Deutschland

Vorwurf der Falschaussage zu Maut: Ex-Verkehrsminister Scheuer soll vor Gericht

Seine Aussage im Kontext mit dem Maut-Debakel hat ein juristisches Nachspiel für den ehemaligen deutschen Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Andreas Scheuer, ehemaliger Verkehrsminister, erscheint als Zeuge im Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestags

Andreas Scheuer, damals deutscher Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, kommt als Zeuge zum Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestags Foto: Michael Kappeler/dpa

Im Zusammenhang mit der gescheiterten Autobahnmaut muss sich der ehemalige deutsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wegen einer mutmaßlichen Falschaussage vor Gericht verantworten. Das Landgericht Berlin ließ die Anklage gegen den früheren Politiker und heutigen Unternehmer zu, wie es am Freitag mitteilte. Ein Termin für die Gerichtsverhandlung steht noch nicht fest.

Die Staatsanwaltschaft wirft Scheuer eine Falschaussage vor dem Pkw-Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestags vor. Ob der Vorwurf zutrifft, will das Gericht nun herausfinden – es verwies darauf, dass für Scheuer die Unschuldsvermutung gilt.

Pkw-Maut-Desaster

Der Name des früheren Ministers ist eng mit dem Desaster bei der Pkw-Maut verbunden. Bei der in Rede stehenden Aussage vor dem Ausschuss geht es um die Frage, ob Verträge mit Maut-Firmen unterzeichnet worden waren, obwohl die Gefahr bestand, dass das Projekt vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestoppt wird.

Scheuer und der mitangeklagte frühere Staatssekretär Gerhard Schulz sollen der Anklage zufolge gesagt haben, dass sie sich nicht an ein Angebot der Betreiber erinnern könnten, die Verträge erst nach der EuGH-Entscheidung zu unterzeichnen. Laut Anklage soll es sich dabei um bewusste Falschaussagen handeln. Beide bestritten diesen Vorwurf. Auch die Anklage gegen Schulz wurde vom Landgericht nun zugelassen. Falschaussagen vor Untersuchungsausschüssen von Gesetzgebungsorganen von Bund und Ländern sind strafbar.

„Ausländermaut“

Die von der CSU im Wahlkampf als „Ausländermaut“ propagierte Gebühr war 2019 vor dem EuGH in Luxemburg gescheitert. Dieser entschied, dass ausländische Autofahrer diskriminiert würden. Denn deutsche Autofahrer sollten als Ausgleich für die Maut weniger Kfz-Steuer zahlen. Scheuer kündigte nach dem Urteil die Verträge mit den Betreibern, wies Entschädigungsforderungen aber zurück. Zur Klärung rief das Verkehrsministerium 2020 ein Schiedsgericht an. Dieses entschied, dass der Bund 243 Millionen Euro zahlen muss.

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags sollte klären, ob das hätte verhindert werden können. Zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 wurden Scheuer und Schulz darin mehrmals zu den Abläufen der Vertragsverhandlungen mit den Betreiberfirmen befragt. Im Mai 2022 leitete die Staatsanwaltschaft wegen mehrerer Strafanzeigen Ermittlungen ein, im August 2025 erhob sie Anklage.

Scheuer war von 2009 bis 2013 Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, von 2013 bis 2018 unter dem damaligen CSU-Chef Horst Seehofer Generalsekretär der Christsozialen. Anschließend war Scheuer bis 2021 Bundesverkehrsminister. Im April 2024 legte er sein Bundestagsmandat nieder.

3 Kommentare
Ph 29.05.202616:01 Uhr

Ja wie einst ein Luxusburg Politiker sagte wenn es Ernst wird muss man lügen, wobei Politiker und Politikerinnen auf allen Ebenen es mit der Wahrheit nicht so Ernst nehmen.

JJ 29.05.202615:32 Uhr

An die Jungs kommt doch niemand ran. Im Zweifelsfall unschuldig. Also. Dabei dürfte es in diesen Positionen kein " Nicht gewusst" geben. Auch unser Santer hatte damals " nicht gewusst". Oder Scholz ,der hat immer alles vergessen. Schäuble mit seinem doppelten Boden im Rollstuhl wo das Schmiergeld gebunkert war. Kohl mit der Leuna-Affäre,Barschel in der Badewanne....die Liste ist endlos.

Millie 29.05.202613:27 Uhr

"Obwohl die Gefahr bestand?"

Es war TODSICHER, daß die EU das niemals gestatten würde, war ja eine eklatante Verletzung des Gleichheitsgebots.
JEDER wußte es, außer ihm? Wohl kaum.

Fraulein Smilla antwortete am 29.05.202616:13 Uhr

" TODSICHER " ? , da bin Ich mir nicht so sicher . Haetten Oestereich und die Niederlande nicht geklagt , dann haetten wir heute die Maut . Weder die Juncker Kommission noch die Bettel Regierung hatten damals den Mumm ihre verdammte Pflicht zu tun . Sie hatten wohl Angst, bei Mutti in Ungnade zu fallen .

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