Geschichte

Römischer Kaiser mit griechischen Affinitäten – Vor 1.950 Jahren wurde Hadrian geboren

Die römische Kultur prägt Europa bis heute. Zu ihren bedeutendsten Gestaltern zählt Kaiser Hadrian, der nicht auf Expansion, sondern auf Stabilität, Reformen und kulturellen Austausch setzte. Als reisefreudiger Herrscher hinterließ er im gesamten Reich bleibende Spuren.

Der römische Kaiser Hadrian setzte auf Stabilität, nicht auf Expansion

Der römische Kaiser Hadrian setzte auf Stabilität, nicht auf Expansion Illustration: Tageblatt/Kim Kieffer

Noch immer fasziniert die römische Kultur. Nicht nur in unseren Regionen ist sie allenthalben spür- und sichtbar. Imposante Bauten wie das Kolosseum in Rom, die Porta Nigra in Trier oder der Pont du Gard nahe Nîmes sind Zeugen des riesigen Römischen Reiches, das jahrhundertelang seine Dominanz über drei Kontinente ausübte. Einflussreiche Kaiser trugen zu diesem stabilen Gerüst bei. Der am 24. Januar 76 in Italica geborene Publius Aelius Hadrianus, später als Hadrian bekannt, gilt als einer der erfolgreichsten Führer der römischen Weltmacht, obwohl er, entgegen vieler seiner Homologen, eine Ausweitung des Reiches nicht als Priorität ansah. Vielmehr versuchte er, die Grenzen zu festigen. In dem Sinne ließ er zum Beispiel die berühmte 73 Meilen (ca. 117 Kilometer) lange Mauer Vallum Aelium in Nordengland errichten, die noch heute besichtigt werden kann. Die Bauzeit soll etwa sechs Jahre gedauert haben.

Über Hadrians Kindheit, die er in Santiponce nahe Sevilla verbrachte, ist wenig bekannt. Bekannt ist, dass sein Vater, der bereits im Alter von 40 Jahren starb, ein anerkannter Senator war. Auf Geheiß seiner Mutter Paulina übernahm das Kindermädchen Germana einen wesentlichen Teil der Erziehung. Neben Latein und Griechisch musste der junge Hadrian ebenfalls Literatur und Rhetorik studieren. Früh entdeckte er sein Interesse für das Verfassen von Gedichten, für Astrologie, Malerei, Musik, Religion, Philosophie und Jagd. Vom Philosophen Epiktet, der die Ethik ins Zentrum seiner Lehre stellte, war Hadrian begeistert. Sexuell fühlte er sich eher Männern zugewandt, obwohl er eine Heirat mit Vibia Sabina einging, der Tochter von Salonina Matidia, Tochter von Trajan. Hadrian, von großer Gestalt, galt als eleganter und charmanter Mann.

Sein Vorgänger Trajan, mit dem Hadrian verwandt war, erkannte schon früh dessen Talent und beorderte ihn nach Rom, wo er mit der Verwaltung des Reiches vertraut wurde. 94 fungierte er als Richter für zivile Angelegenheiten. Ein Jahr später übernahm er eine Stelle als Offizier in der Armee. Von den Soldaten forderte er absolute Disziplin. Zudem war ihm daran gelegen, das Militärmaterial zu verbessern und die Armee schlagfertiger aufzustellen. In Aquincum, dem heutigen Budapest, legte der Tierliebhaber Hadrian den Grundstein für eine erfolgreiche Laufbahn und avancierte zu einer hohen Persönlichkeit in der res publica. Schließlich wurde er zu einem der 20 Quästoren ernannt und war somit ex officio Mitglied des Senats. Während seiner Zeit als Konsul wurde Hadrian, der sich meistens in gewöhnlicher Kleidung zeigte, von Trajan adoptiert und erlangte somit eine legitime Basis, um später zum Kaiser ernannt zu werden. Im Gegensatz zu den heutigen Monarchien, war die Kaisernachfolge im Römischen Reich nicht in allen Fällen durch eine automatische Erbschaft in der Familie geregelt. Nach Suras Tod übernahm Hadrian die Verantwortung für Trajans Reden.

Reisefreudiger Kaiser

Im Jahre 112 machte er sich erneut für längere Zeit auf den Weg nach Athen, wo ihm die Staatsbürgerschaft sowie eine bedeutende Beamtenstelle übertragen wurden. Es stellte einen Höhepunkt in seinem Leben dar. Laut der Historia Augusta, einer Sammlung von römischen Kaiserbiografien, amtierte Hadrian, auch für seine Zügellosigkeit bekannt, als Repräsentant von Trajan. Seine Befugnisse im Partherfeldzug, ein altes Volk in Zentralasien und dem Iran, beförderten ihn zum zweiten Mann des Reiches. Nach Trajans Tod am 8. oder 9. August 117 errang Hadrian im Alter von 41 Jahren die Kaiserwürde. Er sah sich direkt mit mehreren Aufständen konfrontiert. Als Konsequenz gab er die drei neuen Provinzen Armenien, Mesopotamien und Assyrien auf und sorgte für die Schaffung eines ersten Geheimdienstes im Reich. Sein am 9. Juli 118 erfolgter Einzug in Rom war ein bedeutendes Ereignis. Der auf die öffentliche Meinung sensibel reagierende Kaiser wollte nach seinem gewaltvollen Herrschaftsbeginn sich fortan als Mann des Friedens profilieren. Mit eisernem Reformwillen versuchte er, seine Popularität zu steigern. Das Bündnis zwischen Kaisertum und Juristenstand konnte weiter gefestigt werden. Sein 43. Geburtstag wurde während sechs Tagen mit Gladiatorenspielen und dem Schlachten von 200 Löwen gefeiert. Obwohl er viel über das Regieren von Trajan gelernt hatte, galt der erste römische Kaiser Augustus aber immer noch als sein persönlicher Held.

Das Hadrian-Mausoleum in Rom, heute als Engelsburg bekannt, wurde bereits zu Lebzeiten des Kaisers errichtet

Das Hadrian-Mausoleum in Rom, heute als Engelsburg bekannt, wurde bereits zu Lebzeiten des Kaisers errichtet Foto: t © CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=120161

Mit einigen wichtigen Bauten wie unter anderem der Restauration der Neptun-Basilika sorgte Hadrian ebenfalls für ein verbessertes urbanistisches Konzept von Rom. Des Kaisers nahe Tivoli errichtete wunderschöne Villa spiegelt zudem sein großes architektonisches Interesse wider.

Hadrians weitere Reisen führten ihn nach Gallien, Spanien und Nordafrika. Mehr als die Hälfte seiner Regierungszeit verbrachte er außerhalb Roms. Er förderte bauliche Infrastrukturen und die wirtschaftliche Entwicklung. Zudem war er der erste Kaiser, dessen gesetzliches Regelwerk in einem gewissen Maße erhalten geblieben ist. Nach seinem Besuch änderten viele Städte ihren Namen und nannten sich fortan Hadrianpolis oder Hadriane. Inzwischen verliebte er sich, wahrscheinlich in Claudiopolis, in den 15-jährigen Antinous. Dieser Moment sollte sein Leben verändern. Allerdings ertrank sein junger Liebhaber unter nicht geklärten Umständen. Daraufhin wurde er vergöttlicht. Zudem personifizierte Antinous die Symbiose zwischen den zwei dominierenden Kulturen im Mittelmeerraum.

Im Frühjahr 125 verließ der Kaiser Athen. Am 2. März 127 brach er für eine viermonatige Reise nach Norditalien auf und reorganisierte das Land in vier Verwaltungsbezirke. Diese Reform erwies sich allerdings als unpopulär. Sein 10. Jahrestag als Kaiser wurde indes während zehn Tagen mit Spielen gefeiert. Im März 129 besichtigte er Ephesos. Nächster Halt war Ägypten, sein privates Eigentum.

Neue Orientierung für Jerusalem

Die Judenverfolgung fand ebenfalls unter Hadrian, der ein angespanntes Verhältnis zu den Intellektuellen hatte, kein Ende. Zu Ehren seiner eigenen Familie wurde Jerusalem mit dem Namen Aelia Capitolina neu gegründet und Judäa hieß fortan Palästina. Jerusalem war nun eine römische Stadt mit griechisch sprechenden Einwohnern. Allen Juden wurde der Eingang zu ihrer eigenen Hauptstadt verwehrt. Es dauerte über 2.000 Jahre, bis sie erneut zurückkehren durften und 1948 ihre Unabhängigkeit erlangten. In Gaza fand fortan ein Hadrianfestival statt. Unter dem Anführer Bar-Kochba brach 132 wieder eine jüdische Revolte aus. Ein neuer jüdischer Staat mit begrenztem Territorium war die Folge. Allerdings überlebte er nur drei Jahre, da die römische Armee ihn vollständig zerstörte. Rund 580.000 Juden wurden umgebracht. Judäa wurde Galiläa eingegliedert und die gereinigte Provinz erhielt den Namen Syrien-Palästina. Erstmalig erhielt Hadrian den Titel Imperator.

Im Alter von 60 Jahren erkrankte Hadrian schwer. Am 10. Juli 138 verstarb er. Sein schon zu Lebzeiten errichtetes Mausoleum in Rom wurde im Mittelalter in eine Zitadelle umgewandelt. Später erkoren die Päpste das Bauwerk zu ihrer Residenz. Heute ist es als Engelsburg bekannt. Hadrian hatte es verstanden, eine humanitäre Monarchie mit guter Regierungsführung zu kombinieren. Besonders inspiriert war er ja von der griechischen Kultur. Sein Philhellenismus erlaubte es Griechen, nicht nur Mitglieder der Regierung zu werden, sondern förderte auch die Entwicklung Athens zum geistigen Mittelpunkt des Reiches. Ein gut erhaltenes 18 Meter hohes Tor nahe des Syntagma-Platzes in der griechischen Hauptstadt erinnert heute noch an den römischen Kaiser, der ohne Zweifel eine sehr interessante Figur der antiken Welt darstellte.

Bibliografie:

– Everitt Anthony, Hadrian and the triumph of Rome, The Random House Publishing Group, 2010

– Heuss Alfred, Römische Geschichte, Ferdinand Schöningh, Paderborn, 9. Auflage, 2003

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