Oster-Wochenende
Mindestens 15 Tote bei israelischen Angriffen im Libanon
Israel setzt seine Angriffe auf mutmaßliche Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon mit voller Härte fort. Dabei wurden in verschiedenen Regionen des Landes nach libanesischen Angaben mindestens 15 Menschen getötet. Unter anderem nahm Israel am Montag die Hauptstadt Beirut ins Visier, auch Ziele im Süden und Osten des Landes wurden angegriffen.
Am Ort eines israelischen Angriffs in den südlichen Vororten von Beirut steigt Rauch auf Foto: AFP/Ibrahim Amro
„Terrorziele der Hisbollah in Beirut“ seien angegriffen worden, erklärte die israelische Armee am Montag. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete neue Angriffe auf südliche Vororte Beiruts sowie im Süden und Osten des Landes.
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete am Montag von wenigen geöffneten Geschäften in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt. Eine Tankstelle des Konzerns al-Amana, die bei vorherigem Beschuss beschädigt worden war, sei wieder in Betrieb. In den vergangenen Tagen waren zwei Tankstellen des Konzerns bei Luftangriffen getroffen worden. Die Tankstellen seien „von der Hisbollah kontrolliert“ worden und dienten deren „finanzieller Infrastruktur“, begründete die israelische Armee ihre Angriffe.
Am Sonntag waren libanesischen Angaben zufolge mindestens 15 Menschen bei Angriffen getötet worden. Ein Luftangriff habe das südliche Beiruter Viertel Dschnah getroffen. Dabei seien fünf Menschen getötet und 52 weitere verletzt worden, meldete das Gesundheitsministerium. Zehn weitere Menschen wurden den Behörden zufolge bei Angriffen östlich von Beirut sowie im Südlibanon getötet. Israels Armeechef Ejal Samir sprach von Angriffen auf die vom Iran unterstützte Hisbollah „an mehreren Fronten“.
Östlich von Beirut erfolgte ein israelischer Angriff auf ein Wohngebäude in dem Dorf Ain Saadeh. Dabei wurden dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge drei Menschen getötet. Weitere drei Menschen seien verletzt worden. Das Gebiet war bislang von Angriffen verschont geblieben.
Dunkle Rauchwolken über Beirut
Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von dunklen Rauchwolken über Beirut und Krankenwagen, die mit heulenden Sirenen durch den Stadtteil Dschnah fuhren. Nach Angaben der israelischen Armee waren von der Hisbollah genutzte Gebäude und Anlagen in Beirut Ziel der Angriffe.
Ein Luftangriff erfolgte laut Gesundheitsministerium rund hundert Meter vom Rafik-Hariri-Krankenhaus entfernt – einem der größten öffentlichen Krankenhäuser des Landes. Viele Fenster des Krankenhauses seien während des Beschusses zerstört worden, „einige unserer Patienten erlitten Panikattacken“, sagte der stellvertretende Krankenhausleiter Sakaria Taubeh.
Bei weiteren Angriffen im Südlibanon wurde unter anderem das Dorf Kfar Hatta getroffen, wie die AFP aus libanesischen Zivilschutzkreisen erfuhr. Dabei seien sieben Menschen getötet worden, darunter sechs Mitglieder einer Familie, die kein Auto besaß und bereits aus einem weiter südlich gelegenen Ort vertrieben worden war. Sie wartete den libanesischen Angaben zufolge auf einen Verwandten, der sie abholen wollte. Auch dieser Mann sei bei dem israelischen Angriff ums Leben gekommen.
Die israelische Armee greife die Hisbollah „entschlossen, umfassend und an mehreren Fronten an“, erklärte Israels Armeechef Samir am Sonntag bei einem Truppenbesuch in der südlibanesischen Region Ras el-Bajada. „Über 1000 Hisbollah-Terroristen wurden eliminiert und diese Zahl wird weiter steigen.“ Die Entwaffnung der Hisbollah sei weiterhin das „oberste Ziel“ Israels im Libanon. Der libanesische Präsident Joseph Aoun erneuerte derweil seinen Aufruf zu Friedensverhandlungen mit Israel.
Seit Beginn des Iran-Kriegs sind nach offiziellen libanesischen Angaben mehr als 1420 Menschen getötet worden, unter ihnen 126 Kinder. Mehr als eine Million Menschen sind in dem Land auf der Flucht.