Kultur-News

Über Luxemburgs Chancen auf den Oscar, den Architekturpavillon in Venedig und den besten Film des Jahres

Was bewegte die Kulturszene diese Woche? Und welche Veranstaltungen sollte sich das Publikum nicht entgehen lassen? Das Tageblatt fasst die wichtigsten Fakten zusammen und stellt ausgewählte Events vor.

Luxemburger Kulturszene mit Künstlern, Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen in der Stadt

Was die Luxemburger Kulturszene bewegt Foto: Pexels

FILM Luxemburger Koproduktion für Oscars 2026 nominiert

Die Erfolgsserie reißt nicht ab: Die Luxemburger Koproduktion „Un simple accident“ des iranischen Regisseurs Jafar Panahi ist zweimal für die Oscars 2026 nominiert. Offiziell tritt „Un simple accident“ als französischer Beitrag an. Bei den 78. Filmfestspielen in Cannes erhielt er bereits die Goldene Palme, bei den Golden Globes wurde er in vier Kategorien nominiert („Best Motion Picture – Drama“, „Best Motion Picture – Non-English Language“, „Best Screenplay – Motion Picture“ und „Best Director – Motion Picture“). Nun ist das Werk für die renommierteste Filmauszeichnung der Welt als „Best International Feature Film“ im Rennen. Die Konkurrenten kommen aus Brasilien („The Secret Agent“), Norwegen („Sentimental Value“), Spanien („Sirāt“) und Tunesien („The Voice of Hind Rajab“). In der Kategorie „Best Original Screenplay“ könnte die Produktion ebenfalls ausgezeichnet werden.

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Preise – und mehr – erhielt „Un simple accident“ bisher

Auch die aus Luxemburg stammende Schauspielerin Vicky Krieps ist Teil einer nominierten Produktion – allerdings nicht vor der Kamera, sondern mit ihrer Stimme: Sie übernimmt in „Two People Exchanging Saliva“ die Rolle der Erzählerin. Der 36-minütige Film von Alexandre Singh und Natalie Musteata spielt in einer dystopischen Version von Paris. Küssen ist verboten, Einkäufe erledigt man durch kleine Gewalttaten. Der Kurzfilm wurde für einen Oscar in der Kategorie „Live Action Short Film“ nominiert. (les, dr)


ARCHITEKTUR Wer 2027 den Luxemburger Pavillon in Venedig kuratiert

Das Projekt „Größenwahn/Thừa đù“ der Kunstschaffenden Céline Zimmer, Paul-Antoine Lucas und Bùi Quý Sơn wurde für den Luxemburger Pavillon auf der 20. Architekturbiennale in Venedig 2027 (8. Mai bis 27. November) ausgewählt. „Sowohl das Team – seine solide Erfahrung und sein gemeinschaftlicher Ansatz – als auch die Bedeutung des Themas und die Folgerichtigkeit bei der Entwicklung der eingereichten Bewerbung überzeugten die Jury“, steht in der Pressemitteilung von Kultur | lx. Der Arts Council und das Luxembourg Center for Architecture (LUCA) sind, neben den besagten Kurator*innen, für den Pavillon zuständig. Die Kunstschaffenden selbst beschreiben ihr Projekt wie folgt: „Der (...) Vorschlag für den luxemburgischen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig 2027 befasst sich mit der Frage des übermäßigen Gebrauchs und der ungerechten Verteilung von Wohnraum, welche ein Symptom für einen exzessiven Lebensstil ist, der zur Wohnungs- und Umweltkrise beiträgt und gleichzeitig soziale Ungleichheiten aufrechterhält.“

Was wäre, wenn wir unsere räumlichen Ressourcen mit anderen teilten, um einen Raum für Dialog zu schaffen und von unterschiedlichen Blickwinkeln und Wertesystemen zu lernen?

Céline Zimmer, Paul-Antoine Lucas und Bùi Quý Sơn

Gruppe von Kunstschaffenden, die 2027 den Luxemburger Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig kuratiert

Dafür entstehe ein „bewusst unharmonischer“ Dialog zwischen Luxemburg und Vietnam, der den „kritischen Blick auf die luxemburgischen Traditionen im Wohnugnswesen sowie auf die Motive hinter Möglichkeiten des Teilens“ erlaube. Das Projekt sei ein „Aufruf zu Bescheidenheit und Genügsamkeit“. Die Jury bestand aus Valentin Bansac, Mike Fritsch und Alice Loumeau (Kurator*innen des Luxemburger Pavillon 2025) sowie aus Maribel Casas (Direktorin des LUCA), Aslı Çiçek (u.a. Architektin), Sophie Dars (u.a. Mitbegründerin der Zeitschrift Accattone), Michelle Friederici (Präsidentin des OAI), Claudine Hemmer (Beraterin für bildende Kunst und Architektur im Kulturministerium), Pamela Medina Lopez (Beauftragte für Biennalen, Festivals und Messen) und Eléonore Mialonier, (Beauftragte für Architektur, Design und Kunsthandwerk) – beide von Kultur | lx. (ispi)


KULTUR Neue Ausgabe des FerroForum-Magazins

Das FerroForum betreibt nicht nur das Atelier auf Metzeschmelz, die Vereinigung publiziert auch das FerroForum-Magazin (Fe) im Sinne der Sichtbarkeit und Aufwertung ihrer Aktivitäten sowie der Partner. In der neuen Ausgabe hebt Misch Feinen in seinem Editorial hervor, dass FerroForum vor sieben Jahren im Interesse der Aufrechterhaltung des Kunsthandwerks mit Stahl gegründet wurde. Wichtig war dabei, das Interesse von Institutionen und Entscheidungsträgern an der Erhaltung des „Atelier central“ zu gewinnen: eine Infrastruktur, die es zu bewahren und beleben gilt. Trotz Erfolgen in diesem Kampf bleibt dies eine Herausforderung, da FerroForum ein kulturelles und handwerkliches Zentrum werden soll. Rund 40 Mitglieder sind derzeit ehrenamtlich aktiv.

FerroForum Mitarbeiter beim Austausch, Magazin und Arbeiterkultur im Fokus des Forums

Das FerroForum pflegt nicht nur die Arbeiterkultur, sondern bringt auch ein Magazin heraus Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Die vierte Ausgabe des Magazins wird mit Fotografien von Jean-Pierre Conrardy sowie einer historischen Panorama-Sicht auf eine Hütteneinrichtung aus der MNAHA-Sammlung illustriert. Sie beinhaltet Artikel von Patrizia Arendt über „St. Eloi“, Luciano Pagliarini („Our Man in New York“) oder Jacques Maas zum Thema „Investigation intégrale du document“. Es gibt zudem Rückblicke auf das Hüttenwerk in Düdelingen und auf die Aktivitäten der Vereinigung sowie der Darstellung ihres Know-hows, eine Besprechung der Fotos von Conrardy von Jean Back sowie lyrische Verse der ganz eigenen Art – „Esch Frontière“ – von Guy Van Hulle zu entdecken. Hinzu kommt eine Abhandlung über das „Département du patrimoine historique et industriel d’Esch-sur-Alzette“ von Yves Zwally und Yannick Kieffer.

Auch wird die „Oarbechterkiermes“ am 16. Mai 2026 angekündigt – eine Veranstaltung, die es nicht zu verpassen gilt, zollt diese doch vor allem den Menschen, die mit dem Stahl gearbeitet haben und dieser Industrie treu geblieben sind, Anerkennung. Das „Fe-Magazin Nr. 4“ kann man für 10 Euro im Zeitungskiosk erwerben oder Mitglied werden und es über FerroForum (moien@ferroforum.lu) beziehen. (fweides)


FÖRDERUNG Kulturministerium und Focuna vergeben Gelder

Das Kulturministerium schreibt zum zweiten Mal Fördergelder für Luxemburger Kulturzeitschriften aus. Die „aide aux maisons d’édition de revues culturelles“ richtet sich an entsprechende Verleger*innen und erstreckt sich über drei Jahre. Parallel dazu ruft auch Focuna zur Bewerbung auf: Der Kulturfonds vergibt 2026 mehrere Stipendien. Darunter die „Bourse Bert Theis“ für visuelle Kunst oder auch die „Bourse Edmond Dune“ für Theaterschaffende. Informationen zu den Ausschreibungen gibt es unter mcult.gouvernement.lu und focuna.lu. (ispi)


KINO Film des Jahres gekürt

Die „Association luxembourgeoise de la presse cinématographique“ hat entschieden: Der beste Film 2025 war „Weapons“ von Zach Cregger. „Pour la première fois, un film d’horreur a reçu cet honneur“, schreibt der Präsident der Vereinigung Mike Winter in einer Pressemitteilung. Der Streifen handelt von Schulkindern, die spurlos verschwiden. „La façon dont est racontée cette histoire (...) est absolument originale“, so die Begründung der ALPC. „Surtout la fin surprend et fait de ce film non seulement le meilleur film de 2025 mais aussi le meilleur film d’horreur digne du nom depuis un long moment.“ (ispi)

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