Gewitter in der Großregion

Tornado-Verdacht in Belgien, Tote in Deutschland: Unwetter hinterlässt schwere Schäden

Während Luxemburg das Unwetter am Mittwoch weitgehend glimpflich überstand, wurden aus Belgien und Deutschland schwere Schäden gemeldet. In Büllingen könnte ein Tornado gewütet haben.

Im belgischen Büllingen wurde ein Haus vollständig zerstört – möglicherweise von einem Tornado

Im belgischen Büllingen wurde ein Haus vollständig zerstört – möglicherweise von einem Tornado Foto: Editpress/Alain Rischard

Heftige Gewitter brachten am Mittwochabend Abkühlung und teils kräftigen Regen nach Luxemburg. Während das Großherzogtum weitgehend glimpflich davonkam, wurden aus den Nachbarländern deutlich schwerere Folgen des Unwetters gemeldet.

Möglicher Tornado in Büllingen

In Belgien zog das Gewitter am Mittwochabend unter anderem über die Provinz Lüttich sowie den Norden der Provinz Luxemburg. Nach Angaben der Zeitung l‘Avenir wurden in Ligneuville in der Gemeinde Malmedy zwei Häuser beschädigt. „Zwei Dächer sind weggeweht, keine Verletzten. Unsere tapferen Feuerwehrleute sind vor Ort und sichern die Lage“, schreibt Bürgermeister Jean-Paul Bastin in einem Facebook-Beitrag zu dem Vorfall. Auch in der Gegend von Waimes stürzten laut l‘Avenir Bäume um und blockierten Straßen.

In Büllingen nahe der deutschen Grenze könnte das Gewittersystem nach Angaben der privaten Wetterseite „Météo Hainaut“ sogar einen Tornado ausgelöst haben. „Augenzeugenberichte und Beobachtungen vor Ort deuten auf lokale Schäden hin, die mit einem Wirbelphänomen vereinbar sind“, schreiben die Betreiber in einem Facebook-Post. Laut GrenzEcho wurde bei dem Vorfall ein Haus schwer beschädigt, verletzt wurde dabei niemand.

Haus nicht mehr bewohnbar

Das Tageblatt machte sich am Donnerstag vor Ort ein Bild von der Lage. Demnach ist vor allem ein Haus in der Nähe des Friedhofs in Büllingen nahezu komplett zerstört. Die Nachbarhäuser blieben hingegen verschont. An mehreren Orten im Dorf wurden zudem Bäume beschädigt. Viele Menschen waren mit Aufräumarbeiten in ihren Gärten beschäftigt.

Tornado-Verdacht in Belgien, Tote in Deutschland: Unwetter hinterlässt schwere Schäden
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© Foto: Editpress/Alain Rischard

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„In Büllingen wurde ein Haus von einem Mini-Tornado zerstört. Der Bewohner war nicht zu Hause. Das Haus ist zur Hälfte zerstört und nicht mehr bewohnbar“, sagte Bürgermeister Rainer Stoffels gegenüber der Nachrichtenagentur Belga. Über den Sozialdienst sei für den Betroffenen jedoch schnell eine Unterkunft gefunden worden.

Belgorage prüft Tornado-Hypothese

Der Wetterdienst Belgorage – eine belgische Initiative, die sich auf die Beobachtung und Erforschung von Gewitterphänomenen spezialisiert hat – hält ebenfalls für möglich, dass ein oder mehrere Tornados für einen Teil der entstandenen Schäden verantwortlich sind. Das Team werde die Situation analysieren, um Klarheit zu schaffen, heißt es in einem Beitrag auf Facebook. Die Untersuchungen dürften jedoch wegen der langen Gewitterzugbahn und des schwer zugänglichen Geländes „voraussichtlich langwierig und mühsam“ werden.

Der Bürgermeister von Bütgenbach, Daniel Franzen, musste einen Termin mit dem Tageblatt kurzfristig absagen. Es seien „reihenweise Bäume umgekippt“ und er habe kurzfristig Termine mit Sicherheitsdiensten vereinbaren müssen.

Frau von Baum erschlagen

Auch in Deutschland hatte das Unwetter schwere Folgen. Im rheinland-pfälzischen Waldorf wurde eine Frau von einem herabstürzenden Baum getroffen und tödlich verletzt. Eine weitere Frau erlitt dabei schwere Verletzungen, wie die deutsche Polizei mitteilte. Die beiden Frauen im Alter von 47 und 58 Jahren waren den Angaben nach gemeinsam spazieren, als das Unwetter aufzog und sie Schutz bei einer überdachten Sitzgruppe suchten. Als ein nahegelegener Baum durch das Unwetter entwurzelt wurde und auf die Sitzgruppe stürzte, wurden beide Frauen getroffen. Die 58-Jährige sei am Unfallort gestorben, sagte ein Polizeisprecher. Die 47-Jährige sei in ein Krankenhaus gebracht worden.

In Höhr-Grenzhausen im Westerwaldkreis riss der Sturm Wände aus Häusern. Mindestens zwei Bauwerke seien betroffen, sagte ein dpa-Reporter vor Ort. Es gab Schäden durch abstürzende Fassadenteile und umherfliegende Gegenstände. Vielerorts seien Bäume umgestürzt. In der Gemeinde Bannberscheid (Westerwaldkreis) wurden Teile der Fassade der Aubachhalle weggeweht. Zudem fiel vor Ort großflächig der Strom aus. Auf der A61 stürzte ein Lastwagen wegen Sturmböen um.

Schwere Unwetter in Rheinland-Pfalz haben im Westerwald erhebliche Schäden an Wohnhäusern verursacht

Schwere Unwetter in Rheinland-Pfalz haben im Westerwald erhebliche Schäden an Wohnhäusern verursacht Foto: Thomas Frey/dpa

60 Häuser beschädigt

Im hessischen Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis) beschädigte das Unwetter rund 60 Häuser, wie die deutsche Feuerwehr mitteilte. Die Schäden reichen demnach von einzelnen fehlenden Dachziegeln bis hin zu einer totalen Dachabdeckung. Teilweise seien Dachteile bis zu 100 Meter weit geflogen, hieß es in einer Mitteilung. Die Gießener Straße sei bis auf Weiteres nicht mehr befahrbar. Das habe auch einen Einfluss auf den Busverkehr.

Tornado in Solms?

Laut Polizei sind auch Häuser in Solms im Lahn-Dill-Kreis betroffen. Mutmaßlich sei eine Windhose für die Zerstörung verantwortlich, sagte ein Sprecher. Eine Windhose ist ein anderes Wort für einen Tornado. Dafür liegt bislang keine Bestätigung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vor.

Teilweise seien in Solms komplette Dachstühle angehoben worden und einige Häuser unbewohnbar, so der Sprecher. In Laubach bei Gießen beschädigte ein umstürzender Baum einen Gastank in einem Wohnhaus. Weil Gas austrat, wurde der Bereich im Umkreis von 200 Metern geräumt.

An mehreren Häusern in Solms-Oberndorf sind nach einem mutmaßlichen Tornado schwere Schäden zu erkennen

An mehreren Häusern in Solms-Oberndorf sind nach einem mutmaßlichen Tornado schwere Schäden zu erkennen Foto: Boris Roessler/dpa

37 Einsätze in Wiesbaden

In Wiesbaden führte ein „kurzes, aber heftiges Unwetter“ zu 37 Einsätzen, wie die Stadt mitteilte. Dabei ging es größtenteils um umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste sowie andere sturmbedingte Gefahrenstellen. Teilweise wurden demnach auch geparkte Fahrzeuge und Straßenlaternen beschädigt.

Im hessischen Offenbach hat das Gewitter in der Nacht dazu geführt, dass Stahlplatten von einer Baustelle auf eine Straße geweht wurden.

Auch andere Bundesländer betroffen

Auch in anderen Teilen Deutschlands sollen Unwetter zu Schäden geführt haben. Der DWD etwa bestätigte, dass es im brandenburgischen Fürstenwalde/Spree einen Tornado gegeben hat. Ein Dach wurde abgedeckt und Bäume stürzten um, wie es auf der Webseite der Europäischen Unwetter-Datenbank hieß.

Der Deutsche Wetterdienst hat bestätigt, dass ein Tornado Fürstenwalde/Spree in Brandenburg heimgesucht hat

Der Deutsche Wetterdienst hat bestätigt, dass ein Tornado Fürstenwalde/Spree in Brandenburg heimgesucht hat Foto: Patrick Pleul/dpa

In Kronach in Bayern musste wegen starker Unwetter ein Schützenfest mit 3.500 Gästen teils geräumt werden. In Unterfranken wurden durch das Unwetter am Abend laut Polizeiangaben mehrere Autos beschädigt.

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