Libanons Präsident
Gespräche mit Israel sollen Kämpfe und Besetzung beenden
Der libanesische Präsident Joseph Aoun hat die geplanten Verhandlungen mit Israel gegen scharfe Kritik der pro-iranischen Hisbollah verteidigt.
Der libanesische Präsident Joseph Aoun will in Verhandlungen mit Israel wieder die Kontrolle über das Land zurückgewinnen Foto: Lebanese Presidency/AFP
Ziel der direkten Gespräche sei es, „die Kampfhandlungen zu stoppen, die israelische Besetzung der südlichen Regionen zu beenden und die libanesische Armee bis an die international anerkannte südliche Grenze“ zu Israel zu entsenden, sagte Aoun am Montag.
Der Libanon habe zwei Optionen: Entweder die Fortsetzung des Krieges mit all seinen humanitären, sozialen und wirtschaftlichen Folgen, „oder Verhandlungen, um diesem Krieg ein Ende zu setzen und dauerhafte Stabilität zu erreichen“, sagte Aoun. Er ernannte den früheren libanesischen Botschafter in den USA, Simon Karam, zum Leiter der libanesischen Delegation für die Gespräche mit Israel.
Am Freitag war eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten. Die Feuerpause war eine der Bedingungen des Iran für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den USA.
Aoun hatte am Freitag in einer Ansprache an die Nation gesagt, direkte Verhandlungen mit Israel seien „kein Zeichen der Schwäche“. Es werde kein Abkommen geben, „das unsere nationalen Rechte beschneidet“, versicherte der Präsident.
Israel und der Libanon unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Vergangene Woche hatten erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten diplomatische Vertreter der beiden Nachbarländer in Washington direkte Gespräche geführt. Das Treffen auf Botschafterebene endete ohne konkrete Ergebnisse. Am Mittwoch kündigte US-Präsident Donald Trump Gespräche auf höchster Ebene zwischen Israel und dem Libanon an.
Hisbollah befürwortet Waffenruhe
Die pro-iranische Hisbollah-Miliz ist nicht in die Verhandlungen eingebunden und lehnt diese entschieden ab. Es liege im Interesse des Libanon, „den Weg der direkten Verhandlungen zu verlassen und zu einer nationalen Verständigung“ über die Zukunft des Landes zurückzukehren, sagte der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah am Montag der Nachrichtenagentur AFP. „Wir werden jeden Versuch zurückweisen und bekämpfen, dem Libanon durch Zugeständnisse an diesen israelischen Feind politische Kosten aufzuerlegen.“ Die Hisbollah befürworte jedoch eine Verlängerung der Waffenruhe mit Israel.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seither immer wieder Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.
Bei den Angriffen wurden libanesischen Angaben zufolge mehr als 2.200 Menschen getötet. Trotz der derzeit geltenden Waffenruhe sind israelische Soldaten weiter im Süden des Libanon stationiert.