Norwegische Monarchie am Abgrund

Prozeß gegen Kronprinz, Mutter Mette-Marit in Epstein-Affaire verwickelt

Der Prozess um die Gewalt- und Drogenexzesse des Kronprinzen Magnus Borg Höiby sorgt für Emotionen in Norwegen, wie auch der lange Kontakt seiner Mutter Mette Marit zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

Norwegische Kronprinzessin Mette-Marit bei offizieller Veranstaltung in eleganter Kleidung

Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit Foto: Odd Andersen/AFP

Mehrere Organisationen, bei der die 52-jährige als Schirmherrin wirkt, fordern nun Aufklärung vom Schloss. Schließlich hielt sie auch nach der Verurteilung des Milliardärs 2008 wegen sexueller Gewalt bis 2014 zu dem Amerikaner. Das Nichtwissen nimmt ihr niemand mehr ab. Selbst der norwegische Premierminister Jonas G. Stör verlangt von Mette-Marit „gute Antworten“ zur Epstein-Causa.

Mittlerweile verspüren 76 Prozent der Norweger einen Vertrauensverlust gegenüber der Kronprinzessin und 44 Prozent halten sie für ungeeignet, Königin zu werden. Auch die Monarchie selbst verliert an Zustimmung – sie erhält nur noch die Unterstützung von 66 Prozent der Norwegerinnen und Norweger, im vergangenen Jahr waren es 72 Prozent. Die Monarchie-Gegner sehen ihre Zeit gekommen.

„Die Regierung wurde aufgefordert, eine umfassende Untersuchung über die Epstein-Verbindung unserer Vertreter zu beginnen“, so auf Anfrage Martin Uleberg von der „Sozialistischen Linkspartei“. Die Partei hat zusammen mit anderen linken Gruppierungen im Parlament diese Woche erfolglos für die Abschaffung der Monarchie gestimmt, auch ihr Antrag auf eine entsprechende Volksabstimmung kam nicht durch. Eigentlich sollte die Parlamentsabstimmung im Juni steigen, worauf sich die Gegner mit Kampagnen vorbereiten wollten, doch sie wurde von der Parlamentsmehrheit in einer raschen Entscheidung vor den Prozessbeginn verlegt.

Das Ergebnis, 144 stimmten dagegen, 26 dafür, spiegelt nach Craig Aaen-Stockdale nicht „die wirkliche Stimmung in der Bevölkerung wider“. Der Dozent an einer Handelshochschule leitet die Vereinigung „Norwegen als Republik“ und ist die lauteste Stimme gegen das Königshaus unter Harald V.. Die Monarchie sei ein „Schwachpunkt“ in Norwegen und stehe mit ihren Privilegien im Gegensatz zu norwegischen Werten wie „Fairness“ und „Gleichheit“. Seine Organisation sei nicht gegen die Königliche Familie, sondern gegen das „Prinzip“. Die Bewohner des klassizistischen Schlosses selbst seien auch Opfer dieses „Käfigs“. Die Organisation will nun die Mehrheit der Norweger, die angeblich „gleichgültig“ gegenüber dem Königshaus seien, aufrütteln. Die nächste Parlamentsabstimmung hierzu steigt allerdings erst wieder in vier Jahren.

Ende der Schonzeit

Norwegische Befürworter der Monarchie wollen deren Wert nicht an den aktuellen Schlagzeilen bemessen. „Das Königshaus ist ein generationenübergreifendes Projekt. Die stabilsten und demokratischsten Länder der Welt sind konstitutionelle Monarchien“, meint etwa Ola Svenneby von der Partei „Die Konservativen“.

Fest steht – die Schonzeit für die Königliche Familie ist Vergangenheit. Lange hatten Mette-Marit und ihr Gemahl Haakon es verstanden, ein großes Netzwerk von Politikern und Medienvertretern zu spannen, deren Mitglieder Unschönes aus dem Schloss nicht nach außen vermittelten. Damit ist es nach dem Sommer 2024, nach dem Bekanntwerden von Höibys Eskapaden, vorbei.

So listete die Internetzeitung Nettavisen auf, über welche Immobilien die „Royals“ verfügen, in denen sich die Exzesse des Stiefsohnes abspielten, und dass der Reichtum der Monarchen mehrere Milliarden norwegische Kronen umfasst.

Die Norweger stimmten in ihrer Geschichte bereits einmal zwischen Republik und Monarchie ab: Im Jahr 1905, nachdem sich das Land von Schweden unabhängig erklärt hatte, wählten 79 Prozent der wahlberechtigten männlichen Bevölkerung den dänischen Prinzen Carl zum König.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Verteidigung

Überlegungen zu einem europäischen Atom-Schutzschirm