Spanien

Polizeischlag gegen Drogenmafia vor Kanaren

Der Frachter, der unter der Billigflagge Kameruns unterwegs war, stand bereits länger unter Beobachtung. Als er sich rund 300 Seemeilen westlich der Kanarischen Inseln befand, schlugen die Fahnder zu.

Spanische Polizisten im Hafen von Santa Cruz de Tenerife mit sichergestellter Beute bei Kontrolle

Vertreter der spanischen Polizei stehen im Hafen von Santa Cruz de Tenerife vor ihrer „Beute“ Foto: Handout/Spanish National Police/AFP

Ein spanisches Patrouillenboot stoppte den Frachter auf hoher See, ein Sondereinsatzkommando der Polizei stürmte das Schiff und übernahm die Kontrolle an Bord. Bei der Durchsuchung entdeckten die Beamten zehn Tonnen Kokain – eine der größten Mengen des „weißen Schnees“, die je nahe der spanischen Inselgruppe abgefangen wurden.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden handelte es sich um eine gemeinsame Operation der spanischen Rauschgiftfahndung und der US-Drogenbehörde DEA. Der Zugriff erfolgte in internationalen Gewässern. Anschließend wurde der Frachter „United S“ in den Hafen von Santa Cruz auf der Insel Teneriffa gebracht. Die 13 Besatzungsmitglieder wurden festgenommen.

In den vergangenen Monaten wurden im Zuge von internationalen Polizeiaktionen auf der Atlantikroute bereits mehrfach große Kokaintransporte gestoppt. Dabei gelang den Fahndern sogar die spektakuläre Aufbringung eines Drogen-U-Boots, das ebenfalls mit mehreren Tonnen Kokain auf dem Weg nach Europa war. Meist wird die heiße Ware jedoch mit Handelsschiffen oder auch mit Segeljachten transportiert.

Der aktuelle Fall zeigt exemplarisch, wie die Kartelle dabei vorgehen. Nach Erkenntnissen der Ermittler arbeiten sie mit ausgefeilten Logistikketten. Zunächst wird das Kokain von Südamerika aus Richtung Europa gebracht. In der Nähe der europäischen Küste wird das Rauschgift dann häufig auf schnelle Motorboote verfrachtet. Ein Teil der Lieferungen wird an den südeuropäischen Atlantikküsten ausgeladen. Ein anderer Teil wird weiter ins Mittelmeer verschifft und dann zum Beispiel auf den Balearischen Inseln (Mallorca, Ibiza) oder an der spanischen Festlandküste entladen.

Außergewöhnlicher Erfolg der Ermittler

Spanien gilt seit Jahren als eines der wichtigsten Einfallstore für Rauschgift nach Europa. Seine geografische Lage in Südeuropa mit den tief im Atlantik liegenden Kanarischen Inseln macht das Land besonders attraktiv für Schmuggler. Kokain spielt dabei eine zentrale Rolle: Es ist eine der profitabelsten Drogen im europäischen Markt, die Nachfrage steigt in vielen Ländern kontinuierlich.

Der nun gestoppte Frachter zeigt die Dimensionen des Geschäfts. Zehn Tonnen Kokain entsprechen Millionen Konsumeinheiten und einem Straßenverkaufswert von mehr als einer Milliarde Euro. Für die Ermittler ist der Zugriff ein außergewöhnlicher Erfolg. Gleichzeitig unterstreicht er, dass immer größere Mengen Kokain über die Seewege nach Europa gelangen.

Die Atlantikroute hat sich dabei in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Schmuggelstrecken für Kokain entwickelt. Es stammt überwiegend aus Südamerika – vor allem aus den Hauptproduktionsländern Kolumbien, Peru und Bolivien. Auf dieser Route spielen auch die zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln, die im Atlantik vor der westafrikanischen Küste liegen, eine zentrale Rolle.

Ermittler warnen, dass die langen und schwer zu kontrollierenden Seerouten den Schmugglern große Vorteile verschaffen. Es gibt kaum Kontrollen, Umladungen finden auf hoher See statt und verdächtige Schiffe sind im dichten internationalen Seeverkehr schwer zu identifizieren.

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