CGDIS
Haben Frauen im Ernstfall die gleichen Überlebenschancen wie Männer?
Die Berichterstattung über mögliche Verzögerungen bei Rettungseinsätzen von Frauen führt in Luxemburg zu politischen Nachfragen. Die LSAP-Abgeordneten Claire Delcourt und Ben Streff wollen es genauer wissen.
Bei Erste-Hilfe-Ausbildungen werden oft „geschlechtsneutrale“ Dummys verwendet Foto: Editpress-Archiv/Fabrizio Pizzolante
Claire Delcourt und Ben Streff (beide LSAP) stellten ihre Fragen an Gleichstellungsministerin Yuriko Backes (DP) und Innenminister Léon Gloden (CSV). Delcourt und Streff verlangen Einblick in bestehende Ausbildungsstandards und möchten erfahren, ob und mit welchen Maßnahmen die Regierung gegen eventuelle Hemmschwellen bei der Ersten Hilfe für Frauen vorgehen will.
Statistiken fehlen
Ein plötzlicher Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses zählt zu den kritischsten Notfällen im Rettungsdienst, bei denen jede Sekunde zählt. Doch wenn es um geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Überlebenschancen geht, herrscht in Luxemburg ein blinder Fleck. Dem Rettungskorps CGDIS liegen weder Daten zur vergleichenden Überlebensrate von Frauen und Männern vor, noch existieren Aufzeichnungen darüber, wie häufig Ersthelfer:innen bei weiblichen Opfern eine Herzdruckmassage durchführen, so Backes und Gloden.
Der Gender Data Gap
Yuriko Backes (DP) äußerte sich schriftlich zu den gestellten Fragen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Auf die Frage, ob die Übungspuppen über weibliche anatomische Merkmale verfügen, gaben die Minister:innen Backes und Gloden eine ausweichende Antwort: Es gebe keine gesetzliche Vorschrift dafür. Die Dummys verfügten über keine ausgeprägten geschlechtsspezifischen Merkmale, da der Fokus rein auf dem Alter und der pädagogischen Vermittlung liege. Unterschieden werde lediglich zwischen Kindern, Erwachsenen und Säuglingen, um die korrekte Handhabung für verschiedene Altersgruppen zu gewährleisten. Von weiblichen Dummys fehlt im Sortiment jedoch jede Spur. Zur Begründung verweisen die Minister:innen darauf, dass sich die ministerielle Verordnung lediglich auf die Festlegung des Ausbildungsprogramms beschränke.
Bereit für Veränderungen?
Auf Anfrage von Delcourt und Streff sieht das CGDIS derzeit keinen Anlass, gezielt Übungspuppen mit weiblicher Anatomie anzuschaffen. Die zuständigen Minister:innen betonen stattdessen, die internationalen Empfehlungen, wissenschaftlichen Erkenntnisse und bewährten Praktiken in der Erste-Hilfe-Ausbildung weiterhin aufmerksam zu beobachten und bei möglichen Erneuerungen anzupassen.
Unterscheidet sich die Erste Hilfe für Frauen und Männer?
Bei möglichen Erneuerungen sei man bereit, sich anzupassen, so Gloden in der schriftlichen Stellungnahme Foto: Editpress/Julien Garroy
Auf eine parlamentarische Anfrage zur Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Reanimation verweist die Regierung auf die einheitlichen Standards des „European Resuscitation Council“: Die Grundsätze – von der schnellen Notruf-Alarmierung über Herzdruckmassagen bis hin zum Defibrillator – basieren auf denselben Algorithmen, unabhängig vom Geschlecht des Opfers. Das CGDIS setzt in seiner Ausbildung auf diesen geschlechtsneutralen Ansatz und will Zeug:innen durch Kampagnen dazu ermutigen, in Notfällen rasch einzugreifen.
Sollten künftige wissenschaftliche Empfehlungen jedoch eine Anpassung erfordern, will das CGDIS diese in die Ausbildung integrieren. Das Thema reiht sich damit in eine breitere Debatte über Geschlechtergerechtigkeit im Gesundheitswesen ein, die verdeutlicht, wie wichtig es ist, Stereotype selbst in lebensbedrohlichen Notfällen kritisch zu hinterfragen.