Humanitäre Hilfe
Sechs Luxemburger segeln mit zweiter „Global Sumud Flotilla“ nach Gaza
Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise unterstützt im April 2026 eine internationale Hilfsflottille, die sich der israelischen Seeblockade von Gaza entgegenstellt. Mit über hundert Booten und tausenden Aktivisten, darunter sechs aus Luxemburg, sollen medizinische Hilfsgüter sicher in den Gazastreifen gebracht werden.
Ein Schiff der „Global Sumud Flotilla“, das von israelischen Streitkräften im Mittelmeer vor der Küste des Gazastreifens abgefangen wurde, läuft am 2. Oktober 2025 im südlichen Hafen von Aschdod ein Foto: Saeed QAQ/AFP
Sechs Luxemburger Aktivisten werden auf der Arctic Sunrise, einem der drei Greenpeace-Schiffe, an der bevorstehenden „Global Sumud Flotilla“ teilnehmen. Gemeinsam mit über hundert Booten und tausenden weiteren Teilnehmenden will Greenpeace technische und operative Unterstützung auf See leisten. Das teilt die Organisation am Dienstag in einem Presseschreiben mit. Ziel der Initiative sei es, die von Israel verhängte Blockade von Hilfslieferungen nach Gaza direkt herauszufordern. Auslöser der Aktion ist ein direkter Aufruf von Palästinensern im Gazastreifen. Die Flottille soll am 12. April 2026 im spanischen Barcelona starten und über Zwischenstationen in Syrakus (Italien) und Ierapetra (Griechenland) Kurs auf Gaza nehmen.
Ghiwa Nakat, Leiterin von Greenpeace MENA (Middle East and North Africa), sagt: „Die Zerstörung in Gaza, die sich inzwischen auch auf den Libanon ausweitet, ist eine besorgniserregende Spirale der Straflosigkeit. Das Greenpeace-Schiff beteiligt sich an der Mission, um sicheren und ungehinderten humanitären Zugang nach Gaza zu fordern und die rechtswidrige Blockade anzugehen. Zugleich ist die Flottille ein Appell an Regierungen weltweit, ihr Schweigen zu beenden und entschlossen zu handeln, um Völkerrecht, Menschenwürde und Gerechtigkeit zu wahren.“
Frühere Versuche scheiterten
Die „Global Sumud“-Flotille knüpft an den ersten Versuch an, Hilfsgüter über den Seeweg nach Gaza zu bringen. Im September 2025 segelten Hunderte Aktivisten aus 45 Ländern – darunter eine Luxemburger Delegation – nach Gaza. Ziel war es, medizinische Güter, Nahrungsmittel und Wasseraufbereitungsgeräte zu liefern. Schon zuvor hatte die israelische Marine ähnliche Aktionen gestoppt, Besatzungen festgenommen und Schiffe abgewiesen.
Anfang Oktober 2025 eskalierte die Lage erneut: Israel stoppte die Flottille mit rund 45 Schiffen und mehreren hundert Aktivisten, darunter die Klimaaktivistin Greta Thunberg und die Luxemburgerin Nora Rosa Fellens Huberty. Laut Marine wurden über 400 Menschen festgenommen und in den Hafen von Aschdod gebracht. Am 6. Oktober erfolgte die Abschiebung von 171 Teilnehmern, darunter auch die Luxemburgerin Huberty Fellens. Zwei Tage später kehrte Huberty Fellens nach Luxemburg zurück. In vielen europäischen Städten gab es Proteste gegen das Vorgehen Israels.
Israel verteidigt die Blockade, die seit 2007 besteht, als Maßnahme zur Unterbindung von Waffenlieferungen. Kritiker sehen darin eine Verletzung völkerrechtlicher Pflichten und eine humanitäre Katastrophe für die Bevölkerung. „Sumud“, arabisch für Standhaftigkeit, aus „Global Sumud Flotilla“, steht für zivilen Widerstand. Die Flottille will die Aufmerksamkeit auf die Lage der Menschen in Gaza lenken und den ungehinderten Zugang von Hilfsgütern fordern.
Forderung der Beendigung der Blockade
Patrick Bosch, Mitglied des Koordinationsteams der „Global Sumud Flotilla“, begrüßt die Teilnahme von Greenpeace. „Ihre langjährige Erfahrung im Schutz der Meere, im Einsatz gegen Ungerechtigkeit und im Engagement für den Schutz des Lebens macht sie zu einer wichtigen Verstärkung dieser Mission“, sagt Bosch. „Wir segeln gemeinsam in die gleiche Richtung, mit der gemeinsamen Entschlossenheit, zur Beendigung der Blockade des Gazastreifens beizutragen.“
Greenpeace macht seit Jahren auf die humanitären und ökologischen Folgen aufmerksam, die der Krieg Israels gegen Gaza nach sich zieht. Die Organisation fordert einen dauerhaften Waffenstillstand, das sofortige Ende der Blockade von Hilfslieferungen, einen uneingeschränkten Zugang für humanitäre Hilfe, ein umfassendes Waffenembargo und die Beendigung der Besetzung Palästinas. Die Arctic Sunrise gehört seit 1995 zur Greenpeace-Flotte und war weltweit in zahlreichen Kampagnen aktiv. Das 50,5 Meter lange Aktions- und Forschungsschiff bietet Platz für bis zu 30 Personen und erreicht eine Geschwindigkeit von maximal 13 Knoten (24 km/h).