„Léa ou la Théorie des systèmes complexes“

Ian De Toffoli erhält den „Prix Servais“ 2026

Der Luxemburger Autor Ian De Toffoli erhält den Servais-Preis 2026 für sein Werk „Léa ou la Théorie des systèmes complexes“ über Erdölindustrie, Klimakampf und Radikalisierung.

Ian de Toffoli erhält feierlich den Servais-Preis 2024 für herausragende literarische Leistungen

Ian De Toffoli erhält den diesjährigen Servais-Preis Foto: Editpress/Alain Rischard

Ian De Toffoli erhält den mit 7.500 Euro dotierten „Prix Servais“ 2026 für sein Buch „Léa ou la Théorie des systèmes complexes“ (2025, Actes-Sud-Verlag). Das teilt die „Fondation Servais“ am Montag in einer Pressemitteilung mit. De Toffoli setzte sich mit seinem Werk gegen vier weitere Autoren durch. Ebenfalls im Rennen waren Tullio Forgiarini („Vandalium“, éditions guy binsfeld), Guy Helminger („Gebäude für Breitengrade“, Elif Verlag), Nico Helminger („Geckegen Hunneg“, éditions guy binsfeld) und Amélie Vrla („Enfanter une étoile qui danse“, Hydre Editions).

„Mir fehlten die Worte“, sagt Ian de Toffoli im Gespräch mit dem Tageblatt über seinen Gewinn. Im Gespräch mit der Jury habe er so wenig gesagt, dass er sie nach dem Telefonat noch einmal kontaktierte – um klarzustellen, dass er nicht „underwhelmed“, sondern schlicht sprachlos gewesen sei. „Autoren sind auf sich allein gestellt, und diese Arbeit ist mit viel Angst verbunden“, sagt de Toffoli. Man frage sich ständig, ob es in die richtige Richtung gehe und ob das, was man schreibe, Sinn ergebe.

Dass diese Arbeit nun offiziell anerkannt wurde, bedeute für ihn eine besondere Erfüllung. „Diese Art der Wertschätzung ist nicht ohne“, so de Toffoli. „Natürlich kann man sich mit Freunden umgeben, die einem regelmäßiges Feedback geben – aber das hier ist offiziell.“

Zudem schaffe ein solcher Preis mehr Sichtbarkeit. Sein Buch sei bereits vor einem Jahr erschienen. In einem schnelllebigen Markt könne eine solche Auszeichnung einem Werk neuen Aufschwung verleihen. „Visibilität für das aktuelle Werk ist das Wichtigste“, sagt de Toffoli. Besonders in Luxemburg, denn hier werde zu wenig über Autoren gesprochen.

Worum geht es?

„Léa ou la théorie des systèmes complexes“ untersucht die Verflechtungen zwischen der Erdölindustrie, ökonomischen Strukturen und dem Klimakampf. Einerseits skizziert der Autor die wahre Geschichte der Koch Industries. Diese steht an der Spitze eines weitverzweigten multinationalen Ölkonzerns, der die Politik dominiert und eine Ideologie der Ausbeutung etabliert. Andererseits beschreibt er die Radikalisierung der fiktiven Luxemburgerin Léa. Die junge Frau fordert angesichts der Klimakrise ein radikales Umdenken. Die Präsenz von Koch Industries in Luxemburg entfacht ihre Wut auf das System, die sie zu einem Anschlag bewegt. Wie erzählt De Toffoli diese Geschichte? Anhand von Elementen aus Familiensagen, Dokumentarschriften, antikem Theater und Poesie.

Die Jury lobt De Toffolis „starke narrative und stilistische Entscheidungen“ und beschreibt das Werk als „Epos der Gegenwart“, das Elemente aus Dokumentarfilm, Theater, Roman, Poesie und mündlicher Erzählkunst verbindet. Grundlage des Textes seien De Toffolis Recherchen zu kapitalistischen Machtstrukturen und den aktuellen Herausforderungen der politischen Ökologie. Die Jury betont zudem die Spannung der Diskurse, die Perspektivwechsel und den Wechsel zwischen poetischem und nüchternem Stil. Der Autor knüpfe an eine antike literarische Tradition an, indem er Figuren zeige, „die die Ambivalenz menschlicher Bestrebungen verkörpern, und unvereinbare Lebenswege im selben fiktionalen Raum koexistieren zu lassen“.

Die für den diesjährigen Servais-Preis nominierten Werke zeigten eine große Genre-Vielfalt: De Toffoli und Forgiarinis Werke sind Theaterstücke, die Helminger-Brüder stiegen mit einem Gedichtband (Guy Helminger) und einer poetischen Textsammlung (Nico Helminger) in den Ring. Nur Amélie Vrla – einzige Frau in der Runde – trat mit einem Roman an. Die Jury bestand aus Sébastian Thiltges (Vorsitz), Fabienne Gilbertz, Danielle Igniti, Ludivine Jehin, Henning Marmulla, Diane Neises, Jérôme Netgen, Aimée Schultz und Tamara Sondag. (les)

Zum Prix Servais

Der Prix Servais wird seit 1992 verliehen und ist mit 7.500 Euro dotiert. Benannt ist er nach dem Luxemburger Schriftsteller und Politiker Emmanuel Servais, der sich im 19. Jahrhundert unter anderem an der Ausarbeitung der Luxemburger Verfassung beteiligte. Neben dem Prix Batty Weber, der alle drei Jahre für das Gesamtwerk eines Autors verliehen wird, gilt der Prix Servais als wichtigster Luxemburger Literaturpreis. Der erste Preisträger war Roger Manderscheid („De Papagei um Käschtebam“, Editions Phi). Die erste Frau, die den Prix Servais entgegennahm, war Margret Steckel („Der Letzte vom Bayrischen Platz“, Editions Phi). Im vergangenen Jahr ging der Preis an Anne-Marie Reuter für ihren Debütroman „M for Amnesia“ (Black Fountain Press). (ispi)

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

„Léa ou la Théorie des systèmes complexes“

Update

Ian De Toffoli erhält den „Prix Servais“ 2026

40 ans Tchernobyl

Comment le monde culturel a interprété la catastrophe de Tchernobyl

;