Theater
Claire Wagener inszeniert „Warten auf Godot“: Die Aussichtslosigkeit transzendieren
Nach langem Warten eröffnet das Kaleidoskop-Theater seine neue Spielzeit mit Becketts Klassiker. Claire Wagener gelingt dabei eine stets lustige und präzise, wenn auch streckenweise etwas brave Inszenierung, die von einem überzeugenden Ensemble getragen wird.
Vladimir (Jean-Paul Maes) und Estragon (Marc Baum) Foto: Roland Jacobi
Über 50 Jahre nach seiner Uraufführung hat Becketts Godot immer noch äußerst viel über die Nichtigkeit menschlichen Schicksals zu sagen: Die Geschichte von Vladimir (Jean-Paul Maes) und Estragon (Marc Baum), zweier Freunde, die jeden Tag damit verbringen, umsonst auf Godot zu warten und diese Wartezeit mit absurden Gesprächsfetzen, halbgaren Suizidgedanken und absurden Begegnungen mit Pozzo (Neven Nöthig) und dessen humanem Sklaven Lucky (Frédérique Colling) füllen, ist gerade deswegen so zeitlos, weil es Beckett gelang, die depressive Nachkriegsstimmung in einen metaphysischen Nihilismus einzubetten, der so radikal ist, dass er immer wieder in unglaublich lustige Momente mündet. Selten war der Tonfall eines Theaterstücks so klamaukig und verzweifelt zugleich, selten hatte man den Eindruck, ein Stück wäre gleichermaßen so inhaltlos wie Flauberts Traum von einem „livre sur rien“ (regelmäßig kommentiert Estragon gelangweilt, wie wenig hier passiert) und so tiefgründig wie eine metaphysische Abhandlung.