Luxemburg-Stadt

Als „Smart Citizens“ sammeln Bonneweger Bürger selbst Verkehrsdaten

Die Leute in Bonneweg wollten wissen, wie es verkehrstechnisch in ihrem Viertel aussieht – und haben beim Projekt „Smart Citizens“ selbst Daten dazu erhoben. Die hauptstädtische Sektion von „déi gréng“ unterstützt die Iniative und stellte diese am Donnerstag vor.

Anwohnerinnen und Anwohner in Bonneweg sammeln eigenständig Daten zur Mobilität im Viertel für lokale Verkehrsverbesserungen

In Bonneweg haben Anwohner auf eigene Faust Informationen zur Mobilität in ihrem Viertel zusammengetragen Foto: Editpress/Miguel Moutinho De Sousa

Konkrete Daten zu Durchgangsverkehr, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder auch Fahrradinfrastruktur sammeln – das ist das Ziel des Projekts „Smart Citizens“ („Kluge Bürger“), das in Bonneweg mit Unterstützung von „déi gréng Stad“ umgesetzt wird. „Wir wollen messen, was auf den Straßen in Bonneweg passiert, und daraus gemeinsam Schlussfolgerungen ziehen“, erklärte Patrick van Egmond („déi gréng“) bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen.

An einer stark befahrenen Kreuzung in Bonneweg informierte die hauptstädtische Sektion von „déi gréng“ über die Bürgerinitiative. Dabei sagte Patrick van Egmond, dass man objektiv messen will, was im Viertel passiert, „um so das Leben dort dank konkreter und für alle einsehbarer Daten zu verbessern“. Dafür haben Bewohnerinnen und Bewohner aus bislang zehn Haushalten Messgeräte an den Fenstern ihres Zuhauses installiert. Diese erfassen etwa die Anzahl oder Geschwindigkeit vorbeifahrender Autos.

Kleine Straßen, großes Verkehrsaufkommen

Die erhobenen Daten sind online abrufbar. „Die Privatsphäre wird uneingeschränkt respektiert“, betonte Patrick van Egmond. Der gebürtige Niederländer lebt seit rund 14 Jahren in Bonneweg und erklärte, dass die aus Belgien stammenden Telraam-Sensoren bereits in vielen europäischen Städten im Einsatz sind. „Es werden keine Videos aufgenommen, die Daten werden auf Basis von Pixeln erhoben. Die Geräte sind weniger präzise als jene der Polizei – aber genau genug.“

Seit September werden in mehreren Straßen Daten erhoben. Diese zeigen laut „déi gréng“ einen hohen Durchgangsverkehr. „In Bonneweg gibt es viele kleine Straßen mit starkem Verkehrsaufkommen“, sagte François Benoy („déi gréng“) bei der Pressekonferenz. Als Beispiel nannte das Ratsmitglied die rue de l’Hippodrome – eine schmale Nebenstraße an der stark befahrenen route de Thionville –, die laut den Messungen täglich von 3.080 bis 3.500 Fahrzeugen genutzt wird.

Die Werte zeigen zudem häufige Geschwindigkeitsüberschreitungen, was laut den Grünen auf ein „Versagen der aktuellen Gestaltung von Tempo-30-Zonen und Fahrradstraßen in Bonneweg“ hindeute. Bei der Pressekonferenz stellten die verschiedenen Parteimitglieder fest, dass in breiteren Straßen oft bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung fehlen – wie Fahrbahnverengungen oder Schikanen.

Kritik an DP und CSV

Angesichts der erwarteten Zunahme des Verkehrs in der Hauptstadt – wie sie auch im kommunalen Mobilitätsplan prognostiziert wird – befürchten „déi gréng“, dass die Stadt Luxemburg den künftigen Herausforderungen nicht gewachsen sei. „Es kann nicht in diesem Schneckentempo weitergehen“, kritisierte François Benoy mit Blick auf die Verkehrspolitik des blau-schwarzen Schöffenrats. Die Oppositionspartei fordert daher die konsequente Umsetzung des Mobilitätsplans sowie Verkehrsberuhigung und sichere Fahrradwege in Bonneweg.

Ratsmitglied François Benoy von déi gréng spricht über die dringende Beschleunigung der Mobilitätspolitik.

Ratsmitglied François Benoy („déi gréng“) findet, es könne in puncto Mobilitätspolitik nicht im Schneckentempo weitergehen Foto: Editpress/Miguel Moutinho De Sousa

Das Projekt „Smart Citizens“ könnte laut François Benoy auf weitere Stadtteile ausgeweitet werden. Dabei könnten auch andere Bereiche – wie zum Beispiel Lärmmessungen – im Mittelpunkt stehen. Die Ergebnisse werden übrigens am 14. April bei einer Konferenz im Bonneweger Kulturzentrum in der rue des Ardennes vorgestellt. Beginn ist um 20 Uhr. Weitere Informationen zu der Bürgerinitiative und einen Einblick in die Daten gibt es unter smartcitizens.lu.

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