„Caro vita“

Proteste in Italien: Blockierte Autobahnen und leere Regale

Lkw-Fahrer und Landwirte machen gegen die Regierung in Rom mobil. In Supermärkten fehlt es an Obst und Gemüse. Ministerpräsidentin Meloni gerät durch das „caro vita“ zunehmend unter Druck.

Während eines Protests von Lkw-Fahrern gegen die hohen Kraftstoffpreise stehen Lkw entlang der Straße

Während eines Protests von Lkw-Fahrern gegen die hohen Kraftstoffpreise stehen Lkw entlang der Straße Foto: Alessandro Garofalo/LaPresse/AP/dpa

Im Süden Italiens weiten sich die Proteste gegen die hohe Inflation aus. Wegen Straßenblockaden durch Lkw-Fahrer können inzwischen in zahlreichen Supermärkten die Regale nicht mehr gefüllt werden. In Regionen wie Apulien oder Kalabrien hat dies bereits zu Versorgungsengpässen geführt. Die Proteste richten sich insbesondere gegen drastisch gestiegene Dieselpreise, aber auch gegen hohe Mautkosten sowie die verzögerte Auszahlung von staatlichen Hilfen.

Auf wichtigen Verkehrsachsen des Landes wie den Autobahnen A1 und A30 kam es durch die Blockaden zu langen Staus. Auch Raffinerien sowie Zufahrten von Häfen wurden blockiert. Den Protesten haben sich auch Landwirte und Spediteure angeschlossen. Verlangt werden sofortige Steuererleichterungen wie die vollständige Befreiung von Agrardiesel und konkrete Zusagen der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Die rechte Regierungschefin hat Gespräche zugesagt.

Kein Benzin mehr an Tankstellen, kein Obst in Supermärkten

Betroffen sind hauptsächlich die Regionen Apulien und Kalabrien sowie Italiens größte Mittelmeerinsel Sizilien. An manchen Tankstellen sind Benzin und Diesel ausgegangen. Aus Supermärkten gibt es Berichte über komplett leer geräumte Regale. Vor allem frische Produkte wie Obst und Gemüse sind Mangelware, aber auch andere Lebensmittel waren teils nicht mehr zu bekommen.

Eine Frau geht in einem Supermarkt in Neapel an leeren Regalen vorbei

Eine Frau geht in einem Supermarkt in Neapel an leeren Regalen vorbei Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Die gestiegenen Lebenshaltungskosten – das „caro vita“, das teure Leben – sind in Italien bereits seit Monaten ein landesweites Dauerthema. Im September lag die Inflationsrate bei 4,2 Prozent. Demgegenüber sind die Löhne, die im Durchschnitt ohnehin niedriger liegen als in vielen anderen europäischen Ländern, seit Jahren real nicht gestiegen. Auch bei Schülerdemonstrationen am Freitag vergangener Woche, aus denen in einigen Städten schwere Krawalle wurden, ging es um die hohen Preise.

Regierung verweist auf Milliardenhilfe

Melonis Regierung aus drei rechten und konservativen Parteien gerät durch die Protestbewegung zunehmend unter Druck. Verkehrsminister Matteo Salvini sagte am Mittwoch im Radio, dass der Staat seit März mehr als eine Milliarde Euro an Hilfen für Lkw-Fahrer freigegeben habe. Ministerpräsidentin Meloni hatte im vergangenen Monat bereits angekündigt, dass der Staat im nächsten Jahr auf die Kfz-Steuer teilweise verzichtet. 2027 wird in Italien gewählt.

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