„Immer in Bewegung“

Ein Besuch bei den Humboldt-Pinguinen im „Parc merveilleux“

Ab heute stellt das Tageblatt jeden Monat ein Tier aus dem „Parc Merveilleux“ in Bettemburg vor – diesmal: die widerstandsfähigen und kältebegeisterten Humboldt-Pinguine.

Pinguin in eisiger Umgebung, an kaltes Klima angepasst, typische Antarktis-Vogelart in natürlichem Lebensraum

In der Kälte fühlt sich diese Pinguinart zu Hause Foto: Carole Theisen

Während Schneefall und Minusgrade Menschen in Winterjacken hüllen und den Verkehr zumindest stellenweise zum Erliegen bringen, sorgt der plötzliche Kälteeinbruch im „Parc merveilleux“ für aufgekratzte Stimmung – bei den Humboldt-Pinguinen. Die 14 Tiere des Parks lieben das kühle Wetter, sind aktiver denn je und stürzen sich mit sichtlicher Freude ins eiskalte Wasser. Auch wenn ihre Heimat nicht der Südpol, sondern die gemäßigten Küstenstreifen Südamerikas ist – Kälte ist für diese Pinguinart ein vertrautes Terrain.

Die Pinguinanlage des Parks ist kompakt, aber technisch durchdacht: rund 60 Quadratmeter Landfläche, dazu ein 70-Kubikmeter-Becken mit 1,90 Metern Tiefe. Der Zugang erfolgt über eine lange Rampe, der Boden besteht aus feinem Flusssand, die Brutplätze aus Betonelementen, eingebettet in Schiefersteine.

„Diese Höhlen brauchen wir“, erklärt Guy Willems, leitender Tierarzt des Parks seit 2003. „Sie brüten im Prinzip nur in Höhlen.“ Sieben davon gibt es – unterschiedlich groß, unterschiedlich tief.

Guy Willems, leitender Tierarzt im Tierpark seit 2003, bei der Versorgung von Tieren im Park

Guy Willems ist seit 2003 leitender Tierarzt des Parks Foto: Carole Theisen

Die Anlage ist von vier Seiten geschlossen, nur durch ein Fenster im Tropenhaus einsehbar. Gegen Füchse und Marder schützt eine Elektro-Litze. „Ein Fuchs oder ein Marder wäre eine Gefahr für die Eier“, sagt Willems.

Das Becken ist beheizt, ebenso wie der Boden der Anlage – allerdings nur so weit, dass das Wasser nicht gefriert. „Im Prinzip könnten sie auch in null Grad kaltem Wasser schwimmen, aber wegen der Beobachtungsscheibe brauchen wir konstante Temperaturen von etwa sechs bis acht Grad“, erklärt Willems. Die gesamte Technik hinter dem Gehege – inklusive Filtersystem, UV-Desinfektion und Ozongerät – dient der Wasserqualität und Hygiene.

Guy Willems ist seit über 20 Jahren Tierarzt im „Parc merveilleux“. „Ich verwalte die gesamte Tierkollektion des Parks“, sagt er. „Ich entscheide auch, welche Tiere sich weiter fortpflanzen dürfen.“ Die Humboldt-Pinguine gehören zu einem europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). „In der Natur sind sie bedroht“, erklärt Willems. „Es gibt die Erdölindustrie, es gibt viele Störungen. In Zoos läuft es gut, aber vor Ort sind sie wirklich gefährdet.“ Jedes Tier hat einen CITES-Pass, jedes Küken wird registriert. „Wenn sie geboren werden, muss ich das melden. Und wenn eines den Park verlässt, muss das Zertifikat unbedingt mit.“

Mauser, Aufzucht, Migration

Einmal im Jahr mausern die Pinguine – und verlieren dabei ihr komplettes Federkleid. In dieser Phase schwimmen sie kaum, wirken erschöpft. Die Pflege wird reduziert, die Ernährung angepasst. Jedes Jahr gibt es Nachwuchs: „Drei, vier Stück, manchmal sechs“, sagt Willems. Doch der Platz ist begrenzt. Die Jungtiere bleiben nur wenige Wochen, dann gehen sie in andere Zoos.

Die Kerngruppe im „Parc merveilleux“ stammt ursprünglich aus dem Schönbrunner Zoo Wien. Viele Tiere sind 2003 geboren – Pinguine können bis zu 30 Jahre alt werden. Auch innerhalb der Gruppe passiert viel. Pinguine gelten als monogam – aber Willems relativiert: „Das steht so geschrieben, aber es kann variieren.“ Es gibt feste Paare, aber auch Wechsel und einige gleichgeschlechtliche Bindungen.

Personal füttert Tiere in einem modernen Tiergehege dreimal täglich für artgerechte Tierpflege

Das Personal füttert die Tiere dreimal täglich Foto: Carole Theisen

Dreimal täglich wird gefüttert. Die Pinguine bekommen ausschließlich Hering, tiefgefroren geliefert. „Wir kaufen den Fisch in Zehn-Kilo-Blöcken. Die werden aufgetaut, gewaschen und dann verfüttert.“

Weil industriell produzierter Fisch nicht alle Nährstoffe enthält, gibt es täglich Nahrungsergänzung: „Fisheater-Tabletten. Vitamine, Mineralstoffe. Das ist keine Behandlung, das ist einfach ein Zusatz.“

Humboldt-Pinguine sind eigentlich sehr robuste Tiere und werden sehr selten krank. Impfungen gibt es kaum. Doch eine Krankheit verfolgt sie weltweit: Aspergillose, eine Schimmelinfektion der Luftsäcke. „Das ist ein großes Problem“, sagt Willems. „Wir haben schon Tiere behandelt, aber es ist schwer, sie da durchzubringen.“

Der Alltag der Pfleger: Nähe, Routine, Vertrauen

Für Tierpfleger Fernando Navalha sind die Pinguine längst vertraute Kollegen. „Sie erkennen die Menschen, die hier arbeiten“, sagt er. „Wenn du mit ihnen sprichst und dir Zeit nimmst, werden sie ruhiger.“ Vertrauen entstehe über Zeit, sagt er – und über Geduld. „Als ich bei den Pinguinen anfing, dauerte es drei Tage, bis sie wussten, dass ich dazugehöre.“

Charaktere gibt es viele: „Es gibt die, die immer vorne stehen, die Hungrigen. Andere ziehen sich lieber sofort ins Wasser zurück.“ Angst vor den Tieren? Fehlanzeige. „Nein. Wir tragen Handschuhe zur Sicherheit, aber sie beißen nicht. Sie wollen einfach nur gefüttert werden.“

Humboldt-Pinguine

Herkunft: Westküste Südamerikas, v.a. Chile und Peru

Größe: ca. 65-70 cm

Gewicht: 4-6 kg

Ernährung: hauptsächlich Fisch

Lebensweise: leben in Kolonien, brüten in Höhlen

Gefährdung: durch Umweltzerstörung und Fischerei stark bedroht

14 Tiere tauchen bei kühlem Wetter aktiv ins eisige Wasser, zeigen winterliche Tieraktivität in kalter Umgebung

Bei kühlem Wetter sind die 14 Tiere besonders aktiv und tauchen gern ins eisige Wasser Foto: Carole Theisen

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