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Solidarität aus Luxemburg: „D’Kuel ënner Lützerath muss am Buedem bleiwen!“

Gegen den Widerstand von Klimaaktivisten hat am Mittwoch der Großeinsatz zur Räumung des besetzten Dorfs Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier begonnen – mit teils gewalttätigen Zusammenstößen. Auch Luxemburger schließen sich den Forderungen an, keinen neuen Bergbau bei Köln zu betreiben. 

Polizisten stehen am 11. Januar in dem westdeutschen Dorf Lützerath, bevor sie mit der Räumung von Aktivisten beginnen

Polizisten stehen am 11. Januar in dem westdeutschen Dorf Lützerath, bevor sie mit der Räumung von Aktivisten beginnen AFP

Wie ein Sprecher der Aachener Polizei sagte, rücke die Polizei im Dorf „Sektor um Sektor“ gegen die in Häusern verschanzten Aktivisten vor. Zahlreiche Umweltschützer und Prominente kritisierten den Einsatz der Polizei. Die Polizei umstellte den Ort laut dem Sprecher am Mittwochmorgen, „um die Lage stabil zu bekommen“. Anschließend begann sie damit, den Bereich zu umzäunen. Nach Angaben der Klimaaktivisten besetzten die Protestierenden ihre Blockadeorte – vor allem leerstehende Gebäude und Baumhäuser.

Umweltschützer sitzen am 11. Januar 2023 auf sogenannten Dreibeinen im Dorf Lützerath in Westdeutschland, als die Polizei mit der Räumung von Aktivisten beginnt, die das Dorf vor dem geplanten Abriss eines Kohlebergwerks „aktiv verteidigen“ wollen

Umweltschützer sitzen am 11. Januar 2023 auf sogenannten Dreibeinen im Dorf Lützerath in Westdeutschland, als die Polizei mit der Räumung von Aktivisten beginnt, die das Dorf vor dem geplanten Abriss eines Kohlebergwerks „aktiv verteidigen“ wollen AFP

Die Polizei vermutet „mehrere hundert“ Aktivisten in dem Ort. Es wird laut dem Sprecher mit einem länger andauernden Einsatz gerechnet. Polizeiangaben zufolge gab es kurz nach Beginn der Räumung gewalttätige Zwischenfälle – es flogen demnach Molotowcocktails, Pyrotechnik und Steine in Richtung der Einsatzkräfte.

Polizei: Bereich jetzt verlassen

Die deutsche Bundesregierung verurteilte die gewaltsamen Ausschreitungen bei der Räumung. Es gebe eine „eindeutige Rechtslage“, und die gelte es zu akzeptieren, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch in Berlin. Kritik kam auch von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU). Er forderte die Klimaaktivisten auf, sich von den „Chaoten“ zu distanzieren. Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, sie habe „null Verständnis für Gewalt“.

In 2018, German authorities wasted Millions of euros of public money to evict the forest of Hambach, on behalf of a coal company.

It failed.

The police operation was later ruled illegal in court.

The exact same thing is happening, again, in #Lützerathpic.twitter.com/OCDiK2eoVt

— ᴊᴏᴀɴɪᴇ ʟᴇᴍᴇʀᴄɪᴇʀ (@JoanieLemercier) January 11, 2023

Die Gewerkschaft der Polizei zog ein erstes positives Zwischenfazit. Das Einsatzkonzept der Polizei sei „bislang aufgegangen“, hieß es. Die gezielte Kommunikation habe zur Deeskalation der Lage beigetragen. Gewerkschaftschef Rainer Wendt verteidigte den Einsatz gegen Kritik. „Die Polizei handelt nach Recht und Gesetz“, erklärte er. Die Polizei appellierte an die Aktivisten, friedlich zu bleiben. Außerdem rief sie Menschen, die sich in dem Bereich aufhielten, dazu auf, diesen aktuell noch ohne weitere polizeiliche Maßnahmen zu verlassen.

Aktion „Gegenschlag“

Wie an den Protesten beteiligte Klimaaktivisten berichteten, wehrten diese sich mit Barrikaden und Menschenketten gegen die laufende Räumung. Der Aktionsticker Lützerath berichtete, dass Polizisten weit in das Dorf vorgedrungen seien und auch die Zeltwiese der Aktivisten bereits erreicht hätten.

Bei einer als „Gegenschlag“ bezeichneten Aktion habe ein Dutzend Menschen den Zugang in den Tagebau bei Jackerath blockiert. Demnach seilten sich Aktivisten von einer alten Autobahnbrücke über die Straße ab. Der Hauptzugang der Polizei zu ihrem Logistiklager im Tagebau sei damit blockiert.

Unter Umweltschützern und Prominenten rief der Räumungseinsatz Kritik hervor. Rund 200 Prominente forderten in einem offenen Brief den Stopp der Räumungsarbeiten – darunter auch Schauspielerin Katja Riemann und der Schauspieler Peter Lohmeyer. Die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer warf der Polizei „Provokation“ vor. Der BUND sah in der Räumung und einer möglichen Abbaggerung der Braunkohle ein „fatales Signal“.

Komplettes Dorf soll weg

Der Energiekonzern RWE will den bei Lützerath liegenden Tagebau Garzweiler ausdehnen und die unter dem Ort liegende Kohle abbauen, wozu das von den früheren Bewohnerinnen und Bewohnern verlassene Dorf abgerissen werden muss. Nahezu alle Grundstücke gehören mittlerweile dem Energiekonzern.

Ein Polizist mit einem Hund steht am 11. Januar 2023 am Rande der Braunkohlegrube im westdeutschen Dorf Lützerath

Ein Polizist mit einem Hund steht am 11. Januar 2023 am Rande der Braunkohlegrube im westdeutschen Dorf Lützerath Foto: AFP

Wie RWE erklärte, sollte am Mittwoch mit dem Rückbau der Siedlung begonnen werden. Als eine der ersten Maßnahmen sollte „aus Sicherheitsgründen“ der gut anderthalb Kilometer lange Bauzaun aufgestellt werden. „Er markiert das betriebseigene Baustellengelände, wo in den nächsten Wochen die restlichen Gebäude, Nebenanlagen, Straßen und Kanäle der ehemaligen Siedlung zurückgebaut werden“, erklärte RWE.

Anschließend könne der nahe Tagebau Garzweiler damit beginnen, die Braunkohle für die Stromerzeugung in den Kraftwerken der Region unter dem ehemaligen Ort freizulegen. RWE appellierte an die Klimaaktivisten, Gewaltfreiheit zu zeigen und den Rechtsstaat zu akzeptieren.

Forderungen aus (und an) Luxemburg

Die Luxemburger Sektion der Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich mit den Aktivisten solidarisch erklärt: „Greenpeace steht voll und ganz hinter der friedlichen Mobilisierung in Lützerath“, heißt es in einer am Mittwoch versandten Mitteilung. Braunkohle sei „die klimaschädlichste Energiequelle und der Braunkohletagebau Garzweiler ist die größte CO2-Quelle Europas“, heißt es weiter.

Raymond Aendekerk, Direktor von Greenpeace Luxemburg, fügt hinzu: „Die Situation in Lützerath ist für Luxemburg von symbolischer und konkreter Bedeutung. Nicht genug, dass diese Demonstration von Gewalt und Gier nur wenige Stunden von unserem Zuhause entfernt stattfindet, schlimmer noch: Höchstwahrscheinlich wird ein Teil der Kohle aus diesem Tagebau für die Stromversorgung des Großherzogtums genutzt.“

Dem @RWE_AG seng Gurmangsegkeet däerf net iwwert de Schutz vun der Mënschheet an dem Klima gestallt ginn: d'Kuel ënner Lützerath muss am Buedem bleiwen⚠️ #LütziBleibt#EndFossilCrimeshttps://t.co/wS5WQDlwAS

— GreenpeaceLuxembourg (@Greenpeace_Lux) January 11, 2023

Greenpeace Luxemburg fordere daher, „dass unsere Staatsoberhäupter:innen die deutsche Regierung auffordern, gegen den Kohlebergbau vorzugehen.“ Es sei an der Zeit, ein deutliches Signal an fossile Unternehmen zu senden: „D’Kuel ënner Lützerath muss am Buedem bleiwen!“, heißt es in einem Tweet der Luxemburger.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg will sich an den Protesten gegen die Räumung des Dorfs beteiligen. Thunberg werde am Samstag zu einer Demonstration in die Region kommen, teilten die Organisatoren der Proteste am Mittwoch mit. Thunberg gehört zu den international bekanntesten Klimaaktivisten.

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