Spanien

Ausbreitung von Waldbrand in Andalusien gestoppt

Nach tagelangem Kampf gegen den verheerenden Waldbrand in Südspanien in der Umgebung des Ortes Los Gallardos zeichnete sich am Sonntag eine Entspannung ab.

In Almocaizar in der spanischen Provinz Almeria steht ein ausgebranntes Fahrzeug

In Almocaizar in der spanischen Provinz Almeria steht ein ausgebranntes Fahrzeug Foto: José Jordan/AFP

Der Feuerwehr gelang es, die Ausbreitung der Flammen in der Region Andalusien zu stoppen. Bei der Suche in ausgebrannten Fahrzeugen, abgelegenen Häusern und entlang kleiner Bergstraßen wurden zunächst keine weiteren Todesopfer entdeckt. Die vorläufige Bilanz liegt damit weiterhin bei zwölf Toten – darunter vermutlich etliche ausländische Touristen.

„Die Nacht hat uns Fortschritte ermöglicht“, berichtete der andalusische Zivilschutzminister Antonio Sanz. „Die Entwicklung ist positiv.“ Weil die einzelnen Feuerfronten weniger aktiv seien, könnten die Helfer nun ihre Verteidigungslinien festigen und ein weiteres Vordringen der Flammen verhindern. Zum Stoppen des Flammenmeers wurden auch Gegenfeuer gelegt. Dank dieser Erfolge blieb es am Sonntag bei einer verbrannten Fläche von 6.600 Hektar Wald-, Busch- und Ackerland – das entspricht 66 Quadratkilometern.

Auch die Wetterlage half den Feuerwehrleuten. Nach Tagen mit großer Hitze und sturmartigen Böen sanken die Lufttemperaturen und der Wind ließ nach. Zugleich stieg die Luftfeuchtigkeit auf rund 50 Prozent.

Mehr als 500 Feuerwehrleute und Soldaten sind weiterhin in der Brandregion im Einsatz. Unterstützt werden sie von Löschflugzeugen und Hubschraubern, deren Zahl am Wochenende zeitweise auf 32 Maschinen anwuchs. Von den rund 1.600 Menschen, die ihre Häuser und Ferienunterkünfte verlassen mussten, durften am Wochenende mehr als 600 zurückkehren.

Opfer noch nicht identifiziert

Weiter unklar war die Identität der zwölf Todesopfer. Spezialisten der Polizei arbeiten noch an der zweifelsfreien Identifizierung. Dafür werden jedoch genetische Proben von Angehörigen benötigt, von denen einige erst aus dem Ausland nach Spanien reisen mussten.

Die Behörden gehen davon aus, dass es sich bei einem großen Teil der Opfer um ausländische Urlauber oder Residenten handelt. Vier Tote wurden in einem Wagen mit Rechtslenkung gefunden und könnten aus Großbritannien stammen. Unter den weiteren Opfern oder Vermissten könnten sich nach Medienberichten auch belgische Staatsbürger befinden.

Bei den Behörden sind bis Sonntag acht formelle Vermisstenanzeigen eingegangen. Ursprünglich war von über 20 „noch nicht lokalisierten Personen“ die Rede. Noch ist nicht geklärt, ob einige der Gesuchten mit den Todesopfern identisch sind.

18 Menschen wurden nach dem Feuer von Rettungskräften medizinisch versorgt. Fünf von ihnen lagen am Sonntag weiterhin mit schweren Verletzungen in Krankenhäusern. Unter den Verletzten befindet sich ein britisches Urlauberpaar, das von Polizisten im letzten Moment gerettet werden konnte. Der Mann und die Frau waren beim Wandern von dem Feuer überrascht worden und hatten Verbrennungen an etwa 40 Prozent ihres Körpers erlitten.

Nach den bisherigen Ermittlungen könnte ein gerissenes Stromkabel den Brand am Donnerstagnachmittag ausgelöst haben. Das Kabel soll in einen Straßengraben gefallen sein und dort die ausgetrocknete Vegetation entzündet haben. Das zuständige Energieunternehmen hat der bisherigen Darstellung widersprochen.

Feuer breitete sich 100 Meter pro Minute aus

Starker Wind, Temperaturen von mehr als 40 Grad und die monatelang ausgetrocknete Landschaft verwandelten das zunächst kleine Feuer binnen kurzer Zeit in einen Feuersturm. Zeitweise fraßen sich die Flammen nach Angaben der Behörden mit bis zu 100 Metern pro Minute voran.

„Es sah aus, als wäre eine Bombe explodiert“, beschrieb der Bürgermeister von Los Gallardos, Francisco Miguel Reyes, die ersten Stunden des sich rasend schnell ausbreitenden Brandes. Das Drama von Los Gallardos ist der tödlichste Waldbrand in der Geschichte Andalusiens und eine der schwersten Feuerkatastrophen Spaniens seit Jahrzehnten. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez will das Brandgebiet an diesem Montag besuchen.

Waldbrände haben dieses Jahr in Südeuropa bereits große Schäden angerichtet. Nach Angaben des europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS sind bisher in der EU 155.600 Hektar verbrannt. Mehr als die Hälfte dieser Fläche verkohlte auf der iberischen Halbinsel. In Spanien waren es bereits mehr als 57.000 Hektar, also über 570 Quadratkilometer, was etwa der Größe der spanischen Urlaubsinsel Ibiza entspricht. Für Portugal weist das System eine verbrannte Fläche von 28.800 Hektar aus. Auch Frankreich, Griechenland und Italien kämpfen seit Wochen immer wieder gegen schwere Waldbrände.

Ausbreitung von Waldbrand in Andalusien gestoppt
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