„Alaska darf kein zweites Jalta werden“

Jean Asselborn ist besorgt über Treffen von Trump und Putin

Am Freitag kommen Trump und Putin in Alaska zusammen, um über die Zukunft der Ukraine und ein mögliches Ende des Krieges zu sprechen. Ein wichtiges Treffen, sagt Ex-Außenminister Jean Asselborn, das schlimme Konsequenzen haben könnte – für die Ukraine und Europa.

Geteiltes Land? Zwei Aktivisten posieren als Trump und Putin mit einer zerrissenen Ukraine.

Geteiltes Land? Zwei Aktivisten posieren als Trump und Putin mit einer zerrissenen Ukraine. Fotos: AFP; Editpress/Tania Feller

Der ehemalige luxemburgische Außenminister Jean Asselborn schaut gespannt auf das Treffen von US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag in Alaska: „Es geht um sehr viel, um den Frieden in Europa schlechthin.“ Für den lang gedienten Chefdiplomaten muss der erste Schritt ein Waffenstillstand sein, danach drehe sich die Diskussion vor allem um zwei Punkte: mögliche Gebietsabgaben und Sicherheitsgarantien. Im Gespräch mit dem Tageblatt betont Asselborn: „Falls die Ukraine bereit ist, über territoriale Zugeständnisse zu reden, kann das nur geschehen mit der Ukraine am Verhandlungstisch.“ Es dürften keine Entscheidungen über die Köpfe der Ukrainer hinweg getroffen werden.

Asselborn hofft deshalb, dass Trump nach seinem Treffen mit Putin Rücksprache mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj hält und diesen einbindet. „Alaska darf kein zweites Jalta werden“, sagt der Ex-Außenminister. Bei der Konferenz im Februar 1945 hatten die USA, Großbritannien und die Sowjetunion über die Zukunft Deutschlands und dessen Teilung entschieden. Das Modell einer geteilten Ukraine mit einem NATO-Beitritt der Westukraine (analog zur deutschen Teilung) bezeichnete Asselborn demnach auch als „das Allerschlechteste, was passieren könnte“. Über territoriale Fragen könne man nur mit den Ukrainern selbst reden. „Die Russen besitzen aktuell nicht alle Gebiete im Donbass, um sie zu verteidigen sind Tausende Ukrainer gestorben“, so Asselborn. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie diese Gebiete den Russen einfach schenken.“

Transatlantische Beziehungen in der Krise

Der Krieg könne nur aufhören, wenn die Sicherheit der Ukraine garantiert sei, sagt der ehemalige Außenminister. „Das geht nicht ohne die Amerikaner.“ Und das nicht nur wegen ihrer Waffen, sondern wegen ihrer geheimdienstlichen Informationen über Russland. In der Person Trump sieht Asselborn jedoch eine Gefahr. „Die Ukraine ist ihm egal, er will wieder Geschäfte machen mit Russland.“ Die transatlantischen Beziehungen, die der ehemalige Außenminister über 20 Jahre selbst erlebt hat, seien nicht immer einfach gewesen, zum Beispiel zu Zeiten des Irakkriegs. Doch heute drohe die reale Gefahr, „dass man hier etwas zulässt, was nicht mehr zu reparieren ist“. US-Vize-Präsident JD Vance trete die europäischen Werte mit Füßen, so Asselborn. „Wenn man die AfD und andere Rechtsextreme in Europa unterstützt, hat man nichts verstanden von der Geschichte.“ Alaska sei ein wichtiger Termin, sagt der Ex-Außenminister. Das Treffen könnte schlimme Konsequenzen haben. „Ich hoffe, dass Europa zusammensteht.“

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