Filmfestival Max-Ophüls-Preis

Ein Plädoyer für Empathie

Beim wichtigsten Festival des deutschsprachigen Nachwuchsfilms setzen die Filmemacher der Kälte der Gegenwart radikale Menschlichkeit entgegen. Und auch ein Luxemburger wird ausgezeichnet – für das Porträt eines ganz besonderen Menschen.

18 Gewinner mit Preisen beim 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 in Saarbrücken auf Bühne stehend

Insgesamt 18 Preise wurden beim 47. Filmfestival Max-Ophüls-Preis 2026 in Saarbrücken verliehen Foto: Oliver Dietze

Filme gegen die Unmenschlichkeit

Es ist immer ein magischer Moment, wenn Filme miteinander in Dialog treten. Wenn zwei Werke, die eigentlich nichts verbindet, plötzlich beginnen, miteinander zu sprechen – und eine neue Wahrnehmungsebene offenbaren. Zugegeben, auf einem Filmfestival liegt die Wahrscheinlichkeit solcher magischen Kinomomente ein bisschen höher als im Alltag, bei einem Programm von drei bis fünf Filmen pro Tag. Der magische Moment gleich am zweiten Tag des 47. Filmfestivals Max-Ophüls-Preis war eine Drohung: „Entweder Sie gehen jetzt, oder ich rufe die Polizei!“. Mit diesen Worten will eine Eisdielenbesitzerin eine junge geflüchtete Frau vertreiben, die sich mit ihrer gerade zum Mitnehmen gekauften Eiswaffel auf einen zum Hieressen gedachten Eisbecher-Sitzplatz gesetzt hat.

„Wovon sollen wir träumen“ vom Regie-Duo Milena Aboyan und Constantin Hatz, das am Ende sowohl den Preis der ökumenischen Jury als auch den Publikumspreis im Wettbewerb Spielfilm erhalten sollte, erzählt die Geschichte von drei Frauen, die Polizistin Julia, die geflüchtete Kurdin Evîn und die Freigängerin Laura, deren Wege sich zu Beginn kurz kreuzen und die dann jede für sich ihren persönlichen Freiheitskampf bestreiten müssen. Die Drohung mit der Polizei ist nur eine kurze Episode darin, aber sie findet in diesen Tagen Widerhall weit jenseits des Films.

Ringerin Evîn kämpft entschlossen um Leben und Freiheit in „Wovon sollen wir träumen“ Film Szene

Kämpft um ihr Leben und ihre Freiheit: Ringerin Evîn in „Wovon sollen wir träumen“ Foto: Rafael Starman

Fehlende Empathie, eine entmenschlichende Bürokratie, wachsende soziale Kälte, das sind die großen Themen, die sich durch die diesjährige Ausgabe des Ophüls-Festivals ziehen. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger zitiert bei der Eröffnung des Festivals Tech-Milliardär Elon Musk, der denke, Empathie sei „die größte Schwäche des Westens“. Dieser unmenschlichen Idee stellt Rehlinger ein Zitat von Hannah Arendt entgegen: „Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühsten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in die Barbarei verfällt.“ Die Wettbewerbe des Ophüls-Festivals wehren dieser Anfänge in diesem Jahr eindrucksvoll.

Geflüchteter Akim kämpft mit deutschen Bürokratie-Regeln und Verboten, Symbol für bürokratische Hürden und Integration

Versteht nur „Verboten“ und „Regeln“: der geflüchtete Akim in den Mühlen der deutschen Bürokratie Foto: Jonas Thibaut

Eine „Ich rufe die Polizei“-Drohung gibt es auch in „Mein Name Akim“, dem Gewinner des Publikumspreises im Wettbewerb Mittellanger Film. Regisseur Alexandr Kim hat darin seine eigene Erfahrung mit Deutschland und seiner entmenschlichenden Bürokratie verarbeitet. „Verboten“ sei das erste Wort, das er in der deutschen Sprache gelernt hat, verrät der Filmemacher in einer Fragestunde. Für „Mein Name Akim“ gelingt Kim ein kleiner Geniestreich: Alle deutschen Figuren, denen Akim, verzweifelt auf der Suche nach einem Deutschkurs auf Russisch, in der Flüchtlingsunterkunft begegnet, sprechen eine Fantasiesprache, die wie Deutsch klingt, aber in der nur einzelne Worte wirklich Deutsch sind: „Verboten“, „Regeln“, „Polizei“. Eine radikale Subjektive, die den Zuschauern die Isolation des Protagonisten erlebbar macht. Je länger der Film fortschreitet, desto mehr verstehen Akim und seine Zuschauer.

„Am Ende siegt die Menschlichkeit“, sagt Programmkuratorin Teresa Winkler bei der Preisverleihung. Es ist ein frommer Wunsch, ein Traum, angesichts der Kälte und Gewalt dieser Tage, von Minneapolis bis Teheran. Aber ein Traum, der sich schon heute im Film manifestiert. Das ist alles, was das Kino tun kann. Und das ist sehr viel.


Das Private bleibt politisch

Wie schon in den vergangenen Jahren in Kunst und Kultur zu beobachten, setzt sich auch bei der 47. Festivalausgabe des Ophüls-Preises der Trend zu autobiografischen Erzählungen fort – und das über alle Sparten hinweg: im Spielfilm, im mittellangen und kurzen Format, aber vor allem auch in den Dokumentationen.

Man ist ganz nah dran an ganz persönlichen Schicksalen. Sei es eine Gewalterfahrung in „Despite the Scars“, die Aufarbeitung der Lebensgeschichte einer Mutter in „Lisa“, die Psychose eines Vaters in „Eine Krankheit wie ein Gedicht“ (Gewinner Publikumspreis) oder die Fluchtgeschichte einer Familie in „Die noch unbekannten Tage“ (Gewinner bester Dokumentarfilm). Familiengeschichten zwischen Erinnern und Vergessen, das sind zentrale Themen, die nur auf den ersten Blick privat erscheinen. Hinter ihnen stecken jedoch die Zerwürfnisse der Welt, im politischen wie im gesellschaftlichen Sinne – und das große unabgeschlossene und unaufgelöste Jahrhundertthema der mentalen Gesundheit in der zerrütteten Welt der Gegenwart.

Thea tanzt ausdrucksstark in „Despite the Scars“, einer Performance zur Selbstakzeptanz und Körpergeschichte.

Eine Tanzperformance, um sich den eigenen Körper, die eigene Geschichte wiederanzueignen: Thea in „Despite the Scars – Auch wenn Narben bleiben“ Foto: Helios Sustainable Films

Gewalt gegen Frauen ist ein weiteres dieser dringlichen Themen, das allzu gern ins Private gedrängt wird, aber zutiefst politisch ist. Ein weit verbreitetes gesellschaftliches Problem, dass sich auch im Programm des diesjährigen Ophüls-Festivals niederschlägt, in mehreren Sparten und Filmen. Da ist die eindrückliche Doku „Despite the Scars – Auch wenn Narben bleiben“, die im Wettbewerb leider leer ausging und die von der jungen Tänzerin Thea erzählt, die eine traumatisierende Gruppenvergewaltigung überlebt hat. Filmemacher Felix Rier begleitet sie dabei, wie sie ganz langsam die Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnt.

Auch im bereits erwähnten „Wovon sollen wir träumen“ erlebt eine der drei Protagonistinnen Gewalt in ihrer Partnerschaft und in „Run Me Wild“, der ebenfalls im Wettbewerb Spielfilm lief, wird eine Gewalterfahrung zum Handlungsmotor der Protagonistin. Fiktive und dokumentarische Formate mit unterschiedlichen Ansätzen, die sich nicht vor der Realität scheuen, die jedoch alle in ihren Geschichten ein Anliegen teilen: die Befreiung aus der Fremdbestimmung.


Die „andere“ Perspektive

Silvesternacht in Gropiusstadt mit spektakulärem Feuerwerk über urbaner Skyline – Supernova-Moment des Lebensbeginns

Eine Silvesternacht als Scharnier eines Lebens: „Gropiusstadt Supernova“ Foto: Konrad Waldmann

Fremdbestimmung, oder besser: Fremdzuschreibung, ist etwas, das viele Menschen mit Migrationsgeschichte in Europa schon lange erleben, wenn sie von der Mehrheitsgesellschaft zum sogenannten „Anderen“ abgestempelt werden. Dass dieses vermeintlich „Andere“ längst zum pulsierenden, kreativen Herz des deutschen Nachwuchsfilms geworden ist, hat die 47. Festivalausgabe in diesem Jahr noch einmal eindrücklich gezeigt.

„Noah“ beginnt mit der spektakulärsten Einstellung, die das Programm in diesem Jahr zu bieten hat. Eine Welt steht Kopf, nach der schlimmsten aller Nachrichten. Ein Sohn ist tot, erschossen von einem Polizisten. Was daraus folgt, ist eine Reise durch die Nacht aus mehreren Perspektiven. Zwar agieren die Protagonisten an manchen Stellen weniger als echte Menschen, sondern eher als Platzhalter für rassistische oder antirassistische Ideen, an der Dringlichkeit von „Noah“ ändert das jedoch nichts. In einem furiosen, im wahrsten Wortsinn: biblischen Finale findet dieser eindrucksvolle Debütfilm zu einem ergreifenden Höhepunkt. Regisseur und Drehbuchautor Ali Tamim gewinnt am Ende verdient den Preis für das beste Buch und den gesellschaftlich relevanten Film.

Ein weiterer verdienter Gewinner ist „Gropiusstadt Supernova“ von Ben Voit, am Samstagabend mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Einen besseren Film gab es in diesem Jahrgang nicht. Es ist Silvester in der Berliner Gropiusstadt, die Raketen knallen zwischen den Betonwänden der Plattenbauten, die Kamera ist ganz dicht dran am Gesicht von Protagonist Tarik. In Abwärtsspiralen verliert er sich in diesem Tag und in dieser Nacht. Ein Thriller, einerseits, es gibt einen Bankraub, auch ein Familiendrama – und irgendwo für zehn wundervolle Minuten: eine der am schönsten inszenierten Liebesgeschichten, die das deutsche Kino seit Jahren gesehen hat.

Ganz antiklimaktisch erzählt „Harika“, für den Beran Ergün den Preis als bester mittellanger Film gewinnt. Eine Erinnerung daran, dass Filme von und über Menschen mit Migrationshintergrund nicht immer nur von Kriminalität, Verbrechen und sozialer Not handeln müssen. Noch hervorzuheben: Die beiden Kurzfilme „The Girl is Taken by Aliens“ von Mu Wang und „Mary“ von Nevin George, die beide auf unterschiedliche Weise mit dem eigenen kulturellen Erbe der Filmemacher spielen. Zum einen ein chinesisches Geisterfest im vorstädtischen Ludwigsburg, das in einem Rock-off mit einer K-Pop-Peking-Oper-Alien-Band endet und ein Himmel-voller-Geigen-Melodrama über eine indische Krankenschwester in der Schweiz der Siebziger. Das deutsche Kino der Gegenwart wäre so viel ärmer ohne diese Beiträge.


Ein Poet des Alltags – und der Vergänglichkeit

Mann in ländlicher Landschaft aus Bäumen, Hügeln und Mauern in Fränz Hausemers „Terre Rouge – Topographie du Poète“

In einer Landschaft aus Bäumen, Hügeln, Mauern und Rost wohnt ein Mann der Worte: Gaston Rollinger in Fränz Hausemers „Terre Rouge – Topographie du Poète“. Foto: Jucam/CNA

Als Fränz Hausemer am Samstagabend auf die Bühne im Saarbrücker E-Werk gerufen wird, um den Preis der Filmkritik für seinen Dokumentarfilm „Terre Rouge – Topographie du Poète“ entgegenzunehmen, ist der Luxemburger Filmemacher ehrlich überrascht. „Ich hätte geglaubt, dass Poesie im Alltag eher etwas ist, was gerade nicht so richtig reinpasst in unsere aktuelle Zeit“, sagt Hausemer vor dem Rednerpult. Und doch hat dieser Künstlerfilm, der ganz sanft die Grenzen des klassischen Dokuformats auflöst, nicht nur die Filmkritiker-Jury überzeugt. Auch das Publikum zeigte sich in den Filmgesprächen nach den Vorführungen angetan von Gaston Rollingers Lebensgeschichte und Fränz Hausemers kunstvoller Umsetzung. Originalaufnahmen des Filmemachers Rollinger stehen neben denen von Hausemer. Gespräche mit dem gealterten Künstler werden ergänzt durch dessen Texte, gesungen von Regisseur Hausemer. „Terre Rouge“ ist eine sinnliche Erfahrung, der erste luxemburgische Film seit längerer Zeit beim Filmfestival Max Ophüls Preis – und zu Recht preisgekrönt.

Ein paar Tage vor der Auszeichnung hat das Tageblatt den Regisseur während der vollgepackten Festivalwoche auf ein Gespräch beim Frühstück getroffen.

Tageblatt: Herr Hausemer, woher kannten Sie Gaston Rollinger?

Fränz Hausemer: Ich war auf seiner Schule, hatte ihn aber nicht als Lehrer. Man kannte ihn. Er war eine beeindruckende Gestalt. Wie er den Flur herunterkam mit seinem grünen Anorak und seiner Tasche, immer ein bisschen strenger Blick. Er war damals auch noch richtig muskulös. In meinem Elternhaus war er öfter zu Besuch, weil er mit meinem Vater zusammen gearbeitet hat. Zu Hause bei uns, wenn wir über Gaston geredet haben, war es meistens über die Gedichte. Meine Eltern waren einige der wenigen Auserwählten, die eine Kopie dieser Gedichte hatten. Ich glaube, es waren auch meine Eltern, die ihn dazu bewegt haben, diese Gedichte abzutippen, als er einen Computer hatte. Meine Mutter war Deutschlehrerin und Escherin und begeistert von diesen Texten und der Sprache. Gaston ist also immer rumgeschwebt. Auch im Fernsehen. Ich persönlich war aber immer mehr Fan von seinen Gedichten als von seinen Filmen. Das war auch der Ausgangspunkt für den Film. Ich wusste: Es muss über die Gedichte laufen. Von da aus wird dann ziemlich viel möglich werden.

Sie zeigen diese Woche „Terre Rouge“ zum ersten Mal außerhalb Luxemburgs. Einen Film, der durch die Person Gaston Rollinger und seinen Wohnort sehr klar verortet ist.

Die meisten Filme sind sehr lokal. Ein Dokumentarfilm sollte einen mitnehmen können. Es ist egal, ob das in einem Stadtviertel von Esch ist. Gaston könnte auch in einem finnischen Dorf sitzen. Ich finde die Offenheit des Publikums hier toll, gegenüber Gaston, aber auch gegenüber der Sprache. Von Luxemburg aus gesehen ist das ein bisschen anders. Ich finde es schade, dass man hier immer noch denkt: Wenn der Film in Luxemburg spielt oder wenn Luxemburgisch gesprochen wird, dann kann es nicht so interessant sein für andere. Aber das stimmt nicht. Es ist eine Bestätigung, mit dem Film hier nach Saarbrücken zu kommen. Da gibt es keine Barrieren.

Ihr Film ist einerseits ein sehr persönliches Künstlerporträt, aber gleichzeitig auch eine universelle Geschichte über Kunst, Kultur und die Vergänglichkeit alles menschlichen Schaffens.

Das war meine Hoffnung. Jeder meiner Filme sollte eine universelle Komponente haben. Ich wäre nicht daran interessiert gewesen, eine lokalhistorische Geschichte zu erzählen.

Die verschwindende Industrie spielt eine wichtige Rolle in Gastons Lebens, in Ihrem Film, im Süden Luxemburgs, aber auch im Saarland. Sieht man Ihren Film mit anderen Augen, wenn man dieses industrielle Erbe in sich trägt?

Möglicherweise. Kann ich mir durchaus vorstellen. Deshalb ist es so interessant, den Film auch über die Landesgrenzen hinaus zu zeigen. Aber ich glaube, ob es jetzt die Industrielandschaften sind oder etwas anderes, ist am Ende nicht ausschlaggebend. Ich hatte den Eindruck beim Machen dieses Films, dass es ein Film wird über Veränderung im Allgemeinen wird. Das Altern, die Transformation des Körpers. Das sieht man bei Gaston. Aber auch alles, was sich um ihn herum abspielt. Es sind Landmarken, die verschwinden. Da sitzen wir auch alle in einem Boot. In der westlichen Welt gibt es diese Transformation ganz extrem. Man muss nicht mal ein älterer Mensch sein, um darauf zurückzublicken und eventuell desorientiert zu sein oder einen Verlust von Identität und Zugehörigkeit zu verspüren.

Gaston beobachtet sein Leben lang diese Veränderung, beschreibt sie – aber er akzeptiert sie auch. So reagieren nicht alle Menschen auf Wandel.

Gaston hat sich die Neugierde bewahrt. Er hat sich immer gefragt: Wie kann ich kreativ damit umgehen? Ich denke, das war für ihn auch Therapie. Das macht ihn anders. Ansonsten wäre er nur ein Kauz, der in seinem Elternhaus sitzt. Wenn Gaston jetzt irgendwann in Vergessenheit geraten würde, wär das auch nicht schlimm. Dann ist es wie die „Minettsbréck“, dann ist das eben so. Ich weiß nicht, ob er dieser große Künstler war, über den man in 50 Jahren noch reden muss. Aber er war ein Mensch. Und er hatte eine Geschichte.

Überraschtes Gewinnerlächeln von Fränz Hausemer bei der Preisverleihung der Filmkritik

Überraschter, aber glücklicher Gewinner: Fränz Hausemer nimmt den Preis der Filmkritik entgegen Foto: Oliver Dietze


Alle reden von Krieg, aber wer will hin?

Eine Beobachtung zum Schluss, besonders im Vergleich zum Vorjahr: Krieg als Thema ist noch immer allgegenwärtig, wird in den Filmen dieses Jahres jedoch kaum konkret. Das ist besonders interessant, weil so viele politische Reden während der Festivaltage vergleichsweise martialisch ausfielen: Sowohl die saarländische Kulturministerin Christine Streichert-Clivot als auch der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt betonten, wie wichtig es gerade jetzt sei, die Freiheit, die Künste und die Demokratie zu verteidigen.

In den Festivalbeiträgen scheint der Krieg jedoch eher an den Rand der Wahrnehmung gerutscht zu sein. Anders als im vergangenen Jahr gibt es keine Werke, die sich mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und seinen Folgen beschäftigen. Iran, Israel, Gaza tauchen wenn überhaupt nur peripher auf. Vor dem E-Werk gibt es am Abend der Preisverleihung eine Mahnwache für Rojava – und damit findet der Krieg doch wieder Einzug ins Herz des Festivals. Realität und Filmfiktion verschwimmen in der Figur der Evîn in „Wovon sollen wir träumen“, die ihr sicheres Asyl in Deutschland verlässt, um für ein freies Kurdistan zu kämpfen. Hier wird das In-den-Krieg-Ziehen zur Emanzipation.

Warum der junge Wiener A. sich dem österreichischen Bundesheer anschließt, wird im fulminanten (und leider nicht ausgezeichneten) Kurzfilm „A. will raus (über Neutralität)“ nie so wirklich klar. Deutlich wird aber, dass jede andere Person im Leben von A. eine Meinung zu ihm, seiner Idee und seiner ganzen Generation hat.

Junger Mann mit kurz geschnittenem Haar bereitet sich auf den Bundesheer-Dienst vor, umgeben von Meinungen.

Ein Haarschnitt als Vorbereitung: A. will zum Bundesheer – und jeder hat eine Meinung dazu Foto: Lidija Kumpas


Alle Preisträger der 47. Festivalausgabe

  • Bester Spielfilm: „Gropiusstadt Supernova“ von Ben Voit
  • Beste Regie: Magdalena Chmielewska für „Teresas Körper“
  • Bestes Drehbuch: Ali Tamim für „Noah“
  • Publikumspreis Spielfilm: „Wovon sollen wir träumen“ von Milena Aboyan und Constantin Hatz
  • Preis für den gesellschaftlich relevanten Film: Ali Tamim für „Noah“
  • Preis der Jugendjury: „Wolves“ von Jonas Ulrich
  • Preis der ökumenischen Jury: „Wovon sollen wir träumen“ von Milena Aboyan und Constantin Hatz
  • Preis der Filmkritik – Bester Spielfilm: „Wolves“ von Jonas Ulrich
  • Bester Dokumentarfilm: „Die noch unbekannten Tage“ von Jola Wieczorek
  • Preis der Filmkritik – Bester Dokumentarfilm: „Terre Rouge – Topographie du Poète“ von Fränz Hausemer
  • Publikumspreis Dokumentarfilm: „Eine Krankheit wie ein Gedicht“ von Jelena Ilić
  • Bester Mittellanger Film: „Harika“ von Beran Ergün
  • Publikumspreis Mittellanger Film: „Mein Name Akim“ von Alexandr Kim
  • Bester Kurzfilm: „Die gemeinen Kleinigkeiten“ von Florian Moses Bayer
  • Publikumspreis Kurzfilm: „Die gemeinen Kleinigkeiten“ von Florian Moses Bayer
  • Bester Schauspielnachwuchs: Tommes Diallo in „Champions und Wir“ und Emilia Warenski in „Bleistiftstriche“
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