Tier des Tages
Das Europäische Reh – Pflege zwischen Fachwissen und natürlichem Rhythmus
Gemeinsam mit dem „Centre de soins pour la faune sauvage“ stellt das Tageblatt während der Sommerferien heimische Wildtiere vor und zeigt, wie verletzte oder geschwächte Tiere in der Pflegestation versorgt werden. Zum Auftakt geht es um das Europäische Reh.
In der Pflegestation werden verletzte oder geschwächte Rehe behandelt, bis sie wieder ausgewildert werden können Foto: Centre de soins pour la faune sauvage
Das Europäische Reh ist das kleinste heimische Hirschwild Europas und in Luxemburg weit verbreitet. Im Jahr 2025 wurden in der Pflegestation insgesamt 32 Rehe aufgenommen und versorgt.
Die Arbeit mit Rehen erfordert viel Erfahrung und eine genaue Einschätzung der Situation. Besonders im Frühling zur Geburtszeit kommt es häufig zu Fehlinterpretationen: Kitze besitzen noch keinen Eigengeruch und werden von der Mutter bewusst über längere Zeiträume allein gelassen, um Feinde fernzuhalten, und nur zum Säugen aufgesucht. Ohne dieses Wissen werden sie schnell unnötig eingesammelt. Deshalb gilt: Wird im Frühling ein scheinbar verlassenes Kitz gefunden, sollte es unbedingt in der Natur belassen werden.
In der Pflegestation stehen Ruhe, Stabilisierung und stressarme Bedingungen im Vordergrund. Wichtig ist vor allem, eine Prägung auf den Menschen zu vermeiden, da Rehe sehr empfindlich auf Störungen reagieren.
Die Brunftzeit liegt zwischen dem 15. Juli und dem 15. August, wobei die Böcke ihr Revier durch Geweihreiben und Bodenscharren markieren. Es folgt eine Keimruhe: Nach der Befruchtung ruht die Entwicklung, bevor sich der Embryo erst nach etwa vier Monaten (Dezember/Januar) einnistet. Danach dauert die Tragzeit rund fünf Monate, sodass die Kitze im Mai oder Juni geboren werden.
Die tägliche Arbeit in der Pflegestation zeigt, wie anspruchsvoll die Versorgung dieser Tierart ist und wie wichtig Erfahrung im Umgang mit Wildtieren bleibt. Ziel ist es, jedes Tier bestmöglich auf ein Leben in der Natur vorzubereiten.
Das Europäische Reh ist in Luxemburg weit verbreitet Foto: Centre de soins pour la faune sauvage