Esch

Blumenkübel als absichtliches (Radweg-)Hindernis: Was es laut Stadt damit auf sich hat(te)

Ein massiver Blumenkübel blockiert mindestens zwei Tage lang den Anfang eines Radwegs in der rue du Canal. Die Stadt sagt: Der Topf stand mit Absicht dort. Was hat es damit auf sich?

Hindernisparcours für Radfahrer: Auf dem Radweg in der Kanalstraße schmückt ein Blumenkübel den Weg

Hindernisparcours für Radfahrer: Auf dem Radweg in der Kanalstraße schmückt ein Blumenkübel den Weg Foto: Editpress/Tom Haas

Eigentlich sollte die neue verkehrsberuhigte Kanalstraße in Esch die Verkehrsteilnahme für Radfahrer und Fußgänger sicherer machen. Eigentlich. Doch mindestens zwei Tage lang blockierte nun ein schwerer, rostbrauner Blumenkübel den einspurigen Anfang des dortigen Radweges, der auf den Boulevard Prince Henri führt. Vielleicht war es Vandalismus – so war in der Tageblatt-Redaktion erst die Vermutung. Doch die Stellungnahme der Stadt überrascht: Nein, der Kübel steht mit Absicht dort. Die Pressestelle nennt die skurrile Platzierung eine „Maßnahme“. Die Begründung: „Da Autos/Transporter immer wieder über diesen Bereich gefahren sind, haben wir dort eine Absperrung platziert, um die Passanten zu schützen.“ Ob damit parkende oder entlangfahrende Fahrzeuge gemeint sind, geht nicht aus dem Schreiben hervor.

Außerdem erklärt die Stadt: Der blockierte Abschnitt sei „kein offiziell reglementierter Fahrradweg“. Huch, doch was ist das rot angestrichene Stück Weg dann? Ist damit vielleicht nur das kleine Stück zu Beginn der roten Markierung bis zum Zebrastreifen gemeint? Immerhin beginnen hinter dem letzten Streifen des Fußgängerüberwegs dann auch die Fahrradsymbole auf dem roten Untergrund. Die städtische Presseabteilung war jedenfalls für Nachfragen dazu am Freitagnachmittag nicht mehr erreichbar.

Doch als wir uns vor Ort noch mal ein Bild von der Verkehrssituation machen wollen, folgt die nächste Überraschung: Der Blumenkübel ist verschwunden. Handelte es sich nur um eine kurzfristig angesetzte „Maßnahme“ oder hielt die Stadt den Kübel inzwischen selbst für unzureichend, um nicht-Fahrradfahrer von dem Stück Weg fernzuhalten? Wir fragen bei „Stëmm vun der Strooss“ nach, ob ihnen etwas in Sachen Blumentopf aufgefallen ist, denn vor deren Gebäude stand die Blumenverzierung noch bis vor kurzem. Wann genau oder von wem sie weggeräumt wurde, kann uns jedoch niemand sagen. Dass sie dort für mindestens zwei Tage stand, blieb einem Mitarbeitenden aber im Gedächtnis.

Rechts auf dem roten Bereich stand der Blumenkübel, bevor er wieder verschwand
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Rechts auf dem roten Bereich stand der Blumenkübel, bevor er wieder verschwand
Der rote Fahrradweg führt aus der Kanalstraße am Kreisel vorbei
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Der rote Fahrradweg führt aus der Kanalstraße am Kreisel vorbei
War es einer der Blumentöpfe von der gegenüberliegenden Straßenseite? Ein ähnlic...
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War es einer der Blumentöpfe von der gegenüberliegenden Straßenseite? Ein ähnliches Aussehen lässt sich zumindest nicht leugnen.
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Auch in der ehemaligen Kreiselausfahrt zur rue du Canal prangen zwei große Blume...
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Auch in der ehemaligen Kreiselausfahrt zur rue du Canal prangen zwei große Blumenkübel, die Autos und größere Gefährte an der Durchfahrt hindern sollen. Auf der von hier aus rechten Seite der Kanalstraße ist der neue Radweg des verkehrsberuhigten Bereichs zu sehen – allerdings nicht so auffallend rot gestrichen wie auf der gegenüberliegenden Seite.

Die rue du Canal liegt direkt an einem Kreisverkehr, an dem täglich hunderte Pendler vorbeikommen. Ein neuer Radweg, der das Stadtzentrum mit dem Velodukt nach Belval verbindet, wurde dort erst kürzlich eröffnet. Hier gilt jedoch zu unterscheiden: Der neue Radweg in der Kanalstraße ist nicht der markant rot angestrichene, sondern lediglich mit weißen Fahrbahnmarkierungen von der seit kurzem einspurigen Fahrbahn abgetrennt. Die Verkehrsberuhigung und die damit einhergehende Umwidmung der rue du Canal zur Einbahnstraße hatten bei Anwohnern und Verkehrsteilnehmern bereits in der Vergangenheit Unmut hervorgerufen. Nicht zuletzt war die Umgestaltung auch schon ein Streitpunkt im Stadtrat. (hat, mb)

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