„Les Fossoyeurs“
Altenheimbetreiber „Orpéa“ in Frankreich in der Kritik – Konzern will Einrichtung in Luxemburg eröffnen
Der französische Altenheimbetreiber Orpéa steht nach Enthüllungen des französischen Journalisten Victor Castanet in der Kritik. Brisant: Das Unternehmen will im März mit einer Einrichtung in Luxemburg Fuß fassen.
Der Altenheimbetreiber Orpéa steht stark in der Kritik – und will im März auch in Luxemburg Fuß fassen Symboilbild: AFP
Der französische Altenheimbetreiber Orpéa wird im März dieses Jahres ein Altersheim in Luxemburg eröffnen. Aber: Der Weltkonzern steht nach Enthüllungen des französischen Journalisten Victor Castanet stark in der Kritik. Castenet veröffentlichte seine Recherchen am vergangenen Mittwoch in einem Buch mit dem Titel „Les Fossoyeurs“ (auf Deutsch: „Die Totengräber“). In dem Werk beschuldigt Castanet das Unternehmen, medizinische Betreuung, Hygieneprodukte und Essen der Altenheimbewohner zu rationieren, um mehr Profit zu generieren.
Luxemburgs Familienministerin Corinne Cahen (DP) hat laut einem Bericht von RTL den Abgeordneten des Luxemburger Parlaments am Montagmorgen in einer Ausschusssitzung versichert, dass Orpéa nur dann eine Genehmigung erhalte, wenn sich der Konzern an die geltenden Auflagen in Luxemburg halte.
Angesichts der Schwere der Vorwürfe muss sich der Leiter von Orpéa nun in Frankreich vor der Regierung erklären. Die für Senioren zuständige beigeordnete Ministerin Brigitte Bourguignon möchte dabei unter anderem Auskunft über die Verteilung von Hygieneprodukten und Nahrung bekommen, wie es laut in einem Schreiben der französischen Regierung vom Donnerstag hieß. Auch zum Personalschlüssel, zu internen Meldestrukturen für Fehlverhalten und zur finanziellen Aufstellung der Gruppe verlangte Bourguignon Aufklärung.
Orpéa ist laut Eigenangaben mit 951 Pflege- und Gesundheitseinrichtungen (Stand Februar 2020) in Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Luxemburg, Spanien, der Schweiz, China, Polen, Portugal, Tschechien, Uruguay, Chile, Brasilien und Österreich ein „international führendes Unternehmen“. Die Konzernführung reagierte auf die Enthüllungen mit einer Pressemitteilung und wies die Anschuldigungen als unverschämte Lügen zurück. Das Wohlergehen der Bewohner stehe seit Beginn der Arbeit des Konzerns im Herz der Tätigkeiten, hieß es in der Mitteilung. Das Unternehmen betreibt weltweit mehr als 1.150 Einrichtungen.
Sollten sich die Behauptungen in Victor Castanets Buch bewahrheiten, schrieb Bourguignon, könne die französische Regierung dies nicht tolerieren. Sie behalte sich vor, nach dem Gespräch mit dem Orpéa-Chef Untersuchungen einleiten zu lassen. Regierungssprecher Gabriel Attal hatte zuvor gedroht, sollten die Anschuldigungen zutreffen, müssten die Handlungen aufs Härteste bestraft werden. Mittlerweile ist der Generaldirektor von Orpéa, Yves Le Masne, von seinem Posten zurückgetreten.