Moldau

Präsidentin Sandu lässt alte Debatte über Staatenehe mit Rumänien neu aufleben

Moldaus Staatschefin Maia Sandu hat in einem Interview bekannt, dass sie bei einem Referendum für einen Staatenbund mit Rumänien stimmen würde. Doch wie realistisch sind die Chancen auf eine Wiedervereinigung im Südosten?

Maia Sandu, Präsidentin von Moldau, spricht kontrovers über mögliche Vereinigung mit Rumänien in politischer Debatte

Moldaus Präsidentin Maia Sandu hat sich mit ihrer Aussage über eine Vereinigung ihres Landes mit Rumänien politischen Ärger eingehandelt Foto: European Union/Aurore Martignoni

Ausgerechnet die Präsidentin der Republik Moldau scheint vom eigenen Staat genug zu haben. „Wenn wir ein Referendum hätten, würde ich für eine Vereinigung mit Rumänien stimmen“, bekannte Maia Sandu am Wochenende. Als Grund nannte sie die unsichere Weltlage: „Für ein kleines Land wie Moldau wird es immer schwieriger, als Demokratie zu überleben – und sich Russland zu widersetzen.“

Zwar hat Sandu ihre Aussage als „persönliche Meinung“ abgeschwächt. Dennoch hat sie die alte Debatte über eine Fusion des auf 2,4 Millionen Einwohner geschrumpften EU-Anwärters mit dem 19 Millionen Menschen zählenden Rumänien wieder neu aufleben lassen.

Verrat am eigenen Land werfen ihr nicht nur die russophilen Sozialisten (PSRM) und Kommunisten (PCRM) vor. Auch das proeuropäische Webportal „agora.md“ kritisiert, dass Sandu ihr „eigenes Mandat untergräbt“: „Eine Präsidentin darf keine Skepsis gegenüber dem Staat hervorrufen, den sie führt.“

Für ein kleines Land wie Moldau wird es immer schwieriger, als Demokratie zu überleben – und sich Russland zu widersetzen

Maia Sandu

Moldaus Präsidentin

Der rumänische Europa-Abgeordnete und Präsidentenberater Eugen Tomac (PMP) erklärt hingegen, dass „jeder bewusste Rumäne“ auf beiden Ufern des Grenzflusses Pruth die Vereinigung für einen „natürlichen Prozess“ halte. Rumänien sei immer bereit, „dieses Szenario ernsthaft zu diskutieren“: „Allerdings nur, wenn dies die Republik Moldau als Option erachtet.“

Doch wie realistisch ist eine Staatenfusion im Südosten? Was spricht dafür und was dagegen? Die vor allem in den 90er Jahren sehr starke Bewegung zur Vereinigung von Rumänien und Moldau führt vor allem historische, aber auch kulturelle Gründe ins Feld.

Bereits das im 14. Jahrhundert entstandene Fürstentum Moldau umfasste Gebiete, die nun durch die Grenze geteilt sind. Das im 19. Jahrhundert von Russland einverleibte Bessarabien wurde von Rumänien 1918 besetzt – und durch den Hitler-Stalin-Pakt 1940 Moskau zugeschlagen. Bis zur Unabhängigkeit 1991 blieb Moldau Teil der Sowjetunion.

Zahl der Befürworter schrumpft

Rumänisch wird von der Bevölkerungsmehrheit der ethnischen Moldauer gesprochen und ist auch die Amtssprache. Der Großteil der über eine Million Auslandsmoldauer lebt und arbeitet ohnehin bereits in der EU: Gar 1,5 Millionen Moldauer sollen wie Sandu bereits den rumänischen Pass besitzen.

Doch nicht nur in dem seit 1992 abgesplitterten Transnistrien, dessen 550.000 überwiegend russisch- und ukrainischstämmige Bewohner bei Volkszählungen in Moldau nicht mehr erfasst werden, sind die Vorbehalte gegenüber einem Staatenbund mit Rumänien groß.

Die Zustimmung zu einer Wiedervereinigung war bei Umfragen seit 1991 heftigen Schwankungen unterworfen. Auch die verstärkten Anstrengungen Chisinaus für einen EU-Beitritt hat den Anteil der Befürworter eines Staatenbunds mit Rumänien zuletzt auf ein Drittel schrumpfen lassen.

Das rumänische Portal G4media.ro empfiehlt denn auch, die „hypothetischen“ Aussagen von Sandu nicht überzubewerten: „Sie hat klar gesagt, dass es keine solche politische Agenda gibt. Denn die Hindernisse sind offensichtlich. Es gibt keine Mehrheit in der Republik Moldau. Es gibt verfassungsrechtliche Grenzen und vor allem will das Land als unabhängiger Staat der EU beitreten.“

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