Hier kann man seine Koffer abstellen

Düdelingens Flüchtlingsunterkunft feiert 10-jähriges Jubiläum

Das ehemalige ARBED-Gelände in der route de Volmerange dient seit 2016 als Unterkunft für Geflüchtete. Düdelingen und das Rote Kreuz luden zum zehnjährigen Bestehen vor Ort ein.

Beim Sommerfest zum zehnjährigen Bestehen der Unterkunft warten Kinder auf Zuckerwatte

Beim Sommerfest zum zehnjährigen Bestehen der Unterkunft warten Kinder auf Zuckerwatte Foto: Editpress/Alain Rischard

Die Düdelinger Stadtverwaltung hat auf dem ehemaligen Arbed-Werksgelände in der route de Volmerange vor zehn Jahren eine Unterkunft für Geflüchtete eröffnet. Das Heim wird vom luxemburgischen Roten Kreuz betrieben und bietet Platz für bis zu 86 Menschen. Seit dem 1. März 2016 werden dort Antragsteller auf internationalen Schutz untergebracht.

Zum Jubiläum versammelten sich am Freitagabend unter anderem Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP), Marc Wagener, Generaldirektor der „Croix-Rouge“, Familienminister Max Hahn (DP) sowie Mitglieder des Schöffenrats.

Ein Ort zum Ankommen

Die Unterkunft in Düdelingen bietet Menschen, die oft einen langen und gefährlichen Weg hinter sich haben, seit zehn Jahren die Möglichkeit, hierzulande Fuß zu fassen. Für Bürgermeister Dan Biancalana passt das auch zum Selbstverständnis der Stadt: „Das gehört zu unserer DNA.“ Düdelingen sei seit jeher stark von Migration geprägt.

Von Anfang an sei es dabei um mehr gegangen als nur um ein Gebäude. Die Aufnahme sollte gemeinsam mit den Partnern und den Bewohnern gestaltet werden. „Düdelingen ist ein Ort, an dem man ankommen kann“, sagte Biancalana, besonders nach „einem schwierigen und oft auch gefährlichen Weg“. Hier könne man „seine Koffer, abstellen“, ähnlich wie einst viele italienische Familien im Quartier Italien.

Mehr als nur ein Bett

Heute sind 82 der 86 Plätze belegt, insgesamt haben seit der Eröffnung 412 Menschen in der Unterkunft gelebt. Für Marc Wagener, Generaldirektor des Luxemburger Roten Kreuzes, zählt dabei mehr als die Zahl der Betten. „Man kann eine Kiste bauen und Betten hineinstellen, aber das reicht nicht“, betonte er. Eine Unterkunft müsse ein „echter Lebensort“ sein, mit Privatsphäre, Aktivitäten und individueller Betreuung. Menschen aus 16 Nationen leben hier, große Familien ebenso wie Einzelpersonen. „Sie leben hier in einer Gemeinschaft und schlafen nicht einfach nur hier.“

Auch Familienminister Max Hahn sieht Düdelingen als Musterbeispiel. Entscheidend sei, „wie eine solche Struktur aufgebaut und organisiert ist“. Dass die Zusammenarbeit funktioniert, sei kein Selbstläufer: „Das funktioniert nur, wenn sich alle Beteiligten wirklich intensiv dafür einsetzen.“

Integration findet dabei auch außerhalb der Unterkunft statt: über Schulen, „Maisons relais“, Vereine und Veranstaltungen. Ehrenamtliche spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Trotz nachlassender Hilfsbereitschaft gebe es laut Dan Biancalana weiterhin „einen starken, treuen und festen Kern“ an Freiwilligen: Viele Ehrenamtliche begleiten die Unterkunft bereits seit zehn Jahren. Zum Jubiläum wurden sie gemeinsam mit den festen Mitarbeitern mit einem Zertifikat geehrt.

Eine dauerhafte Perspektive

Zum Jubiläum richtet sich der Blick aber nicht nur zurück. Die heutige Unterkunft ist weiterhin eine provisorische Lösung: „Im neuen Quartier NeiSchmelz soll künftig eine dauerhafte Struktur für Antragsteller auf internationalen Schutz entstehen“, erklärte Dan Biancalana dem Tageblatt am Freitag.

Er sieht in den Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre eine wichtige Grundlage für die Zukunft. Der Schritt „vom Provisorium zu einer festen, definitiven Struktur“ sei nun entscheidend. Wichtig bleibe dabei auch die Lage: nicht am Rand der Stadt, sondern mitten im Viertel und gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. So soll das, was sich in den vergangenen zehn Jahren bewährt hat, künftig dauerhaft in Düdelingen verankert werden: „Die positiven Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre wollen wir auch in die neue Struktur mitnehmen.“

Bürgermeister Dan Biancalana, Marc Wagener, Max Hahn und Ehrenamtliche im Gespräch beim Jubiläumsfest

Bürgermeister Dan Biancalana, Marc Wagener, Max Hahn und Ehrenamtliche im Gespräch beim Jubiläumsfest Foto: Editpress/Alain Rischard

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