Säuglingsmilch-Rückrufwelle

Behörden warnen vor Empfehlungen aus sozialen Medien – bisher kein nachgewiesener Fall in Luxemburg

Nach internationalen Rückrufaktionen wegen möglicher Cereulid-Verunreinigungen verpflichtet China Hersteller von Säuglingsnahrung zu strengen Tests. Auch Luxemburg ist von den kontaminierten Produkten betroffen.

Babymilchflasche mit chinesischem Qualitätszertifikat symbolisiert strenge Tests nach Rückrufaktionen in China

Nach zahlreichen Rückrufaktionen verpflichtet China Babymilch-Hersteller zu strengen Tests Symbolfoto: Freepik/valeria_aksakova

Seit dem 6. Januar 2026 wurden insgesamt 50 Säuglingsmilchprodukte zurückgerufen. Laut einer gemeinsamen Mitteilung der Ministerien für Landwirtschaft und Gesundheit war ein Öl, das reich an Arachidonsäure (ARA) ist, eine Omega-6-Fettsäure, mit dem Toxin Cereulid kontaminiert. Dieses wird von Bacillus cereus produziert und ist als „Mortierella alpina-Öl“ auf den Etiketten angegeben.

Bisher wurden keine Erkrankungen von Säuglingen durch den Konsum der betroffenen Produkte bestätigt. Zwar wurden der Santé drei mögliche Fälle gemeldet, jedoch konnte bei keinem Säugling Cereulid nachgewiesen werden.

Offizielle Empfehlungen

Die Behörden warnen zudem vor Empfehlungen, die derzeit in den sozialen Medien kursieren. Diese könnten Säuglinge in Gefahr bringen. Betroffene sollten sich an die offiziellen Empfehlungen und jene der behandelnden Ärzte halten. Demnach sollte beispielsweise keinesfalls Säuglingsmilch durch Kuh- oder Ziegenmilch, bzw. Milch auf Pflanzenbasis ersetzt werden.

Die komplette und offizielle Liste der zurückgerufenen Produkte ist auf der Webseite der „Sécurité alimentaire“ einsehbar.

Sollten Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen innerhalb von 30 Minuten bis sechs Stunden nach dem Verzehr eines möglicherweise kontaminierten Produktes auftreten, raten die Behörden sofort einen Arzt, Kinderarzt oder notfalls auch die pädiatrische Notaufnahme aufzusuchen.

Gezielte Kontrollen

Anfang Februar gab es eine zweite Rückrufwelle, die durch eine strengere toxikologische Dosisbewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Abstimmung mit anderen europäischen Behörden ausgelöst wurde.

Die Luxemburger Veterinär- und Lebensmittelbehörde (ALVA) habe vorsichtshalber eine gezielte Kontrollkampagne gestartet. 30 Proben von Säuglingsmilchprodukten – darunter Milch für Säuglinge im Alter von 0–6 Monaten, 0–12 Monaten und 0–36 Monaten – seien entnommen und untersucht worden. Eine Probe sei bisher positiv auf Cereulid getestet worden und die ALVA setze ihre Kontrollen derzeit weiter fort.

Giftstoff-Tests in China

Die chinesischen Behörden haben Hersteller von Säuglingsnahrung zu Tests auf das Toxin Cereulid verpflichtet, das in zahlreichen Ländern – darunter Luxemburg – zu Rückrufaktionen bei Babymilchprodukten geführt hat. Es seien alle Hersteller angewiesen worden, „Cereulid-Tests durchzuführen“, teilte die staatliche Marktaufsichtsbehörde am Donnerstag mit. Zudem müssten die Hersteller mit Blick auf verwendete Rohstoffe und Qualitätskontrollen „streng“ vorgehen, hieß es weiter.

Konkrete chinesische Unternehmen wurden in der Erklärung nicht genannt. Im Zuge der Rückrufaktionen war jedoch das in Wuhan ansässige Unternehmen Cabio Biotech in den Blick geraten, welches einer der größten Hersteller von in Säuglingsnahrung verwendetem Arachidonsäureöl ist. Das Unternehmen äußerte sich auf Nachfrage bislang nicht dazu.

Seit Anfang Januar haben Hersteller wie Nestlé, Danone und der französische Konzern Lactalis Babymilch in dutzenden Ländern wegen der möglichen Verunreinigung mit dem Giftstoff zurückrufen müssen.

Die hohe Zahl an Rückrufen hat unter anderem mit den komplexen Lieferketten zu tun, wie das Landwirtschaftsministerium dem Tageblatt erklärte. Behörden und Unternehmen würden Schritt für Schritt prüfen, wo belastete Zutaten eingesetzt wurden. Wird ein betroffenes Produkt entdeckt, müssen alle Vertriebswege zurückverfolgt werden. So tauchen immer wieder neue Produkte auf, die vorsorglich zurückgerufen werden. (WiR/les)

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