Ouschterkiermes in Esch

Hoffnung auf Besserung: Schausteller und Einwohner über den Umzug

Die „Ouschterkiermes“ findet ein letztes Mal auf der place Victor Hugo statt. Schausteller sehen im Umzug vor das Rathaus Potenzial für mehr Besucher. Bewohner sind ebenfalls größtenteils glücklich darüber.

Großes Fahrgestell auf engem Festplatz bei der Ouschterkiermes, traditionelle Luxemburger Osterkirmes im Umzug

Die „Ouschterkiermes“ zieht auch deshalb um, weil großen Fahrgestellen wie diesem der Platz fehlt Foto: Editpress/Lisa Goedert

Die traditionelle „Ouschterkiermes“ in Esch lockt auch in diesem Jahr wieder Kinder und Erwachsene auf die zwei Standorte place des Remparts und place Victor Hugo. Aber: Diese Ausgabe ist die letzte in dieser Form. Ab 2027 zieht der Teil der Fahrgeschäfte und Essbuden auf der place Victor Hugo auf den Platz vor dem Rathaus. „Dort sollen in Zukunft Mobilitätsstrukturen entstehen, was bedeutet, dass der Raum für große Attraktionen fehlt“, schreibt die Pressestelle der Stadt auf Tageblatt-Anfrage. Daher habe die Kommune sich für den Umzug entschieden. Doch was sagen die Schausteller und Einwohner dazu? Das Tageblatt hat sich vor Ort umgehört.

Rummel 2027 mit bunten Fahrgeschäften und Menschenmengen vor dem Rathaus bei klarem Himmel

Der Rummel zieht 2027 vor das Rathaus Foto: Editpress/Lisa Goedert

Die Schausteller begrüßen den Umzug ab dem nächsten Jahr. „Es kommen nicht viele Menschen hierhin“, sagt Franck, der bei „Friture Joslet“ arbeitet. Er glaubt daher, dass das Geschäft am neuen Standort besser laufen wird. Eine Erklärung für das geringe Interesse auf der place Victor Hugo hat er jedoch nicht. Eine Frau, die an einem anderen Essensstand arbeitet, stimmt zu. „Ich arbeite schon zum vierten Mal hier – das war schon immer der Fall.“ Sie möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, weil sie nur als Aushilfe angestellt ist.

Franck vor seinem neuen Geschäft, hoffend auf mehr Kunden am neuen Standort

Franck („Friture Joslet“) erhofft sich am neuen Standort mehr Kunden Foto: Miguel Moutinho De Sousa

Platzmangel durch Umbauten

„Der Rathausplatz wird mehr Besucher anlocken“, sagen die Schwestern Pierette und Nathalie, die eine Schießbude betreiben. Der Standort an der rue Victor Hugo sei nicht ideal. Das Geschäft laufe dieses Jahr katastrophal. „Hier in der Nähe gibt es keine Parkmöglichkeiten für die Besucher“, sagt Ada, die Süßigkeiten verkauft. Sie glaubt, die neue, zentralere Lage bringe mehr Kunden.

Gilbert Legil, Besitzer eines Karussells und Sekretär des „Comité des forains“, nennt den Umzug ein neues Kapitel in der Geschichte der Escher Kirmes. Die place Victor Hugo sei nicht mehr optimal: „Es mangelt an Platz, um die Fahrgeschäfte und Stände aufzubauen.“ Er könne jedoch nicht sagen, ob der Standort weniger Besucher anlocke. „Das Wetter und der Zeitpunkt – es sind Schulferien – spielen auch eine Rolle.“ Doch noch könne er keine abschließende Bilanz ziehen. „Jetzt kommt das Osterwochenende, das sind normalerweise die erfolgreichsten Tage.“

Porträt von Gilbert Legil mit Zitat „Der Platz fehlt“ zu Platzmangel und Raumknappheit
/
„Der Platz fehlt“, sagt Gilbert Legil

© Foto: Miguel Moutinho De Sousa

Bussteige neben Fahrgeschäften auf Jahrmarkt verringern den Platz für Attraktionen und Besucherfreiraum
/
Bussteige sorgen für weniger Freiraum für Fahrgeschäfte

© Foto: Miguel Moutinho De Sousa

Schausteller an eingeschränkter E-Auto Ladestation auf Jahrmarkt mit Elektrofahrzeugen im Hintergrund
/
Auch Ladestationen für E-Autos schränken Schausteller ein

© Foto: Miguel Moutinho De Sousa

Auch die Anwohner sind froh über den Umzug. „Die Kirmes müsste heute schon weg“, sagt Bruno Sousa. „Es gibt keine Parkplätze mehr für die Einwohner, wenn die Kirmes läuft.“ Daher seien alle im Ort froh über den Umzug. Die Besucher würden jedoch glücklicherweise nicht zu viel Lärm machen. „Das ist kein Problem, weil der Rummel schon um 20 Uhr schließt.“ Seine Frau betreibt einen Schönheitssalon in der Nähe der place Victor Hugo. Sie könne sich nicht über ausbleibende Kunden während der Kirmes beklagen. „Die finden immer einen Weg zu uns.“

Bruno Sousa freut sich auf den schnellen Umzug und packt motiviert Kisten in sein neues Zuhause

Für Anrainer Bruno Sousa kann der Umzug nicht schnell genug kommen Foto: Editpress/Lisa Goedert

Wie finden Anwohner und Schausteller den Umzug? Unsere Umfrage im Video.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Tageblatt Lëtzebuerg (@tageblatt.lu)

Lärm gehört dazu

„Hier ist die Kirmes am falschen Ort“, sagt Nicole Metz-Konnen. Sie geht oft mit ihrem Hund am Rummelplatz entlang spazieren. „Es sind kaum Besucher da. Es ist ein Trauerspiel.“ Sie wusste noch nichts vom Umzug, findet ihn jedoch gut. „Die Schausteller hätten vielleicht mehr Glück vor dem Rathaus.“ Die place des Remparts sei jedoch gut besucht. Was sagt sie zu den fehlenden Parkplätzen für Einwohner während der Osterkirmes? „Ach, hören Sie auf. Ich wohne hier, das ist eine Katastrophe.“ Eine Kellnerin in einem Café sagt, das führe zu Falschparken. „Die Menschen stellen ihr Auto vor Garageneinfahrten ab.“

Porträt von Nicole Metz-Konnen, die über das Trauerspiel fehlender Besucher spricht, emotionale Aussage zum Besucherrückgang

„Die fehlenden Besucher sind ein Trauerspiel“, sagt Nicole Metz-Konnen Lisa Goedert

Dennoch ist nicht jeder Einwohner glücklich, dass die „Ouschterkiermes“ von der place Victor Hugo verschwindet. „Ich bin hier aufgewachsen – der Rummel war immer hier“, sagt Arsène. Er bedauert den Umzug trotz der Umstände für Anwohner. „Der Lärm und alles waren schon immer hier, ohne dass sich jemand beschwert hat.“ Er habe schon als Vierjähriger mit seiner Oma die „Ouschterkiermes“ besucht. Für ihn hat die Kirmes an dieser Stelle Tradition. „Sobald die Buden aufgebaut wurden, wussten wir, die Kirmes ist wieder da.“

Ouschterkiermes auf der Place Victor Hugo mit traditioneller Atmosphäre für Arsène in Luxemburg

Die „Ouschterkiermes“ auf der place Victor Hugo ist für Arsène eine Tradition Foto: Editpress/Lisa Goedert

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Kayl/Tetingen

Gemeinderatssitzung mit wenigen Meinungsverschiedenheiten