Geburtshaus des „Vauban des Nordens“

Verlassenes Schloss in Oberwampach soll zu neuem Leben erwachen

Das Schloss in Oberwampach, in der Gemeinde Wintgen, soll touristisch aufgewertet werden. Es ist das Geburtshaus von Jean-Gaspard de Cicignon (1625-1696), dem „Vauban des Nordens“. Ein Museum zu seinem Schaffen und Ferienwohnungen sollen entstehen.

Verlassenes Schloss Oberwampach, geplante Sanierung, Museum und Ferienwohnungen, historische Architektur im Grünen

Seit rund zehn Jahren verlassen: Das Schloss in Oberwampach soll saniert werden und ein Museum zu seinem berühmtesten Bewohner sowie Ferienwohnungen erhalten Foto: Gemeinde Wintger

So wie es jetzt dasteht, sieht das Schloss Oberwampach nicht schön aus. Es ist nach Gemeindeangaben seit rund zehn Jahren verlassen und das sieht man ihm an. Noch viel wichtiger aber ist, dass heute noch kaum jemand weiß, wer von dort stammt. Die rund 280 Quadratmeter im Inneren mit den etwa ein Dutzend Zimmern waren im 17. Jahrhundert von der Familie de Cicignon bewohnt.

Jean-Gaspard de Cicignon stammt aus Oberwampach. Der General mit den luxemburgischen Wurzeln stand seinerzeit in den Diensten der dänischen Armee, wurde 1657 dänischer Offizier und in den 1660er-Jahren der Kommandant der Festung Bergenhus in Norwegen. In Bergen wie auch im norwegischen Fredrikstad verantwortete er zu seinen Lebzeiten den Ausbau von militärstrategischen Festungen, was ihm den Spitznamen „Vauban des Nordens“ eintrug.

Wir erwarten uns von dem Projekt über die Aufwertung von Gebäude und der Person, die dort geboren wurde, mehr touristische Aufmerksamkeit für die Gemeinde Wintger

Lucien Meyers

Bürgermeister der Gemeinde Wintger

Laut Wikipedia Luxemburg erinnern noch heute Monumente und Gedenkplatten an ihn. In Gasperich ist eine Straße nach ihm benannt. „Viele kennen diese Geschichte gar nicht“, sagt Wintgers CSV-Rathauschef Lucien Meyers. Das soll sich ändern. Als Ende des Jahres 2025 die belgische Gemeinde Burg Reuland an ihn herantritt, um das Oberwampacher Schloss in ein grenzüberschreitendes Netzwerk von Burgen und Schlössern einzubinden, ist die Gelegenheit da.

Museum und Ferienwohnungen

In Oberwampach plant die Gemeinde, nach der Sanierung ein Museum zum Leben und Wirken de Cicignons sowie Ferienwohnungen einzurichten. Meyers spricht von Film-, Dokumentations- und Fotomaterial über den Militärarchitekten. In den Ferienwohnungen sollen Fahrradfahrer, die die beliebte 61 Kilometer lange „Gënzentour“ fahren, Rast machen können.

Portrait von Lucien Meyers, Bürgermeister der Gemeinde Wintger, in offizieller Amtskleidung vor neutralem Hintergrund

Lucien Meyers, Bürgermeister der Gemeinde Wintger Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

„Visit Luxembourg“ verspricht auf der Strecke Sehenswürdigkeiten wie die Asselborner Mühle, die zu einem Museum umfunktioniert wurde, die Überreste des Maas-Mosel-Kanals in Hoffelt, die kleine Eremitenkapelle „Helzerklaus“ in der Nähe des Dorfes Helzingen und das Fliegerdenkmal bei Maulusmühle. Schloss Oberwampach könnte als weitere Attraktion hinzukommen.

Die aktuelle Interreg-Projektphase für die Eifeler Grenzregion läuft am 31. Dezember 2028 aus. „Uns läuft die Zeit davon“, sagt Meyers. Die Eigentumsverhältnisse sind noch nicht restlos geklärt. Nach Gemeindeangaben ist das Haupthaus im Eigentum der Gemeinde.

Keine Massen, aber Aufmerksamkeit

Die Stallungen, Scheune und Wiese gehören der Gemeinde nur zur Hälfte, der Rest ist Privateigentum. Es gibt allerdings ein Angebot der Gemeinde, den Rest zu kaufen. Darüber ist laut Bürgermeister Meyers noch keine Einigung erzielt, die Verhandlungen laufen. Und die Kosten stehen noch nicht fest. Sanierung und Aufwertung des Schlosses sind für Wintger, das hauptsächlich von Landwirtschaft geprägt ist, ein „Plus Value“.

„Wir erwarten uns deswegen keine Massen an Touristen“, sagt Wintgers Gemeindeoberhaupt mit Verweis auf die benachbarten Schlösser in Vianden und Clerf. Aber es gibt länderübergreifende Wechselwirkungen. „Es wird Schilder bei uns geben, die auf Burg Reuland hinweisen, und umgekehrt“, sagt Meyers. Schon länger arbeitet die Gemeinde in einem grenzüberschreitenden Verbund zwischen den drei Ländern.

Auf luxemburgischer Seite gehören die Gemeinden Wintger, Weiswampach und Clerf dazu, auf deutscher Seite Prüm, Gerolstein und Arzfeld. Auf belgischer Seite sind es St. Vith, Büllingen und Burg-Reuland mit dem Ziel einer engeren Zusammenarbeit im Dreiländereck. Bislang ist der Tourismus in Wintger nur ein kleiner Teil der Gemeinde-Ökonomie.

„Wir erwarten uns von dem Projekt über die Aufwertung von Gebäude und der Person, die dort geboren wurde, mehr touristische Aufmerksamkeit für die Gemeinde Wintger“, sagt Meyers. Auf belgischer Seite sind die Erwartungen höher. Dort haben sich die politisch Verantwortlichen eine deutliche Wiederbelebung des Tourismus auf die Fahne geschrieben.

Die Idee zu dem Projekt kommt zusammen mit anderen Partnern aus dem Kabinett von Oliver Paasch, Ministerpräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens und Mitglied der Partei ProDG. „Wir sind Europa und wir haben viel zu bieten“, sagt Alain Stellmann (58), Bürgermeister von Burg Reuland, der mit seiner Bürgerliste „Aktiv gestalten“ 2024 die Wahl gewonnen hat. Es ist viel Zukunftsmusik, der Projektantrag muss noch eingereicht werden, aber sie klingt gut.

Finanzierung des Projektes

Nach Gemeindeangaben erhält Wintger 40 Prozent der notwendigen Kosten für Infrastrukturmaßnahmen aus dem europäischen Interreg-Programm. Vom „Institut national pour le patrimoine architectural“ (INPA) kommen Gelder für die Erhaltung des Gebäudes. Aus der gleichen Quelle heißt es, erhaltenswert seien die Kamine, Waschbecken, Eingangstür, Wände, Böden und Treppen.

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