Schifflingen

Im Zeichen der Erinnerung: Eine Wanderung zum Andenken an die Opfer der Besatzung

Das Wochenende stand in Luxemburg ganz im Zeichen des Andenkens an die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Vielerorts fanden Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen statt, so auch in Schifflingen. 

Historiker Jérôme Courtoy (Mitte vorn) erinnerte auf einer zweistündigen Wanderung durch Schifflingen an die Opfer des Zweiten Weltkriegs

Historiker Jérôme Courtoy (Mitte vorn) erinnerte auf einer zweistündigen Wanderung durch Schifflingen an die Opfer des Zweiten Weltkriegs Foto: Carlo Catena

Den nationalen „Kommemoratiounsdag“ gibt es in ganz Luxemburg bereits seit 1946. Am Sonntagmorgen startete im Zeichen der Erinnerung eine von Jérôme Courtoy ins Leben gerufene Wanderung durch Schifflingen. Die acht Etappen durch Schifflingen hatten für den Historiker und Pädagogen im Resistenzmuseum enorme Wichtigkeit: Sein 96 Jahre alter Großvater, Victor Monnertz, gehört zu den Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. Die „Trëppeltour duerch Schëffleng“ durchstreifte die Geschichte der deutschen Besatzungszeit (1940-1945) anhand verschiedener Einzelschicksale, sei es in der Zivilbevölkerung oder unter den Widerstandskämpfern.

Acht Etappen

Jérôme Courtoy konnte bei seiner Reise in die Vergangenheit Bürgermeister Paul Weimerskirch, die Räte Yves Marchi und Nadine Kuhn sowie sechs interessierte Bürger begrüßen. Mittels gesammelter Materialien präsentierte der Historiker zunächst wichtiges Bildmaterial aus dem Krieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Rundgang startete vor der Gemeinde – direkt vor der Gedenktafel „100 Jor Letzeburger Freihet“ aus dem Jahr 1939. Von dort aus ging es Richtung Kiosk, zur Place G.-D. Charlotte, die 1937 eingeweiht wurde, wie der anwesende Zeitzeuge Gilbert Gliedner zu berichten wusste. Der Platz war während der Besatzung unter Druck der Volksdeutschen Bewegung (VDB) in „Adolf-Hitler-Platz“ umgetauft worden. Courtoy ging auf die Geschichte des Gauleiters Simon, die Umbenennung der Straßennamen sowie die Germanisierung der Namen bzw. Nazifizierung des Landes ein.

Weitere Ziele waren die unlängst verlegten „Stolpersteine“ von Eugène Biren und der Familie Cerf: Salomon, Eugenie und Renée. Im Haus Cerf, damals eine Metzgerei, wurde auch der Zeitzeuge Gliedner geboren. Als Salomon Cerf den Nazis all seine Ersparnisse abgeben musste, wählte er im Haus den Freitod. Auch das Haus von Anne Arensdorf, Mitbegründerin der Widerstandsorganisation ALWERAJE, war ein Etappenziel. Sie betrieb während des Krieges ein Lokal und versteckte wichtige Widerstandskämpfer – unter ihnen einen amerikanischen Piloten, der von den Alliierten befreit wurde.

Das damalige Gemeindehaus in der heutigen Lydie-Schmit-Schule war ebenfalls Teil der Wanderung. Andere Themen des „Trëppeltour“ waren der Generalstreik 1942, die tapferen Hüttenarbeiter, Hans Adam und Eugène Biren als die Drahtzieher des Streiks, Zeitzeugenberichte der Schifflinger Bürger, die Deportationen in die KZ-Lager sowie die vielen ins Leben gerufenen Organisationen zur Bekämpfung von Kriegsverbrechen. Am Ende des Tages führte Courtoy die Gruppe zum „Monument aux morts“ in den Park Léonie Koullen, wo sich an die Widerstandskämpfer, die gefallenen Zwangsrekrutierten, die Juden und Kriegsgefangenen erinnert wurde. Die Stadt wurde am 9. September 1945 befreit. Dem Schifflinger Historiker und Gemeinderatsmitglied Jérôme Courtoy (LSAP) wurde von Bürgermeister Weimerskirch (CSV) für den sehr aufschlussreichen Streifzug durch die Kriegstraumata ihrer Stadt gedankt.

Die traditionelle Niederlegung der Blumenkränze fand bereits am Samstag in Schifflingen statt

Die traditionelle Niederlegung der Blumenkränze fand bereits am Samstag in Schifflingen statt Foto: Editpress/Alain Rischard

Der Stolperstein von Eugène Biren

Der Stolperstein von Eugène Biren Foto: Carlo Catena

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