Prozess
Heftige Vorwürfe: Ex-Leiterin einer „Crèche“ soll Personal und Kinder misshandelt haben
Wer seine Kinder in fremde Obhut gibt, möchte sicher sein, dass sie gut versorgt sind. Im Falle einer Kinderkrippe in Bous scheint das nicht gewährleistet gewesen zu sein. Die Direktorin der Kindertagesstätte „Léiwe Léif“, die 2017 vom Staat geschlossen wurde, muss sich seit Dienstag wegen diverser Vergehen vor Gericht verantworten.
Die „Cité judiciaire“ in Luxemburg-Stadt: Vor dem Bezirksgericht geht es nun um scheinbar ungebührendes Verhalten in einer Kinderkrippe Foto: Editpress/Julien Garroy
Dienstagnachmittag. Viel Andrang im Gerichtssaal. Es sind, neben zahlreichen Medienvertretern, fast allesamt Zeugen, die in den nächsten Tagen befragt werden. Es geht um schlimme, schwer vorstellbare Zustände in der Kinderkrippe „Léiwe Léif“ in Bous. Die heute 53-jährige N., damalige Leiterin und Besitzerin der Kinderkrippe, die 2017 vom Staat wegen Verstößen gegen die staatlich festgelegten Auflagen geschlossen wurde, muss sich nun vor dem Bezirksgericht Luxemburg verantworten. Es ist eine unscheinbare, ruhig wirkende Person – eine, der man eigentlich nichts zutraut.
Was wird dieser Person vorgeworfen? Im Zeitraum zwischen 2014 und 2017 soll sie Zeugen und Aussagen, vor allem der Anklage zufolge, sowohl Personal als auch Kinder nicht gebührend behandelt haben. Die Vorgehensweise der nun angeklagten Leiterin der Kinderkrippe soll brutal, ja fast schon unmenschlich gewesen sein. Die Frau soll Mitarbeiterinnen Haare ausgerissen, ihnen Sachen an den Kopf geschmissen und, laut Anklage, auch am Rücken verletzt haben – mit Krankmeldung der Betroffenen als Konsequenz. Die „Crèche“-Leiterin soll außerdem mit fragwürdigen Methoden den ihr anvertrauten Kindern Essen verabreicht haben. So soll sie den Kindern den Kopf nach hinten gedrückt haben, um sie schneller „füttern“ zu können. Kinder, so heißt es, denen es aufgrund dieser Methoden schlecht wurde, und die anschließend ihr Erbrochenes aufessen mussten.
Es wird überdies berichtet, dass die Leiterin darauf bestand, benutzte Pampers nochmals zu verwenden. All dies klingt für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Eher auch nicht glaubhaft. Aber wer weiß schon um alle Abgründe menschlichen Handelns.
Inwiefern alle Vorwürfe stimmen – oder nicht –, soll deshalb ein Prozess vor Gericht klären. Nicht weniger als 24 Sitzungstage sind vorgesehen. Sogar über die Weihnachtsferien, bis in den Januar hinein. Das ist vor allem auf die Zahl der geladenen Betroffenen und Beobachter, also der Zeugen zugunsten oder -ungunsten der Angeklagten, zurückzuführen.
Der Anwalt der Angeklagten sprach am ersten Sitzungstag am Dienstag von unhaltbaren, nicht begründeten Vorwürfen und forderte die Annullierung des Prozesses. Dem stimmte die Staatsanwaltschaft erwartungsgemäß nicht zu.
Der Prozess wird heute mit ersten Zeugenbefragungen fortgesetzt.