Minimalistisch wohnen

Erstes Tiny House wartet in Strassen auf Mieter

Als erste Gemeinde im Land macht Strassen nun in Sachen Tiny Houses Nägel mit Köpfen: Das erste Minihaus ist aufgestellt und wird bald zur Miete freigegeben. Am Donnerstagnachmittag nahm der Gemeinderat einstimmig den Bedingungskatalog an, den der oder die zukünftigen Mieter des Hauses erfüllen müssen.

Wohnen für Minimalisten in der rue Henri Dunant

Wohnen für Minimalisten in der rue Henri Dunant Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Vorläufig steht das 35 Quadratmeter große Häuschen in der Strassener rue Henri Dunant noch leer, doch das könnte sich in Kürze ändern. Am Donnerstagnachmittag nahm der Gemeinderat einstimmig den Mietbedingungskatalog an. Maximal zwei Personen dürfen in dem Haus wohnen. Die zukünftigen Bewohner müssen über ein Jahreseinkommen von unter 100.000 Euro verfügen. Kandidaten, die bereits mindestens zehn Jahre in der Gemeinde wohnen, werden bei der Vergabe bevorzugt, was aber nicht bedeute, dass andere Interessenten sich nicht melden können, präzisierte Bürgermeister Nico Pundel. Er gehe davon, dass die Nachricht für Aufsehen sorgen werde. Man sei gespannt, wie viele Interessenten sich melden werden.

Die Interessenten müssen sich auch bewusst sein, dass der Mietvertrag über maximal fünf Jahre abgeschlossen wird. Melden sich mehrere Kandidaten, die alle Bedingungen erfüllen, wird der zukünftige Bewohner ausgelost. Die monatliche Miete wurde auf 800 Euro zuzüglich Nebenkosten festgelegt, ein Punkt, der für einige Diskussionen seitens der DP-Opposition sorgte. In Anbetracht der Tatsache, dass eine Miete fünf Prozent des Gestehungspreises nicht überschreiten dürfe, sei die Miete doch recht hoch, meinte Nicolas Kandel. Das stimme wohl, entgegnete der Bürgermeister, allerdings habe man es hier mit einer möblierten Wohnung zu tun.

Sozial oder doch nicht?

Des Weiteren kritisierte die Opposition die Tatsache, dass es einerseits zwar keine Sozialwohnung sei, andererseits aber ein maximales Einkommen festgesetzt werde. Das sei diskriminierend. Bedingungen seien in solchen Fällen nie hundertprozentig richtig, meint Bürgermeister Nico Pundel, immer würde jemand ausgeschlossen, doch man müsse halt einige Bedingungen stellen.

Der Trend zu Tiny Houses (winzige Häuser) nahm seinen Ursprung in den USA. Damit sollen drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Erstens soll umweltgerechtes Wohnen propagiert werden, zweitens wird darin eine Lösung für das Wohnungsproblem gesehen, und drittens ist ein winziges Haus natürlich ideal für Personen mit geringem Einkommen. Als „Tiny House“ werden Häuser bezeichnet, deren Wohnfläche zwischen 15 und 40 Quadratmeter beträgt. Ein Vorteil ist, dass die Mini-Häuser problemlos weggeschafft werden können, wenn sie einmal nicht mehr gebraucht werden oder erwünscht sind.

Um Minihäuser aufstellen zu können, war eine Anpassung des allgemeinen Bebauungsplans notwendig, da die Häuschen nicht mit den bisherigen PAGs und den kommunalen Bauvorschriften vereinbar sind. Die Änderung des PAG wurde einstimmig und ohne Diskussionen vom Gemeinderat gutgeheißen. U.a. müssen „tiny“ Häuser folgende Bedingungen erfüllen: Sie müssen als Wohnraum dienen, sie dürfen maximal 49 Quadratmeter Wohnfläche haben, dürfen maximal sechs Meter hoch sein und dürfen keine Keller haben.

Im Mai dieses Jahres hatte das Innenministerium Mustervorschriften für Tiny Houses an die Gemeinden verschickt. Zu dem Zeitpunkt war man in Strassen allerdings schon einige Schritte weiter. Bereits im Haushalt 2022 hatte die Gemeinde 500.000 Euro für das Experiment bereitgestellt, was für zwei, drei Häuser reichen sollte, hieß es damals. Außer auf dem Gemeindegrundstück in der rue Henri Dunant gebe es im neuen Viertel „Am Pescher“ Platz für fünf Häuser, erklärte Nico Pundel vorigen Mai.

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