Artemis 2
Wie gelingt die Rückkehr vom Mond?
Nach wochenlanger Verzögerung wegen technischer Probleme ist die US-Mondmission Artemis 2 erfolgreich gestartet: Die Trägerrakete SLS hob am Mittwochabend (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida ab. Drei Astronauten und eine Astronautin sollen zehn Tage lang in einer Orion-Kapsel den Mond umrunden, aber nicht auf dem Erdtrabanten landen. Es ist der erste bemannte Flug Richtung Mond seit der Landung von Apollo 17 im Jahr 1972.
Die Rakete hob am Mittwoch gegen 18.35 Uhr Ortszeit, Donnerstag, 00.35 Uhr MESZ, am Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida, ab Foto: Jim Watson/AFP
Das Ziel: Das Artemis-Programm wurde während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump gestartet. Ziel ist eine dauerhafte Präsenz von Menschen auf dem Mond und die Vorbereitung späterer Missionen zum viel weiter entfernten Mars.
Bei der Mission Artemis 1 hatte 2022 ein unbemanntes Raumschiff den Mond umrundet. Die Folgemission Artemis 2 soll nun drei Astronauten und eine Astronautin in eine Mond-Umlaufbahn bringen, bevor nach derzeitigem Stand 2028 mit Artemis 4 eine Mondlandung anvisiert wird.
Anders als bei den Apollo-Missionen zwischen 1969 und 1972 arbeitet die NASA diesmal sowohl mit der Privatwirtschaft als auch mit anderen Ländern zusammen, vor allem in Europa. Die Raumfahrtunternehmen SpaceX und Blue Origin der US-Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos wurden von der NASA etwa mit der Entwicklung von Mondlandefähren beauftragt.
Die Crew: Artemis 2 ist der erste Mondflug, an dem eine Frau, ein Schwarzer und ein nicht aus den USA stammender Astronaut teilnehmen. Das Kommando in der Orion-Kapsel hat der 50-jährige US-Astronaut Reid Wiseman, ein ehemaliger Marine- und Testpilot, der auch schon die Astronautenabteilung der NASA leitete. „Wir haben einen schönen Mondaufgang“, sagte Wiseman kurz nach dem Start. „Wir steuern direkt darauf zu.“
Der Pilot des Raumschiffs ist der 49-jährige Victor Glover, ebenfalls ein ehemaliger Testpilot der US-Marine. Er ist der erste Schwarze, der an einer Mondmission teilnimmt. Die 47-jährige US-Ingenieurin Christina Koch ist als erste Frau an Bord. Der Kanadier Jeremy Hansen, ein 50-jähriger Ex-Kampfpilot, ist der erste nicht US-Stämmige.
Der Start: Als Trägerrakete der Orion-Kapsel kam die im Auftrag der NASA entwickelte Riesenrakete SLS zum Einsatz. Wegen der komplexen Flugbahn war ein Start der 98 Meter hohen Rakete nur in bestimmten Zeitfenstern möglich. Der Start klappte nun gleich im ersten Zeitfenster, das sich am Mittwoch um 18.24 Uhr öffnete. Gegen 18.35 Uhr (Donnerstag, 00.35 Uhr MESZ) hob die Rakete dann ab.
Der Flug: Nach dem Start fliegt die Crew nicht direkt zum Mond: Die SLS-Rakete brachte die Orion-Kapsel zunächst in eine Erdumlaufbahn. Dort begann die Crew damit, verschiedene Tests vorzunehmen, um sicherzustellen, dass das Raumschiff bereit ist für die Reise zum Mond. Geplant ist etwa, die manuelle Steuerung des Raumschiffs zu testen.
Danach soll die Kapsel die Erdumlaufbahn verlassen und Kurs auf den Mond nehmen. Auf dem Weg dahin soll die Crew weitere Tests und Experimente vornehmen. Wenn die Kapsel den Mond umrundet und sich auf dessen Rückseite befindet, wird der Kontakt zur Bodenkontrolle für kurze Zeit unterbrochen sein. Die Crew wird dann weiter von der Erde entfernt sein als die Besatzung der Mondmission Apollo 13, die bisher diesen Rekord hielt.
Bei der Mondumrundung soll die Crew auch einen möglichen Landeplatz für die Mission Artemis 4 erkunden. Die NASA plant eine Landung am Südpol des Mondes, wo noch nie ein Mensch gewesen ist.
Der Rückflug: Der Rückflug zur Erde soll über eine sogenannte freie Rückkehrbahn erfolgen, bei der das Raumschiff allein durch die Mondschwerkraft und ohne zusätzlichen Antrieb wieder auf Kurs zur Erde gebracht wird. Nach drei bis vier Tagen steht der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre an, einer der gefährlichsten Momente der ganzen Mission.
Bei der Generalprobe für die Mondumrundung, der unbemannten Mission Artemis 1, waren unerwartete Probleme aufgetreten: Der Hitzeschild des Raumschiffs wurde stark beschädigt. Die NASA hat die Flugbahn nun angepasst, um die Kapsel einer weniger extremen Belastung auszusetzen. Nach dem Wiedereintritt soll das Raumschiff von Fallschirmen weiter abgebremst werden und vor der Küste Kaliforniens im Pazifik aufsetzen. (AFP)
Europäer auf dem Mond
Nach dem Start der Mondmission Artemis 2 will die europäische Weltraumorganisation ESA mit den USA über eine Beteiligung an künftigen Mondmissionen beraten. „Das Ziel ist, dass Europäer über den Mond laufen“, sagte ESA-Direktor Josef Aschbacher am Mittwoch (Ortszeit) am Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida.
Die US-Raumfahrtbehörde NASA hatte im März eine Neuausrichtung ihres Artemis-Programms bekanntgegeben und dabei bisherige Pläne für eine Raumstation in der Mondumlaufbahn aufgegeben, an denen auch die ESA beteiligt war. Statt der Raumstation Lunar Gateway soll nun ein Stützpunkt direkt auf dem Mond errichtet werden.
Die ESA hatte mit der NASA vereinbart, dass drei europäische Astronauten zur Gateway-Station mitfliegen sollen. Vorgesehen war, dass zuerst ein Deutscher dabei ist, gefolgt von einem Franzosen und einem Italiener.
Aschbacher kündigte an, sich jetzt rasch mit NASA-Chef Jared Isaacman und dessen Team zusammenzusetzen, um zu verhandeln, ob die für Europäer reservierten Plätze auf den geplanten Flügen zur Gateway-Station auf Flüge zur Mondoberfläche umgebucht werden könnten. „Das ist eine Diskussion, die jetzt geführt werden muss“, sagte der österreichische ESA-Chef in dem auf Englisch geführten Gespräch.