Deutschland

Beim FDP-Bundesparteitag soll Wolfgang Kubicki zum Parteivorsitzenden gewählt werden

Rund 660 Delegierte sollen Wolfgang Kubicki an diesem Samstag zum neuen FDP-Chef wählen. Der 74-Jährige soll die Partei retten – doch ein Streit über die AfD droht seinen Start zu überschatten.

Wolfgang Kubicki spricht auf einer Bühne, will FDP aus Wahltief führen, liberale Politik und Zukunft gestalten

Wolfgang Kubicki will die liberale FDP wieder aus ihrem Tief holen Foto: Christoph Soeder/dpa

Wolfgang Kubicki will es noch einmal wissen: An diesem Samstag will sich der 74-Jährige zum FDP-Vorsitzenden wählen lassen. Er springe „in die Bresche“, um seine am Boden liegende Partei zu retten. Die rund 660 Delegierten auf dem Bundesparteitag im Berliner Estrel-Hotel sollen den streitbaren Rechtsanwalt mit der scharfen Zunge zu ihrem neuen Chef wählen. „Ich gehe davon aus, dass die Partei mich mit einem ordentlichen Ergebnis, also mehr als zwei Dritteln der Stimmen, unterstützen wird“, hat er im Interview mit dem Tageblatt ungewohnt bescheiden erklärt.

Kubicki ist so etwas wie das letzte Aufgebot der FDP, die 1948 unter anderem von Theodor Heuss gegründet wurde und heute um ihre politische Existenz kämpft. Die FDP war nach dem von ihr mitverschuldeten Zusammenbruch der Ampel-Koalition bei der Bundestagswahl 2025 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und zum zweiten Mal aus dem Parlament gefallen. Der damalige Parteichef Christian Lindner trat zurück, der frühere Fraktionschef Christian Dürr übernahm. Doch mit ihm ging es weiter abwärts: Auch bei den Landtagswahlen in ihrem Stammland Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz scheiterte die FDP.

Kubicki sieht sich nun als Retter in der Not: Als einer der bekanntesten FDP-Politiker will er der Partei neuen Mut verleihen und sie wieder in die Parlamente führen. Allerdings wird das in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, wo im September gewählt wird, ein dickes Brett: In Ostdeutschland hatte die FDP noch nie viele Anhänger. Kubicki sieht dennoch auch hier noch Chancen, da die ostdeutschen Wähler weniger festgelegt seien, wie er im Interview betonte. Die FDP könne gerade wegen der Wirtschaftskrise Wähler zurückgewinnen, die zur AfD oder zur Union abgewandert seien.

Der Rechtsanwalt und Volkswirt aus Strande bei Kiel hat die deutsche Politik jahrzehntelang mitgeprägt. Er wurde 1990 das erste Mal in den Bundestag gewählt, ging dann aber in die Landespolitik. 2017 kam er zurück auf die bundespolitische Bühne, war als Parteivize eine der Stützen Lindners.

Streit über Umgang mit AfD

Mit flotten Sprüchen und harten Ansagen ist Kubicki eine polarisierende Figur. Beim FDP-Dreikönigstreffen im Januar hatte er mit der populären Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ein kongeniales Kabarett hingelegt, das mehr Aufmerksamkeit erzielte als die Rede des Parteichefs. Kubicki und Strack-Zimmermann zogen wie „Statler und Waldorf“ aus der Muppet-Show über die deutsche Politik her, sparten dabei die eigene Partei nicht aus – obwohl „Stratzi“, wie sie genannt wird, nicht gerade als eine Anhängerin Kubickis gilt.

„Ich wünsche Wolfgang Kubicki eine glückliche Hand und viel Erfolg“, sagte Dürr dem Tageblatt. „Zum Weg aus der außerparlamentarischen Opposition gehört sicherlich, dass man gehört wird.“ Die FDP werde wieder relevant sein. Denn Friedrich Merz habe den Menschen Reformen und wirtschaftliche Freiheit versprochen. „Als Kanzler gibt er ihnen nun mehr Schulden und immer weniger Freiheiten. Schon jetzt profitieren davon Extremisten rechts und links“, so Dürr.

Doch unmittelbar vor dem Parteitag debattiert die FDP über ihren Umgang mit der in Teilen rechtsextremen AfD. Der designierte Generalsekretär Martin Hagen forderte ein Ende der Ausgrenzung der AfD. „Wir brauchen eine harte inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD – aber nicht diesen Popanz namens Brandmauer“, sagte Hagen. Kubicki stützte seinen Generalsekretär. NRW-Landeschef Henning Höne warb dagegen für eine klarere Abgrenzung. „Weniger Distanz zur AfD wird niemals Programm der FDP sein. Das würde die Seele dieser Partei zerstören“, sagte Höne, der selbst auf die Kandidatur für den Parteivorsitz zu Gunsten Kubickis verzichtet hatte.

Seit dessen Kandidatur konnte die FDP in einigen Umfragen einen Punkt auf vier Prozent hinzugewinnen. Ein Streit über den Umgang mit der AfD könnte die Liberalen aber auch wieder zurückwerfen.

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