Escher Déierepark

„Haaptsaach eng Gäns“ – Ein Blick auf ein oft verkanntes Tier

Gänse und Enten wirken unscheinbar, doch hinter ihrem Schnattern steckt weit mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Wer ihnen im „Escher Déierepark“ begegnet, entdeckt Tiere voller Charakter, Intelligenz und überraschender Eigenheiten.

Brot ist tabu: Wer die Tiere füttern möchte, sollte auf Salat, Erbsen, Äpfel oder Möhren zurückgreifen

Brot ist tabu: Wer die Tiere füttern möchte, sollte auf Salat, Erbsen, Äpfel oder Möhren zurückgreifen Foto: Carole Theisen

„Haaptsaach eng Gäns“, sagte vor einigen Jahren ein junger Mann in einem YouTube‑Clip, der bis heute herumgereicht wird – nicht zuletzt wegen der unbeabsichtigten Zweideutigkeit, die ihn so charmant macht. „Die Tiere hier interessieren mich mehr als Sport schauen gehen“, fügte er damals an. Ein Satz, der vielleicht spontan dahingesagt war, aber erstaunlich gut beschreibt, warum Gänse und Enten Menschen seit Jahrhunderten faszinieren: Wer sich einmal näher mit ihnen beschäftigt, entdeckt Tiere voller überraschender Fähigkeiten.

„Gänse sind unglaublich soziale Tiere – jede hat ihren eigenen Charakter“, sagt Jérémy Da Silva, Gärtner im „Escher Déierepark“ – und Geflügelexperte aus Leidenschaft. Zwei der Gänse hat er sogar selbst aufgezogen, von klein auf. Heute leben sie in harmonischer Gemeinschaft im Park. „Sie sind unglaublich gesellig. Wenn eine neue Gans dazukommt, wird sie meist ohne Probleme aufgenommen – ganz anders als bei Hühnern, die sich oft blutig picken.“

Gänse leben am liebsten im Rudel, auf einer großen Wiese mit Zugang zu einem Teich. Ein besonderes Bedürfnis: Platz. „Mindestens 1.000 Quadratmeter pro Gänsepaar – und unbedingt Wasser.“ Ohne Wasser, erklärt Da Silva, ist auch Fortpflanzung nicht möglich, denn die Paarung geschieht ausschließlich im Wasser. Dazu kommt ihre Treue: Haben sie einmal einen Partner gefunden, bleiben sie ihm oft jahrzehntelang verbunden. Manche Gänse erreichen ein Alter von 20 bis 30 Jahren.

Gänse mit Geschichte

„Haaptsaach eng Gäns“ – Ein Blick auf ein oft verkanntes Tier

Foto: Carole Theisen

Im „Escher Déierepark“ lebt auch eine Gans mit einem beschädigten Schnabel – das Ergebnis eines kleinen Streits zwischen Artgenossen beim Umzug während eines Baustellenprojekts. „Mit ihren Flügeln könnten sie einem Menschen den Kiefer brechen – sie haben erstaunlich viel Kraft.“ Trotzdem sind Gänse keine aggressiven Tiere. Mit etwas Geduld werden sie sogar sehr zutraulich. „Meine beiden waren richtige Schmusegänse – sie haben sogar oft auf meinem Schoß geschlafen“, erzählt Da Silva.

Gänse sind wachsamer als Hunde. Schon im Alten Rom wurden sie als lebende Alarmanlage eingesetzt. Sie erkennen fremde Bewegungen sofort, schreien laut auf und schlagen bei jeder Abweichung Alarm. Selbst neue Gegenstände oder Veränderungen auf ihrem Gelände lösen bei ihnen Misstrauen aus, aber keine kopflose Flucht.

„In manchen Gefängnissen werden heute noch Gänse statt Hunde eingesetzt“, erzählt Da Silva. „Sie sind günstiger im Unterhalt, brauchen nur Gras und man kann sich auf sie verlassen.“ Auch auf Bauernhöfen laufen sie oft frei herum, beobachten alles genau und lassen sich nicht so leicht täuschen.

Enten – das wilde Gegenstück

Während Gänse bedacht und ruhig agieren, sind Enten quirliger. „Sie sind wie kleine Schweinchen – sie essen alles und machen überall Chaos“, sagt Da Silva. Auch ihr Sozialverhalten unterscheidet sich: Ihre Sozialstruktur ist flexibler als die der Gänse – Partner wechseln im Frühjahr durchaus und in der Gruppe ist immer Bewegung.

Sie brauchen Wasser wie andere Tiere Luft: zum Baden, zum Tauchen, zum Spielen und sogar zum Schlafen. Nachts treiben sie wie kleine Boote auf der Wasseroberfläche, geschützt vor Füchsen und anderen Räubern.

Trotz ihrer Unterschiede leben Gänse und Enten im „Escher Déierepark“ friedlich nebeneinander, auch wenn sie sich nicht mischen. Gänse bleiben unter sich, Enten ebenso. Ihre Lebensweisen sind zu verschieden: Gänse sind strenge Vegetarier, die am liebsten Gras, Kräuter und Körner fressen. 30 von ihnen schaffen es, so viel Gras zu fressen wie eine Kuh – ein Grund, warum sie früher wie heute als natürliche Landschaftspfleger geschätzt werden. Enten hingegen sind Allesfresser und gehen begeistert auf Schneckenjagd, was sie in vielen Gärten zu willkommenen Helfern macht. „Laufenten sind total im Trend – sie fressen Schnecken und helfen so im Gemüsegarten“, erklärt Da Silva.

Wer die Tiere füttern möchte, sollte allerdings wissen, dass Brot tabu ist. Es füllt zwar den Magen, liefert aber keinerlei Nährstoffe und quillt im Wasser zusätzlich auf. Für die Tiere bedeutet das: ein voller Bauch ohne Energie. Viel besser geeignet sind Salat, Erbsen, Äpfel oder Möhren – frisches Grün, das ihrem natürlichen Futter entspricht und ihnen guttut.

/
/
/
/
/
/
/
/
0 Kommentare
Das könnte Sie auch Interessieren

Kann Glas enthalten

Delhaize ruft „Feuilletés au fromage“ der Eigenmarke zurück

Wetterkolumne

Turbulenter Freitag: Tief bringt Dauerregen, Sturm und Schnee