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Die Luxemburger Webserie „Flick“ sagt Krimi-Klischees lächelnd den Kampf an
Die luxemburgische Webserie „Flick“ kombiniert Film-Noir-Stereotype mit feministischer Satire. Was dabei zu kurz kommt und wie das Publikum reagiert.
Luxemburgs neue Krimikomödie: „Flick“ ist eine Webserie von Six Letters Copyright: Six Letters
Der Himmel ist blau, die „Gëlle Fra“ wacht über die place de la Constitution. Ein idyllisches Bild, wären da nicht die Polizei und die Spurensicherung, die einen schwarzen Kleinwagen inspizieren: Hinter den Wagentüren verbirgt sich eine Leiche. Mit dieser Szene beginnt die luxemburgische Webserie „Flick“ von Six Letters, geschrieben von Anne Klein und Momo Sinner. Was folgt, ist eine feministische Karikatur des Film Noir im Kurzformat.
Ungleiches Gespann
Wie jeder Krimi lebt auch „Flick“ von den Ermittler*innen. In diesem Fall sind das die Luxemburgerin Anne (Anne Klein) und der Österreicher Lex (Dominik Raneburger). „Two investigators, whom no one else wants to work with“, schreibt Six Letters. Schnell wird klar, weshalb.
Lex trägt einen beigen Trenchcoat, fährt einen Oldtimer und ist misogyn – der typische, mürrische Detektiv also. Ihm gegenüber steht die quirlige Anne, die mit Polaroidkamera Beweisfotos sammelt und schlechte Wortwitze reißt.

Das Plakat zur Webserie „Flick“ Copyright: Six Letters
Wer sich nicht um eine Interpretation bemüht, könnte die Dynamik zwischen dem ungleichen Gespann missverstehen und sich gar über den offenen Sexismus echauffieren. Lex leitet die Ermittlungen schließlich ohne Klein ein, pfeift auf ihre Einschätzungen und kommentiert ihr Outfit mit „Wat der Däiwel hutt Dir do un?“.
Anne nimmt das hin, kämpft um Lex’ Anerkennung. Aber nur auf den ersten Blick, denn in Wahrheit zieht sie Lex mit ihrer aufgesetzten Unbeholfenheit ins Lächerliche – und das macht sie gut. Während Lex damit beschäftigt ist, Stereotypen zu erfüllen – der Trenchcoat und der Oldtimer reichen nicht aus, er trinkt selbstverständlich auch Alkohol während der Arbeitszeit –, löst sie nämlich den Fall.
Schwacher Plot, starke Details
Ist dieses Zusammenspiel amüsant, gibt die Geschichte selbst eher wenig her. Vor allem nicht im Vergleich zur Webserie „W.“, ebenfalls von Six Letters produziert und 2023 mit der silbernen Medaille beim „Web Series World Cup“ ausgezeichnet. Dort steht die junge W. im Mittelpunkt eines Vermisstenfalls, der unzählige Fragen aufwirft. W. versucht ihre Erlebnisse Folge für Folge zu rekonstruieren. Die Erzählung in „Flick“ hat hingegen weniger Tiefe. Zwar gibt es einige Plot Twists und überraschende Momente, Spannung will dennoch nicht so richtig aufkommen.
J’ai envie de dire oui
Anne Klein
Schauspielerin und Drehbuchautorin im Interview mit Le Quotidien
Dafür ist man als Zuschauerin zu beschäftigt, über Details zu lachen. Zum Beispiel sitzt Lex in der Bar „Scotts“, trinkt, der Bildschirm ist schwarz-weiß. Alles schreit nach klassischem Krimi. Bis Anne auftaucht – und das Licht einschaltet, weil es ihr zu dunkel ist. Schon erstrahlt der Raum in Farbe. Oder wenn Anne vom Fahrrad zu Lex in den Oldtimer steigt, nur um wenige Zentimeter weiter in die freie Parklücke zu rollen. Szenen, die das Genre gekonnt aufs Korn nehmen.
Reaktionen
Gleichzeitig wirkt „Flick“ dadurch teilweise forciert lustig, fast schon albern. Ob der Humor ankommt, ist am Ende Geschmackssache. Fest steht jedoch, dass sich im Cast und hinter den Kulissen wichtige Namen der Luxemburger Kulturwelt befinden: Neben Anne Klein und Dominik Raneburger spielen auch Anouk Wagner, Ginatre Parulyte, Pitt Simon und Andrew Mockler mit; die Musik kommt von Pol Belardi, die Kameraarbeit übernahm Rae Lyn Lee (u.a. „Hors d’haleine“), das Setdesign gestaltete Lynn Kelders und die Kostüme Michèle Tonteling (2025 auf der Shortlist für die „Lëtzebuerger Bünepräiser“).
Auf Youtube, wo die sechs Folgen von rund fünf Minuten kostenlos zu sehen sind, fällt das Feedback positiv aus. Die Kommentare reichen von „Einfach immens“ bis zu „We need more episodes and such quality Luxembourgish content“. Ob es dazu kommt, ist noch offen. Das verriet Anne Klein im Interview mit Le Quotidien: „J’ai envie de dire oui, pour mettre la pression à Fred [Zeimet] mais on verra d’abord comment va être reçue cette première saison.“