Käerjeng

Gemeinde setzt erste Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung um

Während die Umgehungsstraße für Käerjeng seit Jahrzehnten auf sich warten lässt, greift die Gemeinde nun selbst durch – mit Fahrbahnverengungen, Berliner Kissen und Sackgassen. Bürgermeister Michel Wolter (CSV) spricht über die Verkehrssituation.

Der Blick auf die rue Continentale zeigt, wie eine Kommune sich gegen die Verkehrslast wehrt

Der Blick auf die rue Continentale zeigt, wie eine Kommune sich gegen die Verkehrslast wehrt Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Käerjeng bremst den Verkehr aus. Am Dienstag postete Bürgermeister Michel Wolter (CSV) auf Facebook Bilder von neuen Berliner Kissen in der rue Continentale und in der rue de la Chiers in Linger. Dazu schrieb er: „Et ass lo do eriwwer mam Gerenns.“ Im Gespräch mit dem Tageblatt erklärt Wolter, dass es weit mehr als nur um Berliner Kissen gehe: „Es ist ein Gesamtkonzept, um die Verkehrssituation in Käerjeng neu zu gestalten und die Lebensqualität zu verbessern.“ Die Umsetzung hat vor einem Jahr begonnen. Es wurden Viertel abgeschottet, Fahrbahnen verengt und Schwellen platziert. Wolter zufolge wird teilweise auf zeitlich befristete Maßnahmen zurückgegriffen. So soll zum Beispiel die rue de Sélange in Küntzig mit einem Berliner Kissen ausgestattet werden, „bis wir die Straße komplett als Sackgasse ausweisen“.

Käerjeng hat ein Verkehrsproblem. Das ist seit Jahrzehnten bekannt. Die Gemeinde mit rund 6.000 Einwohnern leidet vor allem unter dem ständigen Durchgangsverkehr. Die Stickstoff- und Lärmbelastung sind hoch. Das hat Folgen für die Gesundheit. Eigentlich sollte längst an einer Umgehungsstraße gebaut werden, doch noch sind nicht alle Grundstücke erschlossen. Im Jahr 2018 wurde im Parlament das Finanzierungsgesetz für die Umgehungsstraße gestimmt. Wolter, der seit 1984 Abgeordneter ist, sagte damals erleichtert: „Seit 40 Jahren in der Diskussion, seit 30 Jahren versprochen, nach dieser Abstimmung wird der ‚Contournement vu Käerjeng’ in den nächsten Jahren Realität.“ Sieben Jahre danach ist noch kein Bagger aufgetaucht.

„Shared Space“ in drei Jahren

Michel Wolter, Bürgermeister von Käerjeng

Michel Wolter, Bürgermeister von Käerjeng Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

In der Zwischenzeit nahmen die Gemeindeverantwortlichen die Zügel selbst in die Hand. 2024 wurde im Gemeinderat ein Konzept für die Verkehrsberuhigung vorgestellt. Zweieinhalb Jahre lang wurde an dem Plan gearbeitet, dessen Umsetzung vom Schöffenrat auf 5,2 Millionen Euro beziffert wurde. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass der Durchgangsverkehr entweder ganz aus einzelnen Vierteln verschwindet oder zumindest gedrosselt wird. Die Ursachen für die teils hohen Geschwindigkeiten sieht Wolter in den schnurgeraden Straßen und in der Hektik des Alltags: „Wir leben in einer Welt, in der alles schnell gehen muss, und sobald es sich ergibt, wird auf das Gaspedal getreten.“

Hinzu komme, dass fortgeschrittene Navigationsdienste wie Waze Verkehrsprobleme immer weiter verlagern würden, sagt Wolter. „Wenn man heutzutage eine Maßnahme ergreift, um an einem Ort weniger Verkehr zu haben, dann schickt Waze die Fahrer genau dahin. Das bedeutet, wir müssen ganze Viertel dichtmachen, damit Waze nicht mehr dorthin verweist.“ 

Derzeit führe die Gemeinde Gespräche mit dem Staat, um stellenweise Genehmigungen für Tempo-30-Zonen auf den Hauptstraßen zu erhalten. Ein allgemeines Tempo 30, wie es derzeit in Leudelingen diskutiert wird, lehnt Wolter jedoch ab: „Auf den Hauptstraßen, abgesehen vom Ortskern, sollen die Leute mit 50 km/h fahren können, um die Ortschaften zu verlassen. Das soll den Verkehrsfluss garantieren.“ Apropos Ortskern: Am Donnerstagmorgen wurde einstimmig der Bau eines „Shared Space“ in der Ortsmitte von Uewerkäerjeng beschlossen. Wenn alles nach Plan verläuft, wird er bis 2028 für 5,4 Millionen Euro fertiggestellt.

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