Abfallgebühren
Gemeinden erhöhen Müllgebühren trotz sinkender Abfallmengen: ein Überblick
Durch die kommunale Abfallpolitik in den SIAS-Gemeinden konnte der Restmüll in den vergangenen Jahren verringert werden. Dennoch stehen die Bürger nun höheren Tarifen gegenüber. Eine Suche nach Erklärungen.
Schwarze Mülltonnen am frühen Morgen in Niederanven Collage: Editpress
Die Bewohner von Niederanven müssen seit Anfang des Jahres für ihren Müll tiefer in die Tasche greifen, obwohl die schwarze Tonne nur noch alle zwei Wochen geleert wird. Am 14. November entschied der Gemeinderat einstimmig, den Kilopreis für Restmüll von 0,9 auf 1,7 Euro zu heben. Zusätzlich wurde die jährliche Abfallpauschale von 36 auf 60 Euro erhöht. Bürgermeister Fréd Ternes (CSV) führt dazu im Gespräch mit dem Tageblatt aus: „Wir haben die gesetzliche Verpflichtung, kostendeckend zu funktionieren. Wir waren die letzten drei Jahre bereits defizitär, was den Abfall angeht. Die Erhöhung war deswegen notwendig.“
Die Abfallsammlung in Niederanven wird vom interkommunalen Syndikat SIAS organisiert. Dieses ist außerdem für die Gemeinden Contern, Sandweiler und Schüttringen zuständig. Vor sechs Jahren einigten sich die vier Gemeinden auf eine Reform der Abfallverrechnung, um das Verursacherprinzip zu fördern: Wer mehr Müll verursacht, soll auch mehr bezahlen. Zum 1. Januar 2021 führten sie daher einen einheitlichen Kilopreis für Restmüll ein. Die Maßnahme wurde von einer Sensibilisierungskampagne unter dem Motto „Këmmert Iech ëm Ären Dreck“ begleitet. Die Botschaft der Kampagne war laut Webseite deutlich: „Weniger Abfall = geringere Kosten in den SIAS-Gemeinden Contern, Niederanven, Sandweiler und Schüttringen.“
Das Projekt ist ein Erfolg. Der jährliche Restmüllanteil je Einwohner ist seit 2021 um 33 Prozent zurückgegangen, von etwa 133 auf 90 kg. Die Zahlen stammen aus einer Broschüre, welche die Gemeinde im vergangenen Dezember zur Erklärung der Tarifanpassung auf ihrer Webseite veröffentlichte.
Der Bürgermeister von Niederanven, Fréd Ternes (CSV) Foto: Editpress-Archiv/Claude Lenert
Teurer Müll
In der Broschüre steht auch: „Trotz sinkender Abfallmengen steigen die Gesamtkosten der Abfallwirtschaft weiter an – verursacht durch Inflation, sowie höhere Personal-, Transport- und Verarbeitungskosten.“ Ternes zufolge konnten noch höhere Preise abgefedert werden, indem die schwarze Tonne weniger oft geleert wird. Dies wurde erst durch die Müllreduktion möglich, denn die Einwohner stellen ihre schwarze Tonne seit 2021 seltener vor die Tür, sagt der Bürgermeister.
Durch das Abfallmanagement beim SIAS musste nicht nur Niederanven die Gebühren erhöhen. Laut Broschüre hätten auch Contern, Sandweiler und Schüttringen die Gebühren zum 1. Januar 2026 nach oben revidieren müssen. Auf Nachfrage des Tageblatt teilen die Pressestellen von Contern und Sandweiler allerdings mit, dass derzeit nicht feststehe, ob und wann die Abfallgebühren erhöht werden. Die Gemeinderäte müssen sich erst noch damit befassen. Schüttringen hingegen hat angekündigt, die Tarife ab dem 1. April 2026 zu erhöhen. Am 5. Februar um 19 Uhr soll diesbezüglich im Münsbacher Kulturzentrum „Campus an der Dällt“ eine Informationsveranstaltung stattfinden.
Über das Syndikat SIAS
Das interkommunale Syndikat wurde am 7. März 1974 von den Gemeinden Contern, Niederanven, Sandweiler und Schüttringen gegründet, ursprünglich zum Schutz der Gewässer im Syrtal. Daher der Name: „Syndicat intercommunal pour l’assainissement du bassin hydrographique de la Syre“. Nachdem mehrere Gemeinden sich dem Syndikat angeschlossen hatten, wurden die Statuten angepasst. Das SIAS entwickelte sich seitdem zu einem weitläufigen Umweltschutzsyndikat, das sich zudem um Abfallmanagement und Recycling kümmert.
Der Bürgermeister von Schüttringen, Claude Marson (LSAP), ist gleichzeitig Präsident des SIAS. Im Gespräch mit dem Tageblatt lässt er durchblicken, dass die Vorbereitungen zur Tarifanpassung nicht optimal verlaufen seien. Im Gegensatz zur Niederanvener Broschüre wird in der von Schüttringen nur noch allgemein das Jahr 2026 für die anderen Gemeinden Contern und Sandweiler genannt – nicht mehr der erste Januar. Auf die Frage, wann klar wurde, dass die erhobenen Abfallgebühren die Kosten nicht decken würden, sagt Marson: „Vor sechs bis acht Monaten.“
Claude Marson (LSAP) ist Bürgermeister von Schüttringen und Präsident beim SIAS Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
„Es gibt zwei Ursachen: Wir haben nicht mit dem richtigen Preis angefangen und wir hätten früher analysieren müssen, wo wir dran sind“, so Marson. Bei den Bürgern würde das nun den Eindruck schaffen, dass alles teurer wird, obwohl sie eigentlich in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet und ihren Müll reduziert haben. Durch die höheren Kosten bei der Abfallentsorgung kann es Marson zufolge gut möglich sein, dass auch andere Gemeinden außerhalb des SIAS-Verbands ihre Preise demnächst anpassen müssen.
Müll trennen und Geld sparen
Trotz Teuerung: Die Biotonne bleibt kostenlos, damit die Einwohner sie nutzen sollen. Organischer Abfall ist schwer und wird mit der falschen Entsorgung in der schwarzen Tonne durch den hohen Kilopreis bestraft. „Bio hat nichts im Restmüll verloren, das ist extrem wichtig“, sagt Marson. Auch Kleidung, selbst wenn sie kaputt ist, sollte nicht über den Restmüll, sondern in speziell dafür vorgesehenen Containern entsorgt werden. Der Bürgermeister von Schüttringen bedauert diesbezüglich, dass Kolping Asbl. sich gerade jetzt aus der Kleidersammlung zurückzieht.
Kleidersammlung in Luxemburg im Umbruch
Verwirrung und Ärger in den Gemeinden durch kurzfristige Systemänderung
Insgesamt erhalte Marson nur wenige Reklamationen zu den neuen Abfallgebühren. Ähnliche Töne schlägt der Bürgermeister von Niederanven an. „Wir hatten bisher sechs Beschwerden bei 2.400 Haushalten“, sagt Ternes. Abgesehen davon habe er von vielen Personen die Rückmeldung erhalten, dass die Abfallpolitik in die richtige Richtung gehe. Ternes spricht in Bezug auf die Preiserhöhung gar von „lächerlichen Beträgen“, die etwa monatlich vier Euro mehr pro Person im Haushalt betragen würden: „Gleichzeitig bezahlen wir für Handyabos 50 Euro im Monat. Beim Müll reden wir von neun Euro im Monat.“ Laut Ternes ist eine Sensibilisierung in der Gesellschaft nötig, die klarstellt, dass die Abfallsammlung kein Dienst ist, der einfach auf Kosten der Allgemeinheit bezahlt werden sollte: „Das ist der Sinn des Prinzips ‚Pollueur-payeur‘.“
Subventionen für Windeln und Hygieneartikel
Mit der Erhöhung der Abfallgebühren haben sowohl Niederanven als auch Schüttringen die Subventionen für Windeln und Hygieneartikel erhöht. In Niederanven zahlt die Gemeinde seit 2026 jährlich pro Kind 240 Euro, also doppelt so viel wie bisher. Laut Bürgermeister Ternes werden die betroffenen Haushalte automatisch von der Gemeinde angeschrieben: „Sie müssen den Zettel einmal zurückschicken und erhalten dann die Subventionen automatisch, solange das Kind die Altersbedingung erfüllt.“ In Schüttringen werden die Subventionen zum 1. April 2026 auf jährlich 220 Euro je Kind (bis zum Alter von zwei Jahren) angehoben. Auch ältere Personen können diese Leistung für Windeln und Hygieneartikel in beiden Gemeinden bei Vorlage eines Attests beantragen.