Video von US-Botschafterin

Kritik statt Begeisterung: US-Austauschprogramm stößt in Luxemburg auf Ablehnung

Ein Werbevideo der US-Botschaft in Luxemburg für ein Austauschprogramm an der Purdue University sorgt auf Facebook für heftige Reaktionen. Viele Nutzerinnen und Nutzer stellen angesichts des politischen Klimas in den USA grundsätzlich infrage, ob ein solcher Aufenthalt für europäische Jugendliche derzeit sinnvoll ist.

US-Botschafterin Stacey Feinberg wirbt für Purdue University Austauschprogramm in Luxemburg, Facebook-Reaktionen überwiegend kritisch

Die US-Botschafterin in Luxemburg, Stacey Feinberg, wirbt für ein Austauschprogramm an der Purdue University – die Reaktionen auf Facebook fallen überwiegend kritisch aus Foto: U.S. Embassy in Luxembourg

„Ich halte diese Idee für sehr schlecht – warum sollten junge Menschen heutzutage Europa verlassen, um in die USA zu gehen? Nein, nein, nein ... lassen Sie sie ihre Jugend in Frieden, Demokratie, gegenseitigem Respekt, positiver Stimmung und mit Führungskräften genießen, die diese Position verdienen“, schreibt Christiane K. unter den kürzlich veröffentlichten Beitrag der US-Botschafterin in Luxemburg.

Auch andere Kommentare fallen kritisch aus: „Ist das sarkastisch oder wirklich einladend? Angesichts der aktuellen Lage in den USA ist es vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt“, meint Phub W. Ähnlich äußert sich auch Liza S.: „Angesichts des aktuellen politischen Klimas in den USA finde ich diesen Vorschlag schwer nachvollziehbar. Unsere jungen Menschen verdienen es, zu anderen Formen des internationalen Austauschs ermutigt zu werden, die besser mit den Werten übereinstimmen, die wir ihnen vermitteln möchten“.

Sogar aus der angesprochenen Altersgruppe selbst kommt Skepsis. „Die Reaktion meiner fast 16-jährigen Tochter darauf: Willst du, dass ich getötet werde oder dass mich die ICE mitnimmt? Nein danke, ich bleibe lieber in Europa. Ich glaube, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für Studenten, um in die USA zu reisen. Die USA haben für viele Europäer derzeit ihren Glanz verloren“, schreibt Lini P.

Worum es in dem Video geht

Auslöser der Diskussion ist ein rund 30‑sekündiges Video auf der offiziellen Facebook-Seite der US-Botschaft in Luxemburg. Darin wirbt Botschafterin Stacey Feinberg bei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren für eine Bewerbung zum Austauschprogramm „Benjamin Franklin Transatlantic Fellowship“ an der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana.

„Du wirst den kommenden Juli in den Vereinigten Staaten an die Purdue University verbringen, zusammen mit anderen europäischen und amerikanischen Studenten von ähnlich hohem Niveau. Dort wirst du Fähigkeiten erlernen, die dir helfen werden, später einmal sehr erfolgreich zu werden. Das ist eine fantastische Gelegenheit. Bitte bewirb dich. Es gibt nur einen Platz, aber dieser wird eine ganz besondere Erfahrung werden“, bewirbt Feinberg den Platz im Video.

Deutlich negative Reaktionen

Seit Donnerstagnachmittag haben sich bis Sonntagnachmittag rund 430 Kommentare unter dem Beitrag angesammelt. Der überwiegende Teil der Reaktionen fällt kritisch aus, auch wenn vereinzelt positive Stimmen zu finden sind.

„Sehr geehrte Frau Botschafterin, warum sollte es für junge Europäer eine Belohnung sein, 2026 von der US-Regierung eingeladen zu werden?“, fragt etwa User Frank H. „Wie sollen sie ihren Horizont erweitern und was sollen sie lernen? Toleranz? Respekt? Demokratie und gute Manieren? Redefreiheit? Oder werden sie in internationales Recht eingeführt? Die USA sollten über die Werte nachdenken, die Ihr Land in der Vergangenheit zu einem Vorbild für die Europäer gemacht haben. Leider wirken die USA derzeit abstoßend und arrogant, und MAGA hat sein Ziel in den verbündeten Ländern bereits für viele Jahre verfehlt“.

Ein weiterer Nutzer bringt die Stimmung vieler Kommentierender ironisch auf den Punkt: „So viele kluge Kommentare und dabei trotz der Ironie des aktuellen Kontextes politisch korrekt zu bleiben. Ihr alle macht mich so stolz darauf, Europäer zu sein und diese gemeinsamen Werte zu teilen“, schreibt Mickaël F. Seine Schlussfrage richtet sich direkt an die Botschaft: „Wenn Sie Grönland angreifen, sollen wir dann den NATO-Artikel 5 anwenden und Sie auffordern, Truppen zu entsenden, um Ihre eigenen Truppen zu bekämpfen? Das würde uns eine Menge Sorgen und Geld sparen, in einer Zeit, in der es anderswo gebraucht werden könnte.“

3 Kommentare
Luxmann 18.01.202616:28 Uhr

Man kann sich allerdings fragen welche werte die USA in der vergangenheit zu einem vorbild gemacht haben.
Der landraub und mord an den ureinwohnern?
Der kolonialismus in Lateinamerika?
Die kriege in Vietnam,Irak und anderswo?
Siehe den langen beitrag von Guy Foetz vor wenigen tagen.

Manfred Reinertz Barriera 18.01.202615:35 Uhr

Es ist wohl klar, dass es aktuell nicht sinnvoll sein kann, als Austauschstudent nach Trumpland zu gehen, denn was für Werte sollen denn da an die Studenten vermittelt werden? die ganze Maga Kakke etwa? Oder das Risiko von ICE-Leuten aus Versehen geschnappt zu werden!

Nagi Tanka 18.01.202615:18 Uhr

Typesch, déi eenzeg Bildung ass Abildung.

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