Analyse
Warum die EU in der Belarus-Krise einen langen Atem benötigt
Was Lukaschenkos Flugzeug-Entführung die europäische Politik über autoritäre Herrscher in ihrer östlichen Nachbarschaft lehrt.
Solidaritätskundgebung in Warschau: Lukaschenko hat schon länger jedes Augenmaß verloren Foto: AFP/Wojtek Radwanski
An die Bilder aus Belarus vom vergangenen Sommer erinnert man sich noch gut: Abertausende Menschen versammelten sich auf Plätzen, um der Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja zuzuhören, die umringt von ihren beiden Mitstreiterinnen auf der Bühne stand. Es waren Tage voller Hoffnung: Hoffnung auf einen friedlichen Wandel in dem osteuropäischen Land nach mehr als zwei Jahrzehnten bleierner Lukaschenko-Ära. Doch dann folgte der von schweren Wahlfälschungen begleitete Urnengang, dessen Sieg Alexander Lukaschenko selbstherrlich beanspruchte. Demos und kreative Proteste breiter Bevölkerungsschichten wollten wochenlang nicht abklingen. Doch das Regime war stärker: Die Bewegung wurde niedergeschlagen, viele Aktive landeten im Gefängnis oder waren zur Emigration gezwungen.