„52.US-Bundesstaat“
Nach „Scherz“ von künftigem US-Botschafter: Island rückt Richtung Europa
Ein misslungener Scherz des künftigen US-Botschafters sorgt in Island für Proteste. Gleichzeitig wächst aus Sicherheits- und Wirtschaftsgründen die politische Annäherung an Europa.
Die isländische Außenministerin Gunnarsdottir kündigte ein mögliches Referendum zur EU-Mitgliedschaft an Foto: dpa/Michael Kappeler
Der künftige US-Botschafter für Island hat gerade noch mal die Kurve bekommen. „Falls das jemand als Beleidigung aufgefasst haben sollte, dann entschuldige ich mich“, meinte Billy Long zu seiner Äußerung, Island werde bald der 52. Bundesstaat der USA.
Eine Anspielung auf den Anspruch von Donald Trump, Grönland in die USA aufzunehmen, was dann als der 51. Bundesstaat gezählt würde. Longs Scherz führte zum Protest des isländischen Außenministeriums bei der US-Botschaft und zu Unterschriftenaktionen auf der Vulkaninsel: Dem Republikaner soll in der arktischen Republik die Akkreditierung versagt werden, verlangen die Protestler.
Schließlich haben die Insulaner aus naheliegenden Gründen wenig Sinn für solchen Humor. Der Druck, der auf das gerade 45 Flugminuten entfernte Grönland ausgeübt wird, macht vielen der rund 339.000 Isländerinnen und Isländern Sorgen. Schon im Frühjahr vergangenen Jahres fühlten sich nach Umfragen des öffentlich-rechtlichen Senders RUV 74 Prozent der Befragten die USA bedroht.
Strafzölle treffen Island hart
Für Distanz zu den USA sorgen auch die 15 Prozent Strafzölle, die seit August gelten und das vom Export von Fischen abhängige Land besonders treffen – sowie die Drohungen des US-Präsidenten, gegen Grönland-Unterstützer mit weiteren Zöllen vorzugehen.
Gleichzeitig steht die skandinavische Republik militärisch in besonderer Abhängigkeit von den USA. Island ist das einzige NATO-Mitglied, das über keine eigene Armee verfügt. Aufgrund der Weltfinanzkrise hatte Island bereits 2009 den EU-Beitritt beantragt, was jedoch 2015 von einer konservativen Regierung wieder zurückgezogen wurde.
Nun kündigte die isländische Außenministerin Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir an, dass das Parlament im Frühjahr über eine Volksabstimmung zum EU-Beitritt entscheiden wird. Aus Sicherheitsgründen.