Straße von Hormus

Neue US-Angriffe und iranische Vergeltungsattacken

Erneute Eskalation im Iran-Krieg: Teheran hat am Sonntag als Vergeltung für eine Reihe neuer US-Angriffe die Straße von Hormus bis auf Weiteres geschlossen. Die für den Welthandel wichtige Meerenge dürfe bis zu einem „Ende der amerikanischen Interventionen in dieser Region“ nicht befahren werden, erklärten die iranischen Revolutionsgarden.

Schiffe in der Straße von Hormus auf wichtiger Seehandelsroute, Symbol für globale wirtschaftliche Unsicherheiten

Schiffe in der Straße von Hormus: Die wichtige Seehandelsroute ist zu einem der größten Unsicherheitsfaktoren für die Weltwirtschaft geworden Foto: AFP

Wieder einmal kommt es seit dem Wochenende zu Angriffen und Vergeltungsattacken zwischen den USA und dem Iran. Ausgangspunkt ist weiterhin die Straße von Hormus, die von den Iranern seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen das Land Ende Februar, als wichtigstes geopolitisches Druckmittel erkannt wurde. Mohsen Resai, ein Militärberater des obersten iranischen Führers Modschtaba Chamenei, sagte gar laut Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna am Sonntag, die Meerenge sei „wichtiger als dutzende von Atombomben, und die Islamische Republik Iran wird sie schützen“.

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran war am Sonntag erneut militärisch eskaliert. Die USA starteten neue Angriffe auf den Iran, nachdem die iranischen Revolutionsgarden ein Schiff in der Straße von Hormus unter Beschuss genommen hatten. Der Iran verkündete die Sperrung der für den Welthandel wichtigen Meerenge und führte Vergeltungsangriffe auf Ziele in mehreren Golfstaaten aus.

Die neue US-Angriffswelle auf den Iran – die dritte in dieser Woche – erfolgte nach Armeeangaben, nachdem die iranischen Revolutionsgarden ein unter der Flagge Zyperns fahrendes Containerschiff in der Straße von Hormus beschossen hatten.

Die US-Armee nahm nach eigenen Angaben rund 140 militärische Ziele im Iran ins Visier. Dazu gehörten iranische Raketen- und Drohnenstellungen sowie Munitionsdepots, wie das US-Regionalkommando Centcom im Onlinedienst X mitteilte. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte: „Der Iran hat eine schlechte Entscheidung getroffen. Jetzt muss er dafür bezahlen.“

Iranische Medien berichteten über Explosionen in mehreren Städten im Süden des Landes sowie auf der Insel Keschm und in der Provinz Chusestan. Bei einem Angriff auf die Hafenstadt Dschask sei ein Marinesoldat getötet worden, berichteten iranische Medien.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten zu dem Angriff auf den Frachter in der Straße von Hormus, sie hätten Warnschüsse auf das Schiff abgefeuert, das eine „nicht genehmigte Route“ befahren habe. Später griffen sie nach eigenen Angaben ein zweites Schiff wegen angeblicher Verstöße gegen die Vorschriften in der Meerenge an.

Meerenge ist zu, Meerenge ist offen

Die für den weltweiten Handel mit Öl, Flüssiggas und weiteren Gütern wichtige Straße von Hormus bleibe „bis auf Weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Interventionen in dieser Region gesperrt, keinem Schiff wird die Durchfahrt gestattet“, erklärten die Revolutionsgarden.

Die US-Armee hingegen verkündete, dass der Schiffsverkehr in der Meerenge weiterhin fließe. „Der Iran kontrolliert die Meerenge nicht. Der Verkehr fließt“, erklärte das zuständige US-Regionalkommando Centcom am Sonntag im Onlinedienst X. Die Straße von Hormus sei „offen für alle Schiffe, die legal durch diese internationale Schifffahrtsroute fahren wollen“, hieß es weiter. Die US-Armee stehe bereit, dafür zu sorgen, dass dies so bleibe. Die weitgehende Blockade der Straße von Hormus seit Kriegsbeginn hatte die weltweiten Energiepreise in die Höhe schießen lassen.

Der Iran startete nach den US-Attacken Vergeltungsangriffe auf mehrere Länder in der Region. Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten einen US-Luftwaffenstützpunkt in Katar ins Visier genommen. In Katars Hauptstadt Doha waren Explosionen zu hören, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Sie beobachteten Abfangmanöver über Doha. Das katarische Außenministerium verurteilte die iranischen Angriffe als „gefährliche Eskalation“.

Auch in Kuwait war nach Armeeangaben die Luftabwehr im Einsatz, um „feindliche Angriffe“ abzuwehren. Die Vereinigten Arabischen Emirate wehrten nach eigenen Angaben ebenfalls Raketenangriffe ab. Auch in Bahrain ertönte Luftalarm. In Jordanien schlugen drei iranische Raketen ein, dabei wurde niemand verletzt.

Pakistan ruft zur Zurückhaltung auf

Der Iran griff nach eigenen Angaben auch Logistikstützpunkte der US-Armee im Oman an. Die omanische Regierung, die derzeit Gespräche mit dem Iran über die künftige Verwaltung der Straße von Hormus führt, bestellte den iranischen Botschafter ein und legte offiziell gegen „diese unverantwortlichen Handlungen“ ein.

Pakistan rief die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Außenminister Ishaq Dar betonte nach Angaben des pakistanischen Außenministeriums in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi, dass der Konflikt nur mit „Dialog und Diplomatie“ beigelegt werden könne.

Nach der Vereinbarung eines Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran im vergangenen Monat hatte vorübergehend relative Ruhe in der Region geherrscht. In der Nacht zum Mittwoch aber begannen die USA wieder mit massiven Angriffen auf den Iran, US-Präsident Donald Trump erklärte die mit dem Iran vereinbarte Feuerpause für beendet. Auslöser waren Angriffe auf Schiffe, die Washington Teheran zuschreibt. Die Streitkräfte des Iran griffen daraufhin wieder US-Stützpunkte in der Region an.

Am Freitag hatte Trump trotz der verschärften Spannungen mit dem Iran erklärt, dass die Verhandlungen mit Teheran fortgesetzt werden sollten. Beide Seiten setzten dennoch ihren Konfrontationskurs fort. Irans oberster Führer Chamenei kündigte am Samstag „Rache“ an für die Tötung seines Vaters Ali Chamenei bei den US-israelischen Angriffen Ende Februar.

Vergeltung für die Tötung des Vaters

Trump drohte seinerseits dem Iran für den Fall eines auf ihn verübten Mordanschlags mit der „vollständigen“ Vernichtung. US-Medien hatten am Freitag berichtet, dass der israelische Geheimdienst Washington über einen neuen „konkreten“ iranischen Plan zur Ermordung Trumps informiert habe.

Modschtaba Chamenei erklärte in einer schriftlichen Botschaft, die Vergeltung für die Tötung seines Vaters sei „der Wille unserer Nation und muss unweigerlich vollzogen werden“. Der Brief war seine erste öffentliche Wortmeldung seit der Beisetzung von Ali Chamenei am Freitag.

Die iranische Tageszeitung Hamshahri veröffentlichte am Samstagabend eine Liste mit 13 westlichen Politikern, die für den Tod Chameneis „bezahlen“ sollen. Auf einem Schaubild auf der Website der Zeitung waren neben dem US-Präsidenten Donald Trump unter anderem auch der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und der scheidende britische Premierminister Keir Starmer zu sehen.

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