Expo im Casino Luxembourg – Forum d‘art contemporain

Das wird bei der Gruppenausstellung €AT aufgetischt

Der Besitz von Kunst – nur einer Elite vorbehalten? Keineswegs, sagen Nora Cristea und Vincent Schneider, die die digitale Kunstplattform Contemporary Artist Things (CAT) während der Pandemie entwickelt haben. Mit der Gruppenausstellung €AT im Casino Luxembourg unter der Kuratorschaft von Kevin Muhlen betreten sie nun die analoge Welt der klassischen Institutionen und zeigen, wie Kunst einem breiteren Publikum leichter zugänglich und erschwinglich dargeboten werden kann.

Zeitgenössische Kunst im inklusiven €AT Ausstellung Kunst-Bankett mit vielfältigen Kunstwerken und interaktiven Elementen

Zeitgenössische Kunst erleben: die €AT-Ausstellung präsentiert sich als inklusives Kunst-Bankett Foto: Lynn Theisen

Nora Cristea und Vincent Schneider, beide erfahren in der Präsentation von Kunst und Kulturvermittlung in unterschiedlichen Kontexten, verfolgen ambitioniert das Ziel, die aufstrebende zeitgenössische Kunstszene sichtbar(er) zu machen und durch leichte Zugänglichkeit zu deren Arbeiten zu unterstützen. Die Initiative reiht sich ein in ähnliche Projekte der jüngeren Vergangenheit. Man könnte sie als Teil einer Graswurzelbewegung verstehen, eine bottom-up-orientierte Praxis, die von unten entsteht, initiiert von Individuen oder kleinen Gruppen. Sie will eine Veränderung festgefahrener, machtvoller Strukturen herbeiführen. Ihr Fokus liegt auf Partizipation, Demokratisierung und Förderung künstlerischer Freiheit. Es ist eine Gegenbewegung zum elitären Kunstmarkt, dessen mächtigste Player – Messen, Galerien und Auktionshäuser – als Gatekeeper fungieren und den Wert von Kunst bestimmen.

Die Szenografie des Banketts – und die Idee dahinter

Der Titel der Ausstellung, „€AT“, ist ein smartes Wortspiel zwischen dem englischen Verb „to eat“ und dem Akronym CAT. Das Euro-Symbol an dessen Stelle verweist auf den ökonomischen Aspekt des Kunstschaffens und seiner Verwertbarkeit, in der Regel geprägt von spekulativen Absichten. Die alternative Lesart EAT lädt dagegen zu einer ganz anderen Form der Aufnahme von Kunst in das eigene Leben ein.

Es ist eine Aufforderung zur aktiven Beteiligung, Begegnung und Auseinandersetzung mit den präsentierten künstlerischen Werken und Positionen. Passend dazu ist deren Präsentation als Allegorie eines Banketts angelegt, das auf zwei hohen langen Tischen originell und unkonventionell angerichtet ist. Die inspirierende Komposition des „Menüs“ orientiert sich an der Gleichbehandlung der ausgestellten Künstler:innen: Ihre Arbeiten sind horizontal auf abwechslungsreiche Art und Weise in Szene gesetzt.

Das Konzept der Ausstellung „€AT“ will Kunstinteressierte ansprechen, die nicht aus rein spekulativen Gründen Kunst sammeln möchten, sondern sich bei der Entscheidung für ein Objekt von subjektiven Motiven leiten lassen. Kunst soll möglichst viele begeistern, vielleicht auch berühren. Der Erwerb und Besitz eines Kunstgegenstandes wird als Ausdruck einer inneren Haltung gesehen und kann zu einem wesentlichen Teil des eigenen Zuhauses, des eigenen Lebens, werden. Kunst wird inklusiv gedacht, nicht elitär. Im Idealfall wird sie zum Erlebnis und zur täglichen Inspiration.

Moderner Kunstteppich in Ausstellung im Casino, innovatives Design als Kunstobjekt präsentiert

Wenn der Teppich zum Kunstobjekt wird. In der Ausstellung im Casino ist das möglich und war explizit erwünscht. Foto: Lynn Theisen

Die Initiative fokussiert darüber hinaus auch soziale und ökonomische Dimensionen. Der Kunstmarkt mit seinen intransparenten Strukturen und Ritualen ist ein in sich geschlossenes System, das viele Kunstinteressierte ausschließt. Aber auch einem großen Teil Kunstschaffender bleibt der Zutritt verwehrt; ihnen fehlen die entsprechenden Netzwerke, ein gewisser Bekanntheitsgrad oder die Unterstützung durch Galerien und Kunstsammler:innen. Ein anderes Verständnis von Kunst und ihrer Verwertung macht sich für eine nachhaltige, künstlerzentrierte Förderung von Kunst stark. Es investiert nicht nur in Kunst, sondern erleichtert den Zugang zu ihr und den Kunstschaffenden, sichert deren kreative Freiheit und unterstützt sie so in der Entfaltung ihrer schöpferischen Kompetenzen und Positionen. Es fördert gleichzeitig auch eine neue Kultur des Sammelns von Kunst. In diesem Sinne will CAT nun auf beiden Ebenen, der digitalen und der klassisch-institutionellen, für den Dialog werben und lädt zu seinem „visuellen Bankett“ ein.

Das Festmahl

In der Ausstellung bieten etwa fünfzig internationale Künstler:innen einen Einblick in ihre Arbeiten und Positionen. Die Breite des Angebots lässt vermuten, dass die Chance, etwas für den eigenen Kunstgeschmack Passendes zu finden, das sich gut in den eigenen Lebensraum integrieren ließe, groß ist. Doch auch wer nur schauen möchte und sich mit der Inspiration vor Ort begnügt – denn Betrachtung von Kunstgegenständen schenkt immer Inspiration und Emotion –, kommt auf seine Kosten.

Es sind Kunsteditionen, Multiples und Wearables – Kunstwerke, von denen mehrere identische Exemplare hergestellt werden. Deren abstrakte Grundidee wurde vorher in einem künstlerischen Werk, zum Beispiel einem Gemälde, realisiert. Kunstschaffende bekommen nun durch CAT die Chance, diese Grundidee auch in anderen Trägermaterialien zur Geltung zu bringen: statt Leinwand etwa Papier oder Stoff. So entstehen Drucke, T-Shirts, Schals, Gebrauchsgegenstände wie Fußmatten oder Tischtennisschläger. Eine andere Herangehensweise ist die Reproduktion eines künstlerischen Objektes in einer kleinen, handhabbaren Größe, zum Aufstellen oder zum Mitnehmen in der Tasche.

Drei speziell für „€AT“ mit Unterstützung des Casino Luxembourg produzierte Editionen knüpfen jeweils an bestehende Werkkomplexe der Künstler:innen an und nehmen charakteristische Motive auf. Die kanadische Künstlerin Vanessa Brown hat auf der Grundlage ihrer Buntglasarbeit „Rose Absolute“, die vergangenes Jahr im CAC Passages in Troyes in ihrer Einzelausstellung „Time after Time“ gezeigt wurde, einen Siebdruck hergestellt.

Angélique Aubrit & Ludovic Beillard kreiieren skurrile Szenen mit Figuren und Objekten aus verschiedenen Materialien in begehbaren Installationen zu einer Art Theater des Absurden. Für das Bankett haben sie Puppen von Wieselfiguren geschaffen, die in ihrer ursprünglichen Größe parallel in der Ausstellung „Theatre of Cruelty“ im Casino zu sehen sind. Sie tummeln sich nun auf den Tischen zwischen anderen Kunstobjekten und erzählen – integriert in unterschiedliche Settings – ihre individuellen Geschichten. In ihrer kleinen Form eignen sie sich perfekt als Sammelobjekte. Von Mariechen Danz liegt eine kleine Skulptur, eine Art Wearable, vor, das eine direkte Referenz zu ihrer großformatigen Arbeit „Common Carrier Case“ ist. Es handelt sich um ein Votiv aus recyceltem Aluminium, nun in einer kompakten Form, das an die Wand gehängt oder in der Tasche mitgenommen werden kann.

Der Aspekt der Nachhaltigkeit kommt auch zum Tragen bei Unikaten, die aus recycelten Kunststoffen geformt und in einem Fall wie in die Farbpalette eines Marc Chagall getaucht erscheinen: Eine Krake, die als Teil des „visuellen Banketts“ darauf zu warten scheint, „verzehrt“ zu werden.

Schließlich sei die große Zahl an Drucken und Grafiken erwähnt, die in ihren unterschiedlichen Techniken, Farbigkeit und Themen berühren oder verzaubern können, Fragen aufgeben oder Botschaften übermitteln.

Alle Arbeiten sind in limitierter Auflage verfügbar, jede Edition ist ein echtes Original, signiert von den Künstler:innen. Im besten Fall verleibt man sich das ein oder andere aufgetischte Objekt nach getroffener Auswahl ein: Man nimmt es stolz mit nach Hause, in dem Bewusstsein, Kunst und alternative Wege ihrer Verwertung zu unterstützen.

Weitere Infos

Aufgelistet mit ihren Preisen, können die Werke auf Anfrage an der Rezeption des Casino Luxembourg erworben werden. Alle Erlöse werden an die Künstler:innen und den Betrieb der Online-Kunstplattform gespendet. Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Februar 2026 bei freiem Eintritt geöffnet.

>
0 Kommentare
Das könnte Sie auch Interessieren

Expo im Casino Luxembourg – Forum d‘art contemporain

Das wird bei der Gruppenausstellung €AT aufgetischt

Erhöhte Suchtgefahr

Dietmar Dath: Skyrmionen – Sprache, KI und literarische Höchstleistung