street-Art-Hintergrund, dann wieder weisen farbige Landschaften oder fein und filigran gezeichnete Bilder auf andere, ganz eigene Motivationen hin. Marie-Anne Lorgé notiert in ihrem Text zur Ausstellung: „L’iconographie de Jim Peiffer reflète ses tourments, autant que ceux du monde, dans un aller-retour contagieux, mais son dessein, involontaire ou inavoué, serait moins de nous terrifier que de nous (en) délivrer, autrement dit, créer un monde à part, comme catharsis.“ Die Fantasie des Künstlers, der sich in dieser Schau recht vielseitig ausdrückt und/oder austobt, scheint keine Grenzen zu kennen. Er nutzt jede Möglichkeit, seiner freien Imagination ungezügelten Lauf zu lassen, so etwa unter dem Motto „ça passe ou ça casse“. Nur scheinbar, denn Jim Peiffer weiß, was er will, und was er kann. Man darf gespannt sein, wie er sich und seine Welt entwickelt.
Kultur ist jedenfalls zum neuen Treibstoff in der ehemaligen „Forge du Sud“ geworden: Musikfestivals und Galerien sorgen für Aufmerksamkeit über die Stadtgrenzen hinaus; das staatliche CNA belebt die audiovisuelle Szene; Künstlerresidenzen und Ateliers hauchen ehemaligen Produktionsstätten der Stahlhütte neues Leben ein – und neuerdings hat sich eine private Galerie im Stadtzentrum niedergelassen. Kurzum: Die „Forge du Sud“ ist im Wandel.