In Luxemburgs Kinos
Wer in „Histoires parallèles“ und „La Vénus électrique“ die Wahrheit hinterfragt
Asghar Farhadi inszeniert mit „Histoires parallèles“ ein Spiegelkabinett aus Voyeurismus, Fiktion und moralischer Selbsttäuschung. Pierre Salvadoris „La Vénus électrique“ ist ein Film über Trauer und Schmerz. Beide Filme laufen bei den 79. Filmfestpielen in Cannes – und in Luxemburg. Ob sich der Kinobesuch lohnt.
Von den Filmfestpielen in Cannes in Luxemburgs Kinos: die Filme „Histoires Parallèles“ und „La Vénus électrique“ Quelle: imdb.com/Collage: Tageblatt
Wenn Geschichten Wirklichkeit erzeugen
Mit „Histoires parallèles“ kehrt Asghar Farhadi nach fünf Jahren auf die Leinwand zurück – und zugleich zu jenem moralischen Labyrinth, das sein Kino seit „Nader und Simin – Eine Trennung“ (2011) prägt. Spätestens seit „Le Passé“ (2013), seinem ersten in Frankreich gedrehten Film, arbeitet Farhadi regelmäßig außerhalb des Irans. Nach dem Durchbruch mit „About Elly“ (2009) folgte 2018 der spanischsprachige „Todos lo saben“ mit Penélope Cruz und Javier Bardem. Doch diesmal verändert sich etwas Entscheidendes: Der iranische Regisseur, berühmt für seine präzise realistischen Gesellschaftsdramen, wagt sich an ein deutlich künstlicheres, spielerischeres und selbstreflexiveres Kino. Das Ergebnis ist ein Film, der bereits auf dem Festival von Cannes 2026 zugleich Bewunderung und Skepsis ausgelöst hat. Für die einen ein faszinierendes Spiel der Ebenen, für die anderen ein zu kalkuliertes Konstrukt.