Sachbücher
Bücher über Rechtsextremismus: Über den Spagat gegen die Sprachlosigkeit
Wie geht man mit Freunden und Bekannten um, die zumindest teilweise eine rechtsextreme Meinung haben? Dieser Frage geht die Philosophin Jana Glaese nach. Und wie verhält es sich mit den zunehmenden rechten Tendenzen unter Jugendlichen? Das hat die Journalistin Manuela Müller erforscht.
Jana Catalina Glaese, geboren in Buenos Aires und aufgewachsen in Ostwestfalen Foto: Johanna Ruebel
Nicole trifft sich abends am Bahnhof eines kleinen südwestdeutschen Dorfes mit ihren Freunden. „Wir sind fast alle rechts“, sagte eine damals 14-Jährige Anfang der 1990er Jahre. „Wir können keine Ausländer in unserer Gruppe brauchen.“ Es war eine Zeit, in der nicht nur im Osten Deutschlands rechtsgerichtete Gedanken unter Jugendlichen verstärkt aufkamen. Im Nachhinein spricht man über das Jahrzehnt der „Baseballschlägerjahre“, in denen Jagd auf Migranten, Punks und Obdachlose gemacht wurde – einer Jagd, der nicht wenige Menschen zum Opfer fielen und ums Leben kamen. Auch im Westen tickte die Jugend vor allem auf dem Land verstärkt rechts. Nicole, die eigentlich anders hieß, war eine Nachhilfeschülerin des Autors dieser Zeilen. So auch Markus, der sich Adolf Hitlers „Mein Kampf“ von seinem Opa auf DIN‑A4‑Seiten kopiert hatte. Davon spricht heute niemand mehr.